Neue Medikamente

8
Aug
2007

Tykerb für die Behandlung von fortgeschrittenem Brustkrebs zugelassen

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von Katrina Kahl

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Beate Schmidt

Am 13. März 2007 hat die Food and Drug Administration (FDA) [1.] Lapatinib (Handelsname Tykerb) für die Behandlung von Patientinnen mit fortgeschrittenem oder metastasiertem HER2-positivem Brustkrebs, der vorher ohne Erfolg mit Trastuzumab (Handelsname Herceptin) behandelt wurde, zugelassen. [2.] Tykerb, das von GlaxoSmithKline hergestellt wird, kostet ca. 2.900 US-$ (derzeit etwa 2.150 €) pro Monat.

Die Zulassung folgt den Ergebnissen einer einzigen Phase III-Studie, in der 399 Frauen nach dem Zufallsprinzip zur Behandlung mit entweder Tykerb in Kombination mit Capecitabin (Handelsname Xeloda) oder nur mit Xeloda ausgewählt wurden. [3.] [4.] Das Endergebnis zeigt, dass die zusätzliche Gabe von Tykerb zu Xeloda das Tumorwachstum (Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung) um etwa zwei Monate verzögerte. Jedoch wurde über keine Steigerung der Überlebenszeit berichtet, so dass es unklar bleibt, ob Frauen, die Tykerb nehmen, länger leben als die, die nur Xeloda bekommen.

Obwohl Tykerb ein neues, zielgerichtetes Medikament ist, ist es nur für die Anwendung in Kombination mit Xeloda, einem Chemotherapeutikum, zugelassen. Das Versprechen zielgerichteter Therapien, nämlich dass diese Behandlungen für die Patientinnen weniger toxisch sind, kann nur dann eingelöst werden, wenn diese zielgerichteten Therapien als Einzelwirkstoff bewertet und zugelassen werden, nicht als Behandlungen, die mit einer systemischen Chemotherapie kombiniert werden müssen.

Breast Cancer Action San Francisco (BCA) hat daher einen Brief an die FDA geschrieben, in dem die Bedenken über die Zulassung von Tykerb umrissen werden. [5.] Während eingeräumt wird, dass die Entdeckung besserer Therapien für Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs ein entscheidend wichtiges Feld für die Entwicklung neuer Medikamente ist, bezweifelt BCA den Nutzen der Tykerb-Studie, die die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung als Endpunkt benutzt statt nach einer wirklichen Erhöhung der Überlebenszeit oder einer Verbesserung der Lebensqualität zu suchen. BCAs Brief konstatiert: "Die FDA sollte von Antragstellern für eine Medikamentenzulassung verlangen, dass sie tatsächliche Kennzeichen der Wirksamkeit prüfen, so dass Frauen aussagekräftigere Therapie-Wahlmöglichkeiten haben."

Tykerb mag eine wirksame Behandlungsalternative für Frauen mit HER2-positivem metastasiertem Brustkrebs sein. Aber um dieses zu bestätigen, müssen wir Medikamententests haben, die das Gesamtüberleben und die Lebensqualität prüfen.


Quelle: Breast Cancer Action San Francisco, USA, Newsletter # 97 - August 2007
Originaltext:
http://bcaction.org/index.php?page=newsletter-97i

[1.] Anm. d. Übers.: amerikanische Arzneimittel-Zulassungsbehörde

[2.] Food and Drug Administration Pressemitteilung vom 13.03.2007: "FDA Approves Tykerb for Advanced Breast Cancer Patients", Originaltext siehe http://www.fda.gov/bbs/topics/NEWS/2007/NEW01586.html. Am 05.07.2007 hat das Office of Oncology Drug Products der FDA (Büro für onkologische Medikamente) darüber hinaus eine Mitteilung auf die Website gestellt, die auch Studienergebnisse enthält: http://www.fda.gov/cder/Offices/OODP/whatsnew/lapatinib.htm

[3.] Anm. d. Übers.: mehr Informationen haben wir bereits am 10.04.2007 in unseren Blog gestellt unter http://bcag.twoday.net/stories/3548021/

[4.] weitere Informationen zur Studie finden sich im Newsletter #95 von Breast Cancer Action San Francisco, siehe http://www.bcaction.org/Pages/SearchablePages/2007Newsletters/Newsletter095X.html.

[5.] Original des Schreibens: http://bcaction.org/index.php?page=fda-070305C
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10
Apr
2007

Lapatinib (TYKERB®) von der FDA in den USA als „Second-Line“-Therapie zur Behandlung von HER-2 positivem, metastasiertem Brustkrebs zugelassen

Der größte Zusammenschluss amerikanischer Brustkrebs-Gruppen, die „National Breast Cancer Coalition Foundation“ (NBCCF), berichtete am 16.03.2007 über die Zulassung des neuen Medikaments.

Eine Zusammenfassung von Beate Schmidt

Am 13. März 2007 hat die Food and Drug Administration (FDA) (1.) Lapatinib (TYKERB®) für die Anwendung in Kombination mit Capecitabin (Xeloda®) als „Second-Line"-Therapie für die Behandlung von Patientinnen mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs, deren Tumoren HER-2/neu-überexprimiert sind und die vorher bereits eine Kombinationstherapie mit einem Anthrazyklin, einem Taxan und Trastuzumab (Herceptin®) erhalten haben, zugelassen. (2.)

Der aktuelle NBCCF-Standpunkt:

Die NBCCF begrüßt die Entwicklung effektiver Behandlungsmöglichkeiten für Frauen mit HER-2/neu-positivem Brustkrebs. Es sei jedoch wichtig zu verstehen, dass zwar die Zeit bis zum Fortschreiten der Krankheit verlängert, aber noch kein Überlebensvorteil für diese Kombinationsbehandlung nachgewiesen werden konnte. Entscheidend ist also, so die NBCCF, diesen Nachweis noch zu erbringen.

Eine sehr interessante, aber statistisch nicht erhebliche Beobachtung in der Studie war das geringere Vorkommen von Metastasen im zentralen Nervensystem in der Lapatinib plus Capecitabin-Gruppe. Die NBCCF ersucht die Forschung dringend, weitere aussagefähige Studien durchzuführen, um auch diesen Kontext genauer zu untersuchen.

Bereits vor neun Jahren, 1998, wurde Trastuzumab in den USA erstmals für die Behandlung von HER-2/neu-positivem Brustkrebs zugelassen. Obwohl Studien zum Vergleich von Trastuzumab und Lapatinib laufen, gibt es derzeit keine Daten die zeigen, ob Lapatinib Trastuzumab überlegen ist.

Die NBCCF stellt außerdem fest, dass auch die Entwicklung eines verlässlichen Tests für den EGFR-Rezeptor angegangen werden muss, da Lapatinib auch hierauf abzielt.

Der Hersteller von Lapatinib, GlaxoSmithKline, hat angekündigt, dass die Kosten für die monatlich benötigte Dosierung für eine Patientin über den Großhandel 2.900 $ (im März 2007 umgerechnet rd. 2.250 €) betragen wird. Obwohl der Hersteller Unterstützung für diejenigen angekündigt hat, die nicht krankenversichert oder unterversichert sind (3.), ist die NBCCF besorgt über die Auswirkungen der Kosten, die diese und andere Brustkrebs-Therapien für den Zugang von Patientinnen zu der Therapie und das Gesundheitssystem haben werden.

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Zur Originalnachricht der NBCC:
Lapatinib (TYKERB®) approved by the FDA for second-line treatment of HER-2 positive, metastatic breast cancer


1. Anm. d. Übers.: Food and Drug Administration, die amerikanische Arzneimittel-Zulassungsbehörde, weitere Inforamtionen zu dem Medikament finden sich auch über die Suche auf der Website der FDA

2. Anm. d. Übers.: Basis für die Zulassung, siehe: Geyer CE, Forster J, Lindquist D, et al. Lapatinib plus capecitabine for HER-2 positive advanced breast cancer. New Engl J Med 2006 Dec 28; 355(26): 2733-43.

3. Anm. d. Übers.: bezogen auf die USA
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10
Mrz
2007

Tykerb zur Behandlung von fortgeschrittenem Brustkrebs

von Katrina Kahl

Aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt von Beate Schmidt

Laut einer Studie, die in der Dezemberausgabe des New England Journal of Medicine [1.] veröffentlicht wurde, verzögert das Hinzufügen von Lapatinib (Handelsname Tykerb) zum Chemotherapie-Medikament Capecitabine (Xeloda) das Fortschreiten der Erkrankung bei Frauen mit HER2-positivem fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs. Beim Überleben zeigte die Studie keinerlei Unterschied durch die Zugabe von Tykerb. Die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung stieg von 4,4 Monate mit Xeloda allein auf 8,4 Monate bei einer Kombination aus Tykerb und Xeloda. Jedoch waren in beiden Gruppen 22 Prozent der Frauen bei Studienende verstorben.

An der Studie hatten 324 Frauen mit HER2-positivem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs, bei denen die Erkrankung nach Behandlung mit Chemotherapie und Trastuzumab (Herceptin) fortgeschritten war, teilgenommen. Um für die Studie geeignet zu sein, mussten die Frauen zuvor sowohl mit Herceptin (allein oder in Kombination mit Chemotherapie) als auch mit einem Anthrazyklin und einem Taxan als adjuvante Therapie oder wegen metastasierender Erkrankung behandelt worden sein. Zusätzlich wurden nur Frauen mit normalen kardiologischen Funktionen für die Studie zugelassen. Die zur Studie zugelassenen Frauen wurden zufällig ("randomisiert") der Gruppe, die entweder Xeloda allein (Kontrollgruppe) oder eine Kombination aus Xeloda und Tykerb (Kombinationsgruppe) erhielt, zugewiesen. Am Ende der Studie gab es in der Kombinationsgruppe 49 Frauen mit weiterem Fortschreiten der Erkrankung und 36 Todesfälle, verglichen mit 72 Frauen mit Fortschreiten der Erkrankung und 35 Todesfällen in der Kontrollgruppe. Die Zeit bis zum Fortschreiten einer Erkrankung wird oft als Surrogatmarker [2.] für das Überleben genutzt, aber, wie in dieser Studie veranschaulicht, die Verzögerung des Fortschreitens hat nicht immer einen Überlebensvorteil zur Folge.

Der Versuch wurde wegen der Verzögerung im Fortschreiten der Erkrankung, die in der Tykerb-Gruppe gesehen wurde, vorzeitig gestoppt. Weil der Versuch vorzeitig gestoppt wurde, sind für Tykerb keine Daten zu Langzeit-Nebenwirkungen erhältlich. Außerdem wurde den Frauen der Kontrollgruppe zu der Zeit, als der Versuch gestoppt wurde, Tykerb angeboten. Die Überkreuzung („crossing over“) von Frauen aus der Kontrollgruppe in die Kombinationsgruppe bedeutet, dass Langzeit-Sicherheits- und Überlebensdaten schwierig messbar, wenn nicht sogar unmöglich gemacht werden.

Die Forscher berichten auch, dass die Hinzufügung von Tykerb keine Zunahme toxischer Wirkungen, inklusive kardiologischer Toxizität, die mit dem Gebrauch von Herceptin in Zusammenhang gebracht wird, zur Folge hatte. Jedoch vermerkten die Forscher eine Verzerrung im Design der Studie, weil es nur Frauen mit normalen kardiologischen Funktionen nach Behandlung mit Chemotherapie und Herceptin erlaubt war, an der Studie teilzunehmen. Dadurch hat die Studie möglicherweise Frauen ausgeschlossen, die in Folge einer Behandlung mit Tykerb für kardiologische Probleme anfällig gewesen wären. Die Möglichkeit nachteiliger langfristig auftretender kardiologischer Ereignisse konnte wiederum wegen des vorzeitigen Stopps des Versuchs nicht ausgeschlossen werden.

Die ersten Ergebnisse dieser Studie wurden auf der Konferenz der American Society of Clinical Oncology (ASCO) [3.] im Juni 2006 präsentiert. Tykerb wurde im Vergleich zu Herceptin mit geringerer Kardiotoxizität, dem Potential zur Wirkung auf Metastasen im zentralen Nervensystem (was das Gehirn beinhaltet) und einer leichteren eine-Pille-täglich-Aufmachung beworben. Um mehr über die Ergebnisse der ASCO zu lesen, siehe "Lapatinib News From ASCO" im BCA Newsletter #91, Juni/Juli 2006.

Die Studie wurde vom Hersteller von Tykerb, GlaxoSmithKline, bezahlt und geleitet. In den Vereinigten Staaten, der Europäischen Union, der Schweiz, Australien, Canada und Neuseeland wartet Tykerb derzeit auf seine Zulassung für Frauen mit fortgeschrittenem oder metastasiertem HER2-positivem Brustkrebs, der trotz Chemotherapie und Herceptin fortgeschritten ist. Eine weitere Studie, die Tykerb Evaluation After Chemotherapy (TEACH) [4.] läuft zur Zeit, um Tykerb in der adjuvanten Behandlung bei primärem Brustkrebs zu bewerten. Derzeit ist Tykerb für den Einsatz bei der Behandlung von Brustkrebs nicht zugelassen, und daher nicht für alle erhältlich.


© Originaltext:
Breast Cancer Action Newsletter #95–Februar/März 2007 (Web extra):
http://www.bcaction.org/Pages/SearchablePages/2007Newsletters/Newsletter095X.html
Originaltitel: Tykerb for Treatment of Advanced Breast Cancer by Katrina Kahl


1. Charles E. Geyer, et al., “Lapatinib Plus Capecitabine for HER2-positive Advanced Breast Cancer,” The New England Journal of Medicine 355(26), December 2006, pp. 2733-2743, dt. Abstract ist frei zugänglich.

2. Anm. d. Übers.: etwa „Ersatzendpunkt", s. auch Erklärung Surrogatmarker bei wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Surrogatmarker

3. Anm. d. Übers.: die Übersetzung lautet: Amerikanische Gesellschaft für klinische Onkologie

4. Anm. d. Übers.: die Übersetzung lautet: Bewertung von Tykerb nach Chemotherapie



Über Katrina Kahl:
Katrina Kahl engagiert sich bei Breast Cancer Action (San Francisco) für Interessen von Frauen im Kontext Brustkrebs. Sie hat ihr Studium an der UC Berkeley School of Public Health mit dem Schwerpunkt Öffentliches Gesundheitswesen abgeschlossen. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Prävention und Qualitätssicherung.


Nachtrag zu diesem Beitrag v. 14.03.2007:

"GlaxoSmithKline erhält US-Zulassung für Krebsmittel "Tykerb"

Die GlaxoSmithKline plc hat von der US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für ihr Krebsmittel "Tykerb" zur Bekämpfung von Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium erhalten. Wie der britische Pharmakonzern mitteilte, ist das Medikament in Verbindung mit dem Präparat "Xeloda" der Roche Holding AG bei Patientinnen mit einer bestimmten Ausprägung von Brustkrebs zugelassen, der zuvor auf eine Behandlung mit anderen Mitteln nicht ansprach. Die Art der Erkrankung tritt bei 20% bis 25% aller Krebspatientinnen auf." Quelle: FINANZACHRICHTEN
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