Sonnenbräune um jeden Preis oder
Vom Brustkrebsrisiko zum Hautkrebsrisiko?
Bericht und Kommentar von Beate Schmidt
Den Teufel mit dem Belzebub austreiben, Brustkrebs(risiko) gegen Hautkrebs(risiko) eintauschen? Es gibt mehr Optionen als die "Wahl zwischen Pest und Cholera". Nachlesen und nachdenken helfen bei der persönlichen Entscheidungsfindung.
In der jüngeren Vergangenheit war es immer mal wieder in verschiedenen Medien zu lesen: Sonne schützt vor Brustkrebs. Vor einigen Tagen stolperte ich über den Bericht in einem
In der Studie
Die Ergebnisse dieser beobachtenden Studie sind:
Fazit des Abstracts der Studie: Die Wohnortregion und die geographische Sonnenstrahlungsintensität stehen nicht durchweg mit dem Brustkrebsrisiko in Zusammenhang und sind vielleicht keine ausreichenden vertretungsweise angewandten Maßeinheiten für die Sonnenlicht- / Vitamin D-Exposition. Die beobachtete Verbindung zwischen Brustkrebsrisiko und der Zeit, die im Freien verbracht wurde, unterstützt die Hypothese, dass Vitamin D gegen Brustkrebs schützen könnte. (Zitat aus dem Original: "In conclusion, region of residence and geographic solar irradiance are not consistently related to risk of breast cancer and may not be sufficient proxy measures for sunlight/vitamin D exposure. The observed association between time spent outside and breast cancer risk support the hypothesis that vitamin D may protect against breast cancer.")
Hieraus bleibt zunächst festzuhalten: Es geht nach wie vor um eine Hypothese, untersucht in einer beobachtenden Studie. Es gibt bisher keinen Beweis.
Während der eingangs genannte Blogeintrag die Studie mehrfach falsch zitiert, indem er den "Aufenthalt an der Sonne" mit dem "Aufenthalt im Freien" gleichsetzt, ist im Abstract der Studie lediglich von "outside in daylight" (also "draußen bei Tageslicht") die Rede, was nicht zwangsläufig "an der Sonne" bedeutet. Aber selbst unter einer Wolkendecke ist UV-Strahlung vorhanden, mit all ihren positiven und negativen Wirkungen auf den Menschen.
Wenige Klicks weiter, und ich finde in der Reihe "Regionale Veröffentlichungen der WHO. Europäische Schriftenreihe Band 53" aus dem Jahr 1994:
Die Strahlenschutzkommission (SSK) schreibt im
In der 6. überarbeiteten Auflage von
Ich meine jede Frau sollte sorgfältig abwägen, welchen Risiken sie sich aussetzt. Risiken in Bezug auf UV-Strahlung sind vermeidbar, Prävention ist möglich.
Ich frage mich, ob die oftmals als Zeichen von Gesundheit betrachtete knackig-braune Haut wirklich wichtig ist, und ich finde: nein! Im Gegenteil: Frauen wie Nicole Kidman, Renée Zellweger, Claudia Schiffer und Sunnyi Melles, ganz zu schweigen von Dita von Teese, werden von vielen als Stilikonen betrachtet und haben es mit blasser Haut zu Ruhm und Scharen von Verehrerinnen und Verehrern gebracht. Diese Frauen haben offenbar begriffen: Sonne lässt die Haut u.a. schneller altern.
Ich schaue nach Australien, berühmt-berüchtigt für seine hohe Rate maligner Melanome, und sehe, dass man dort dazugelernt hat. Inzwischen wird auch in Deutschland für verschiedene Sonnenschutzmittel mit dem Slogan "nach australischem Standard" geworben. Ärzte empfehlen auch in unserem Land, dass nicht nur Kinder bei hoher Strahlungsintensität zusätzlich schützende Kleidung tragen sollten. Ich denke: gut so!
Ich frage mich, ob "Sonnenbräune" es wirklich wert ist, sich ggf. Hautkrebs einzuhandeln. Geht der Schutz vor UV-Strahlung, die Krebs begünstigt, als einfache Möglichkeit der Hautkrebs-Prävention nicht vor? Sollen und wollen wir wirklich den Teufel mit dem Belzebub austreiben, Brustkrebsrisiko gegen Hautkrebsrisiko eintauschen, und wenn dieses ernsthaft billigend in Kauf genommen wird, wer hat ein Interesse daran? Müssen wir uns wirklich freiwillig und sehenden Auges dem Hautkrebsrisiko aussetzen? Womöglich zusätzlich zu dem, das wir uns als Reiseweltmeister an den Stränden dieser Welt am liebsten mehrfach pro Jahr bereits einhandeln? Und für dieses zusätzliche Hautkrebsrisiko auch noch weiteres Geld ausgeben? Ich bin überzeugt: nein!
Ein vernünftiger, vor UV-Strahlung geschützter Aufenthalt im Freien ist in vielerlei Hinsicht gesund. Wenn unzweifelhaft bewiesen werden sollte, dass Sonne einen gewissen Schutzfaktor gegen Brustkrebs darstellt, würde ich mich freuen. Aber ich plädiere eindringlich dafür, die mit der UV-Strahlung zweifelsfrei verbundenen Risiken nicht zu ignorieren oder zu verharmlosen, denn:
Unsere Haut, unser Körper ist ein Speicher, er vergisst nichts.
Braune Haut ist ein flüchtiger Effekt. Hautkrebs ist lebensbedrohlich.
Ach ja, beinah hätte ich es vergessen: Der eingangs genannte und zitierte Blog gehört zum Internetauftritt von
Weiterlesen:
Abstract der Studie
Evidenzbasierte Informationen zu den Themen
Radiosendung mit Prof. Dr. med. Eggert Stockfleth, Hauttumorzentrum der Charité in Berlin, im Deutschlandfunk - Sprechstunde vom 19.08.2008:
Foto 1: "Rays" (Strahlen) von Michael Kesler - Creative Commons 2.0
Foto 2: "Sonnenschirm" von Ruth "rubu74" - Creative Commons 2.0
Breast Cancer Action Germany - 12. Feb, 11:55






