Krebsregistrierung

17
Jul
2008

Situation für Frauen mit Brustkrebs in Deutschland weiter verbesserungsfähig

Das Bundesgesundheitministerium teilte in heutiger Pressemeldung mit, dass die Überlebensraten bei Brustkrebs mittlerweile bei 81% nach fünf Jahren lägen. Da es in Deutschland kein funktionierendes flächendeckendes nationales Krebsregister gibt, sich Überlebensraten nach dem tatsächlichen Start des Screenings vor einem guten Jahr bisher höchstens marginal auswirken und Brustzentren europäische Leitlinien in Deutschland weiterhin unterschreiten, gibt es nach wie vor Handlungsbedarf, um das Überleben von Frauen mit Brustkrebs weiter zu verbessern. Die Datengrundlage des Bundesgesundheitsministeriums wird für die Überlebensraten bei Brustkrebs leider nicht benannt. USA und skandinavische Länder sollen weiter vorn liegen.

Nachfolgender Text: Pressemitteilung Bundesgesundheitsministerium v. 17. Juli 2008

In jüngsten Meldungen über die Überlebensraten bei deutschen Krebspatienten im internationalen Vergleich hat es geheißen, dass die 5-Jahres-Überlebensrate in Deutschland bei 75 Prozent liege.

Dazu erklärt das Bundesgesundheitsministerium:

Die Daten der Untersuchung sind für Deutschland inzwischen veraltet. Sie beziehen sich auf den Zeitraum 1990 bis 1999.

Die 5-Jahres-Überlebensraten für Brustkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs haben sich in den letzten Jahren in Deutschland verbessert und betragen mittlerweile 81 % für Brustkrebs, 60 % für Darmkrebs und 87 % für Prostatakrebs. Dies ist im Wesentlichen einer verbesserten Früherkennung und Behandlung geschuldet.

In Deutschland zeigt sich seit den 70er-Jahren insgesamt eine Verbesserung der Überlebensraten von Krebspatientinnen und -patienten. Die in der aktuellen Ausgabe der Broschüre „Krebs in Deutschland 2003 bis 2004 – Häufigkeiten und Trends“ (6. Ausgabe, erschienen im Februar 2008) analysierten Daten der Jahre 2000 bis 2004 zeigen, dass sich die Überlebensraten insgesamt bei allen Krebsarten bei Männern um weitere 5 Prozentpunkte, bei Frauen um weitere 2 Prozentpunkte verbessert haben.

Grundsätzlich sind internationale Vergleiche von Überlebensraten bei einzelnen Krebserkrankungen mit Vorbehalt zu bewerten. Bessere Überlebensraten sind nicht unbedingt ein Beleg für eine bessere Krebsfrüherkennung und -behandlung. So können beim Vergleich Verzerrungen auftreten (z. B. aufgrund unterschiedlicher Erfassungsgrade der nationalen Krebsregister).

Trotz des grundsätzlich erfreulichen Trends bei den Krebs-Überlebensraten in Deutschland weisen andere Staaten, wie die USA oder manche skandinavische Länder, bessere 5-Jahres-Überlebensraten auf. Die besseren Überlebensraten, insbesondere in den skandinavischen Ländern, werden darauf zurückgeführt, dass dort früher als in Deutschland ein bevölkerungsweites Mammographie-Screening eingeführt wurde.

Vor diesem Hintergrund wurde in Deutschland zwischen 2004 und 2008 ebenfalls ein qualitätsgesichertes Mammographie-Screening implementiert. Ferner dürfte die Versorgung in zertifizierten Brustkrebszentren in Zukunft maßgeblich zu einer weiteren Verbesserung der Brustkrebsüberlebenswahrscheinlichkeit in Deutschland beitragen.
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25
Feb
2007

Zahl der Brustkrebserkrankungen europaweit 2006 wieder angestiegen

Zusammengestellt von Gudrun Kemper


Häufigste Krebsneuerkrankung in Europa bleibt mit Abstand und 13,5% aller Neuerkrankungen Brustkrebs. Jede achte Krebserkrankung in Europa ist auf Brustkrebs zurückzuführen und ursächlich für 7.6% aller Todesfälle bei Krebserkrankungen.

Insgesamt werden von der International Agency for Research on Cancer (IARC) 429.900 Neuerkrankungen sowie 131.900 Sterbefälle allein bei Brustkrebs registriert. Brustkrebs ist damit für 28,9% aller Krebserkrankungen in Europa verantwortlich. Insgesamt sind rund 300.000 Menschen mehr als noch im Jahr 2004 in Europa an Krebs (alle Krebserkrankungen) erkrankt. Die Brustkrebs-Neuerkrankungen sind seit dem Jahr 2004 um 16% angestiegen.

Peter Boyle, der Direktor der International Agency for Research on Cancer, mahnte in der Pressemeldung vom 7. Februar 2007, dass ohne bessere Präventionsmaßnahmen und Behandlungen die „Krebsbelastung“ (cancer burden) allein schon wegen der zunehmenden Alterung der Bevölkerung weiter zunimmt. Er fordert wirksame Maßnahmen zur Prävention, die Reduzierung des Tabakkonsums und das Angebot von Früherkennungsmaßnahmen bei Brust-, Cervix- und Kolorektalkrebs. Auch Diät und mehr sportliche Betätigung fehlt auf der Liste seiner Forderungen zur Krebsprävention nicht. Forderungen nach gesünderen Lebensbedingungen und einer geringeren Belastung mit karzinogenen (krebserregenden) Substanzen thematisierte er allerdings leider nicht. Solange unsere Lebensbedingungen keinen gesunden Lebensstil (durch sog. „Verhältnisprävention“) ermöglichen, werden die Maßnahmen zur Änderung des eigenen Verhaltens nicht optimal effektiv sein können. So wurden aktuell beispielsweise die Werte für den Einsatz der krebserregenden Pestizide durch die Bundesregierung erhöht.

Das Ansteigen der Neuerkrankungen bei Brustkrebs um 16% schreibt Peter Boyle von der IARC vor allem der besseren Früherkennung von Brustkrebs in früheren Erkrankungsstadien zu. Besorgniserregend ist für ihn jedoch vor allem auch der Anstieg der Brustkrebssterblichkeit um ca. 1.900 Fälle (130.000 waren in 2004 berechnet worden), die Fragen aufwirft.

Die Brustkrebs-Neuerkrankungsraten (Inzidenz) in den einzelnen europäischen Ländern sind sehr unterschiedlich und mit 137,8 Frauen auf 100.000 Einwohner gerechnet in Belgien am höchsten. Aber auch andere europäische Länder haben relativ hohe Neuerkrankungsraten. Auch zur Sterblichkeit (Mortalität) liefert die IARC Zahlen für 2006, diese hier sind in Klammern angegeben.

Einige ausgewählte Länder im Überblick:

Irland: 131,4 (29,3)
Niederlande: 128,0 (29,8)
Frankreich: 127,4 (25,9)
Schweiz: 126,5 (22,8)
Schweden: 125,8 (21,1)
Island: 121,6 (16,9)
Dänemark: 122,6 (34,5)
Deutschland: 121,2 (26,5)

Niedrigere Neuerkrankungsraten werden für z.B. nachfolgende Länder angegeben:
Moldawien: 51,5 (23,9)
Ukraine: 53,3 (24,8)
Weißrussland: 55,5 (21,2)
Österreich 91,5 (24,6)
Spanien 93,6 (19,2).

Alle Angaben in dieser Übersicht sind immer jeweils auf 100.000 Einwohner berechnet.

Der Durchschnitt in den EU25-Ländern lag bei 110,3 Neuerkrankungen, die Sterblichkeit wird hier mit 25,0 je 100.000 Einwohner angegeben.

Nicht nachvollziebar sind die niedrigen Raten für Weißrussland und die Ukraine, da man erwarten muß, dass der Reaktorunfall in Tschnobyl die Erkrankungsraten in der Folge erhöht hat. Es ist nachgewiesen, dass radioaktive Strahlung Brustkrebs verursacht. Allerdings haben gerade die osteuropäischen Länder häufig keine wirklich funktionsfähigen Register und die Zahlen sind deswegen mit Vorsicht zu betrachten. Auch Deutschland gehört peinlicherweise nebenbei zu jenen Ländern, die nicht über ein funktionierendes nationales Krebsregister verfügen, der Föderalismus ist bis heute offensichtlich hier ein erfolgreicher Störfaktor, ggf. jedoch auch der mangelnde „politische Wille“, ein solch unerlässliches Register zu errichten, denn die Register in einzelnen Bundesländern müssten sich doch zusammenführen lassen. Gerade wo bei uns Bürokratie allgemein groß geschrieben wird, ist es nicht nachvollziehbar, warum sich hier weiterhin nicht viel tut. Bayern und das immerhin seit 40 Jahren bestehende Krebsregister des Saarlands sind in Deutschland "Vorzeigekinder" in Sachen Krebsregistrierung. Die veröffentlichten Daten der IARC beruhen auf Hochrechnungen aus mehreren Jahren (für Deutschland aus den Entwicklungen in den Jahren 1999 bis 2003).

Interessant an der IARC-Berichterstattung sind auch die Angaben für Island, wo bekanntlich die Inzidenz durch die große genetische „Belastung“ mit Brustkrebsgenen (BRCA-Genen) in der Bevölkerung hoch ist. Die Brustkrebssterblichkeit in Island ist im Vergleich die von allen Ländern - in der hier besprochenen Veröffentlichung der Publikation der IARC - überhaupt niedrigste in Europa. Früherkennung wird in Island traditionell groß geschrieben. Trotz relativ hoher Erkrankungsrate fällt die Relation zur niedrigen Sterblichkeit auf.

Die IARC weist auf die möglichen Überdiagnosen hin, die durch Screening in einigen Ländern verursacht sein könnten. Eine Publikation vom März 2006 konnte nun in Langzeitnachbeobachtungen („Follow-up“ hier über 15 Jahre) anhand der Malmö-Studie aufzeigen, dass das als „Überdiagnose“ (Overdiagnosis) bezeichnete Phänomen zumindest in dieser Studie nicht das Problem ist. (Rate of over-diagnosis of breast cancer 15 years after end of Malmö mammographic screening trial: follow-up study, http://www.bmj.com/cgi/content/full/332/7543/689).

Die IARC fasst bei ihren statistischen Daten zu Krebserkrankungen in Europa zusammen: Brustkrebs ist die häufigste Krebs bedingte Todesursache von Frauen in Europa. Ein Absinken der Brustkrebssterblichkeit war in einigen Ländern in den 1990er Jahren in verschiedenen Publikationen berichtet worden. Dieses war kombinierten Effekten von Früherkennung und Verbesserungen in der Therapie, beobachtet an jüngeren Patientinnen, zugeschrieben worden.

Wegen der Alterung der Bevölkerung in Europa geht die IARC jedoch insgesamt weiter von einer steigenden Inzidenz bei Brustkrebs aus. Sie prognostiziert ein Reduzierung der Sterblichkeit durch die Einführung von organisierten Screening-Programmen, jedoch bei einem gleichzeitigen vorübergehenden Anstieg der Neuerkrankungen. Die besten Programme sind nach Auffassung der IARC dabei die streng qualitätsgesicherten, [so wie etwa das nun in Deutschland anlaufenden Programm auf der Basis der europäischen Leitlinien].

Die von der IARC vorgelegten Zahlen sind Indikatoren, Spiegel und Ausdruck der Lebensbedingungen von Frauen in den einzelnen europäischen Ländern. Sie lassen Rückschlüsse hinsichtlich einer gesunden Lebensumwelt für Frauen, aber auch hinsichtlich
  • der Gestaltung und Qualität von Früherkennungsmaßnahmen, die die Rolle einer „Sekundärprävention“ (zur Vermeidung der Brustkrebs-Sterblichkeit) einnehmen und nicht zuletzt
  • zur Qualität in der medizinischen Versorgung von Frauen mit Brustkrebs
in einzelnen europäischen Ländern zu. Deutschland konnte dabei in der Vergangenheit nach den sog. EUROCARE-Studien nicht glänzen und war auf den hinteren Rängen angesiedelt.


Link zur IARC-Berichterstattung 2006:

Estimates of the cancer incidence and mortality in Europe in 2006
J. Ferlay, P. Autier, M. Boniol, M. Heanue, M. Colombet & P. Boyle
International Agency for Research on Cancer, 150 cours Albert Thomas, 69372 Lyon Cedex 08, France, Received 14 December 2006; accepted 18 December 2006, Oxford Journals, Annals of Oncology, Volume 18, Number 3 (März 2007)
http://www.oxfordjournals.org/our_journals/annonc/press_releases/freepdf/mdl498.pdf

Berichterstattung 2004
http://annonc.oxfordjournals.org/cgi/reprint/16/3/481?maxtoshow=&HITS=10&hits=10&RESULTFORMAT=&fulltext=Cancer+incidence+and+mortality+in+Europe%2C+2004.+&searchid=1&FIRSTINDEX=0&resourcetype=HWCIT
(Hier finden sich die vollständigen Zahlen für alle europäischen Länder.)

Pressemeldungen der International Agency on Research on Cancer, IARC:
2005: New European cancer figures for 2004 - Cancer experts say major efforts needed against the big four killers
http://www.iarc.fr/ENG/Press_Releases/pr159a.html

2007: New European cancer figures - World Cancer Agency says major efforts needed toward prevention in Europe
http://www.iarc.fr/ENG/Press_Releases/pr174a.html

Übersicht über Krebsregister bei uns:
http://www.krebsregister-berlin.de/
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5
Dez
2006

2007: Krebsregister im Saarland wird 40

Im Jahr 2007 wird das saarländische Krebsregister 40. Das Krebsregister im Saarland, das nur ein Jahr nach der Gründung der "International Agency on Research on Cancer" (IARC) entstand, lieferte die Daten für die Hochrechnungen für Krebserkrankungen in Deutschland. Ein nationales Krebsregister ist bis heute in Deutschland nicht etabliert. Das Krebsregister im Saarland ist ein epidemiologisches (bevölkerungsbezogenes) Krebsregister. Krebsregister sind wichtige Instrumente der Krebsforschung in den Bereichen Prävention, bei der Beurteilung bevölkerungsbezogener Maßnahmen (wie z.B. dem Mammografie-Screening) und in der Qualitätssicherung (auffällige Daten in Hinsicht auf Erkrankungsraten und Sterblichkeit können auf Qualitätsmängel oder Handlungsbedarf hinweisen). Die Register haben aber auch Funktionen in Bezug auf Klinische Studien, Patientenmanagement, Genetik und Epidemiologie.

Das Saarländische Krebsregister online:
http://www.krebsregister.saarland.de/

Es wäre schön, wenn man auf nationaler Ebene endlich auch mal "zu Potte" käme und im Zeitalter der Datenverarbeitung die Daten zumindest aus den Ländern, in denen Krebsregister geführt werden, nach einheitlichen internationalen Standards in ein nationales Krebsregister in Deutschland migriert werden können.
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