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Kongressbericht

4
Jan
2009

Das San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) 2008: Ein anderer Kongressbericht

Entwurfstatus / pdf folgt

Alle Jahre wieder … Die Kongress-Lektüre zum Jahreswechsel: Barbara Brenner, Allison Young und Jane Zones (Breast Cancer Action, San Francisco) waren da. Natürlich hat Dr. Susan Love auch das 31. Breast Cancer Symposium (SABCS) vom 10. bis 14. Dezember 2008 in San Antonio besucht.

Die Berichte von Breast Cancer Action haben Beate Schmidt & Gudrun Kemper gesichtet und eine "Kurzversion" zusammengestellt, um einen Ausblick auf Gedanken und Aktivitäten, die auch Wissenschaft und Forschung beschäftigen, zu ermöglichen.

Prävention I: Hormone vermeiden
Zum Abstract 64/SABCS 2008 (Breast cancer after stopping estrogen plus progestin in postmenopausal women in the women’s health initiative (WHI), Chlebowski RT) berichtet Barbara Brenner, dass Dr. Chlebowski Daten aus der WHI-Studie zu Frauen vorgestellt hat, die eine Kombination aus Östrogen und Progestin (künstliches Progesteron) erhalten hatten. Diese Hormontherapie führte zum Anstieg von Brustkrebserkrankungen, unabhängig von der Screening-Teilnahme. Auf Rückfragen betonte Chlebowski, dass es nicht möglich sei, eine „sichere“ Zeitspanne für diese Medikamentensubstitution zu definieren. Im Beitrag zum Abstract 65/SABCS 2008 (Hormone therapy use before diagnosis and breast cancer survival in the California Teachers Study, Marshall SF) wurde ferner nachgewiesen, dass es bei Frauen, die vor ihrer Brustkrebsdiagnose eine Hormontherapie erhalten hatten, zu einem statistisch signifikanten Anstieg der Brustkrebssterblichkeit um 5% kam.

Prävention II: Kosmetika

Die Pharmakologin Dr. Adrienne Olson legte eine Präsentation zum unwissentlichen Verbrauch von östrogenhaltigen Kosmetika vor. Östrogene werden durch die Haut noch schneller vom Körper absorbiert als bei oraler Einnahme. Insbesondere Frauen mit Östrogenrezeptor positivem Brustkrebs müssen Östrogene vermeiden, wenn sie nicht eine Erhöhung des Rezidivrisikos riskieren wollen. Die Untersuchung von 16 gebräuchlichen Feuchtigkeitscremes, die sämtlich Östrogene als Inhaltsstoffe nicht angegeben hatten, ergab, dass sechs der Cremes Östrogene in zum Teil beträchtlichem Maße enthielten. Da Frauen gar nicht die Chance haben, diese Inhaltsstoffe - bzw. diese mögliche systemische Zufuhr - festzustellen, wurden die Interessenvertreterinnen aufgefordert, hier mit der FDA zusammenzuarbeiten, um die Produkte, die Östrogene oder Designer-Östrogene enthalten, zu identifizieren.

Prävention III: Hormonbelastung in der Milch und DDT

Außer der Brustkrebspatientin, Biologin und Ärztin Elisabeth Rieping interessiert sich in Deutschland bisher niemand für die Zusammenhänge zwischen Progesterongehalt in der Milch trächtiger Kühe und Brustkrebs-Inzidenz, aber auch diese Frage wird in den Berichten von Breast Cancer Action wieder kurz gestreift. Im vergangenen Jahr hatte Dr. Bill Goodson auf dem Kongress Daten zum Milchkonsum vorgelegt. Sorge verursachten dem Breast Cancer Action Team aber auch die Planungen der Gates-Stiftung, zum Stopp der Malaria in Afrika wieder DDT einzusetzen, was in den USA – Dank der Arbeit von Rachel Carson – wegen der toxischen Wirkungen bereits seit den 1960er Jahren verboten ist. Rachel Carson, aber auch die Mutter von Bill Gates, starben an Brustkrebs.

Prävention IV: Medikamentöse Prävention
Lasofoxifene ist ein Mittel gegen Osteoporose, das das Brustkrebsrisiko um 85% senken kann. Dieses ist jedoch lediglich eine statistische Größe, über die man genau so streiten kann wie über den Ansatz einer medikamentösen Verhinderung von Brustkrebs (Weiterlesen: bei uns im Pfeil Blog unter zur Einstellung der STELLAR-Studie bzw. auf der Website im Abschnitt Pfeil Prävention). In der auf dem SABCS vorgestellten Studie erkrankten 15 Frauen aus der Lasofoxifene- und 21 Frauen aus der Placebogruppe - ein denkbar geringer Unterschied bei 8.500 Teilnehmerinnen, insbesondere wenn man z.B. das erhöhte Thromboserisiko für all diejenigen mit in Betracht zieht, die das Medikament einnehmen. - Das Medikament Lasofoxifen ist von der FDA in den USA bisher nicht zugelassen worden. Barbara Brenner verweist außerdem darauf, dass die meisten Forscher, die an dieser Studie beteiligt sind, auf irgendeine Weise auf der Gehaltsliste des Herstellers stehen.

Prävention V: AVON & Love
Auf einer Veranstaltung der Alamo-Foundation traf Barbara Brenner die bei uns durch ihr „Brustbuch“ und ihr „Hormonbuch“ bekannte Brustkrebs-Expertin Dr. Susan Love. Love sucht momentan weltweit eine „Frauenarmee“ (Army of Women, Pfeil http://www.armyofwomen.org/), um sie als Teilnehmerinnen für eine Studie zu den Ursachen von Brustkrebs zu motivieren, was von der AVON-Foundation unterstützt wird. Über 260.000 Frauen weltweit haben sich bisher gemeldet (aktuelle Zahlen zeigt die Webseite), geplant sind eine Million Teilnehmerinnen. Durch diese große Anzahl soll es gelingen, in Untergruppen (z.B. Schwestern, Isländerinnen, junge Frauen mit Brustkrebs, ältere Frauen mit Brustkrebs, Frauen mit genetischen Veränderungen usw.) eine genügend große Teilnehmerinnenzahl zu erreichen, um Antworten auf spezifische Fragestellungen (etwa sortiert nach Stillzeiten, Ausbildungsstand etc. etc.) zu finden. Auch hier will Susan Love wieder ihrer Schlüsselfrage nachgehen, nämlich zu lernen, wo die Krankheit beginnt, um sie später einmal bereits „vor dem Ausbruch“ zu stoppen. Breast Cancer Action diskutierte die im Zusammenhang mit Krebs übliche „militärische“ Sprache, die uns mit Begriffen wie rekrutieren, eskalieren etc. bestens bekannt ist. Doch die Entscheidung ist sowieso längst gefallen und Susan Love genießt mit ihrem seit Jahrzehnten neutral ausgerichteten unglaublichen Engagement und ihrer phänomenalen Fachkompetenz das uneingeschränkte Vertrauen von Frauen wie wohl niemand sonst weltweit. Sie wird es also sicherlich schaffen, eine Million Frauen zu finden, nicht zuletzt mit Unterstützung des Internets.

Bildgebende Verfahren zur Früherkennung und Diagnostik

Dr. Wendie Berg hielt am 13. Dezember 2008 einen Vortrag zum Ultraschall der Brust (engl.: Breast Ultra Sound), bei dem sie u.a. Ultraschall als „Screening-Intervention“ diskutierte. Diese Untersuchung erscheint Vielen besonders wertvoll, da sie nicht mit so negativen Eigenschaften wie etwa dem Einsatz ionisierender Strahlung bei der Mammographie belastet ist. Berg ist Radiologin, wie Barbara Brenner festhält, und auch sie betont, dass die Mammographie der „Gold-Standard“ ist. Sie wendet ihre Aufmerksamkeit Frauen zu, die möglicherweise nicht im gleichen Maße wie andere von der Mammographie profitieren können (z.B. Frauen mit strahlendichtem (festem) Brustdrüsengewebe und Frauen, die in eine Hochrisikogruppe fallen). Zum Einsatz der MRT (Magnetresonanztomographie / Kernspin) verweist Berg auf die ACS-Leitlinie (s. dazu auch Pfeil http://www.bcaction.de/03info/mrt.htm#ACSLeitlinie). Für Frauen, die sowohl Mammographie wie auch MRT erhalten, ist ein zusätzlicher Brustultraschall nicht erforderlich, so Berg. Für Frauen mit mittlerem Risiko sah die Wissenschaftlerin „ungenügende Evidenz“ für und auch gegen die MRT. Die Untersuchung sei teuer und fände in dieser Situation auch wenig Akzeptanz („not well tolerated“) bei Frauen. Für diese Gruppe findet die Referentin dagegen positive Aspekte beim Brustultraschall (preiswerte Untersuchung, keine Strahlenbelastung, gute Akzeptanz bei Frauen). Brenner verweist auf die Ergebnisse einer weiterhin laufenden Studie zum Brustultraschall (ACCEIN 666), die im Mai 2008 erstmals im Journal of the American Medical Association (JAMA) publiziert wurde: Kleine Tumore könnten ohne Lymphknotenbefall gefunden werden, jedoch für den Preis von hohen Raten falsch-positiver Befunde und damit vielen unnötigen Biopsien. Nach wie vor kann Ultraschall bei kleinen Auffälligkeiten im Befund nicht gut nachweisen, ob es sich um solide Strukturen oder Flüssigkeiten handelt, jedoch wird an Lösungsansätzen gearbeitet. Für Hochrisikofrauen, die MRT nicht akzeptieren können, sei der Brustultraschall ein Weg, wenn man mit hohen Raten falsch-positiver Befunde leben könne. Fragen der Erfahrungen mit dieser Untersuchung („technologist training“) sowie hinsichtlich der Kostenübernahme wurden diskutiert. Ultraschall sei eine Ergänzung zur Abklärung von mammographischen Befunden, jedoch kein Ersatz für die Mammographie, so erklärt auch diese Referentin - Stand 2008.

Krankheitsbild I: Zirkulierende / Disseminierte Tumorzellen
Im Blut nachgewiesene zirkulierende Tumorzellen wurden im Zusammenhang mit einer Metastasierung bzw. möglichem Fortschreiten bei Brustkrebs von Dr. Klaus Pantel diskutiert. Mit dem Nachweis von zirkulierenden Tumorzellen erhofft man sich Aussagen zur Wahrscheinlichkeit einer Metastasierung sowie zu möglichen Therapiezielen, der Notwendigkeit von Therapien und einem Monitoring von Therapieerfolgen. Jedoch sind sowohl die Verfahren mit Proben aus dem Knochenmark wie auch Blutproben bisher unsicher, wie Dr. Stefanie Jeffrey aus dem wissenschaftlichen Beirat von Breast Cancer Action meint. Dr. Max Wicha, der mitunter „Gott der Stammzellen“ genannt wird, verwies auf dem Kongress bei den zur Zeit angewandten Verfahren der Zellsuche auf falsch-negative Ergebnisse. Die Ergebnisse zeigten allerdings, dass die Überlebenschancen mit einer steigenden Anzahl zirkulierender Zellen sinken. Es ließ sich nachweisen, dass die Zahl zirkulierender Tumorzellen durch die adjuvanten Therapien sänke. Allerdings konnte wiederum nicht bewiesen werden, dass diese Veränderung die Überlebenschancen beeinflusse. Fragen zu den sogenannten „schlafenden“ Tumorzellen, die bei Brustkrebs u.a. für die späten Rezidive verantwortlich sein könnten, sind bis heute ebenfalls nicht zu beantworten, etwa: Welche Rolle spielt das Immunsystem? Haben alle Patientinnen schlafende Tumorzellen? Welche Rolle spielt Stress? etc. Die Folien von Pantel, der offenbar u.a. mit dem Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf zusammenarbeitet, liegen unter: Pfeil http://sabcs08.m2usa.com/data/SABCS08_PL2_01.pdf.

Krankheitsbild II: Mehr zum Verständnis der Metastasierung
Barbara Brenner hat den für 15 Minuten im Programm verankerten Vortrag von Dr. Joan Massagué zur Metastasierung (Deconstructing Metastasis) angehört. Seiner Beobachtung nach müssten Brustkrebszellen an den üblichen Metastasierungsorten von Brustkrebs in Knochen, Leber oder Gehirn entsprechend der unterschiedlichen Art der Organe über verschiedene Fähigkeiten verfügen, um in diese Gewebe einzudringen und sie zu besiedeln. Der Wissenschaftler betonte, dass es im Gegensatz zu Darm- oder Lungenkrebs bei Brustkrebs oft viele Jahre dauert, manchmal sogar sehr viel länger, bis eine Metastasierung manifest wird. Demzufolge haben Brustkrebszellen diese Fähigkeit möglicherweise anfänglich noch nicht und müssen sie in der Mikroumgebung, in die sie eingebettet sind, erst entwickeln. Für die Onkologie sei eine Metastasierung zwei oder drei Jahre nach der Erstdiagnose bei Brustkrebs früh, während diese Zeitspanne für die Biologie im Allgemeinen jedoch eine lange Zeit sei. Barbara Brenner stellt die spannende Frage, wie die Mikroumgebung sein muss, um diese Veränderungen zu bewirken, doch der Vortrag bot hierzu keine Erklärungen. Im Blickwinkel der Forschung liegen zur Zeit Fragestellungen zum Verständnis der molekularen Struktur von Krebszellen und ihren Spuren in Gensignaturen, die bestimmte Arten der Metastasierung - etwa in Lunge oder Gehirn – vorhersagen können. Die Hoffnungen richten sich insbesondere darauf, eines Tages nur diejenigen Patientinnen zu therapieren, die diese Therapie auch brauchen.

Dr. Larry Norton hielt in der „McGuire Lecture“ einen Vortrag, der etablierte Vorstellungen von Brustkrebs auf den Kopf stellt. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die Metastasierung bei Brustkrebs ein Problem der „Selbst-Aussaat“ (Self-Seeding) ist, dem mit den bisherigen Therapieformen und Ansätzen der genaueren Klassifizierung von Tumoren z.B. über Genexpressionsprofile nur in vergleichsweise bescheidenem Maße beizukommen sei. Die Präsentation zu dem sehr interessanten Vortrag ist online verfügbar unter: Pfeil http://sabcs08.m2usa.com/previewer.html.

Dr. Patricia Steeg ist eine Molekularbiologin, die die „Women’s Cancers Section“ am NCI, der nationalen Krebsforschungseinrichtung der USA, leitet. Sie forscht seit rund 20 Jahren an den Mechanismen der Metastasierung und wurde 2008 auf diesem Kongress mit dem „Brinker Award“ der Komen Foundation ausgezeichnet. Sie hielt einen Vortrag über „Molekulare Erkenntnisse bei der Metastasierung von Brustkrebs“ und widmete sich dabei u.a. den sogenannten Suppressor-Genen. Sie selbst hat das erste derartige Gen entdeckt, über 25 solcher Gene kennt man inzwischen. Von den Suppressor-Genen erhofft man sich zukünftig sowohl Informationen über die jeweils individuell vorliegende Tumorerkrankung als auch neue therapeutische Ansätze.

Therapie I: Antihormontherapien
Fünf verschiedene Präsentationen zu Aromatasehemmern wurden vorgestellt. Die Ergebnisse sind für Barbara Brenner von Breast Cancer Action „allenfalls verwirrend“. Problematisch sei die Praxis der „Entblindung“ und des „Cross-Over“, die bei heutigen Studien häufig anzutreffen seien und zu einer Verzerrung bzw. einer Unmöglichmachung von validen Studienergebnissen führten. Als weiteres Problem wurden hier sogenannte „Open-Label“-Studien benannt, bei denen sowohl Arzt als auch Patientin wissen, welche Medikationen verabreicht werden. Nach kurzem Zeitablauf werden Therapieempfehlungen teils auch dann ausgesprochen, wenn keine „statistisch signifikanten“ Daten, sondern lediglich „Trends“ vorlägen. Barbara Brenner schlägt jedenfalls vor, die Patientinnen – und Teilnehmerinnen der Studien – in dem Wissen um die Notwendigkeit brauchbarer Ergebnisse zu fragen, ob sie nicht für brauchbare Studienergebnisse von solchen Praktiken wie Entblindung und Cross-Over lieber absehen möchten.

Therapie II: Die Diskussion um Anthrazykline
Die Diskussion darüber, ob Dr. Dennis Slamon mit seiner Aussage, dass die TopoIIa-Überexpression die Möglichkeit des Ansprechens auf Anthrazykline (eine der auch in Deutschland am häufigsten eingesetzten Chemotherapien bei Brustkrebs mit sehr toxischen Nebenwirkungen) anzeigt, wurde viel diskutiert. Der Vortrag „Chromosome 17 polysomy (CH17) as a predictor of anthracycline response: emerging evidence from the UK NEAT adjuvant breast cancer trial (Abstract 45, Pfeil http://www.abstracts2view.com/sabcs/view.php?nu=SABCS08L_1444) kommt zu dem Schluss, dass eine Chromosom 17 Polysomie Pfeil http://de.wikipedia.org/wiki/Polysomie (CH17) das Ansprechen am ehesten vorhersagen kann, während TopoIIa- sowie Her2-Überexpressionen Ersatz dafür wären. Diese Diskussion wird bei uns in Deutschland bisher praktisch nicht verfolgt. Obwohl es Grund zu der Annahme gibt, dass viele Patientinnen, die Anthrazykline erhalten, keinen Vorteil sondern möglicherweise sogar Nachteile von der Therapie haben (Risiken schwerster Nebenwirkungen) und Alternativen in der Therapie bestehen, steht eine Reaktion der Fachgesellschaften bzw. des IQWIG bei uns noch aus. In der Leitlinie sind Anthrazykline ohne Einschränkungen weiterhin vorgegeben, obwohl diese Zusammenhänge nicht sehr neu sind.

Breast Cancer Action betont jedenfalls die Bedenken, die hinsichtlich des Einsatzes von Anthrazyklinen bestehen, insbesondere angesichts der wahrscheinlich sehr geringen Anzahl von Patientinnen, die einen Vorteil durch die Therapie haben könnten. Breast Cancer Action hat sich deswegen bereits mehrfach mit dem Thema auseinandergesetzt und verweist auf die eigene Webseiten-Suche, was wir bei Interesse auch unseren Leserinnen für unsere Webseite empfehlen. Geben Sie dazu das Suchwort „Anthrazykline“ bei Pfeil www.bcaction.de ein. Während sich Dr. Slamon gegen Anthrazykline ausspricht, verteidigt ein anderer Wissenschaftler, Dr. Mark Levine, die Chemotherapie mit Anthrazyklinen.

Ein Satellitensymposium wurde von Fran Visco, der Vorsitzenden der National Breast Cancer Coalition NBCC, geleitet. Die NBCC hatte bereits vor rund zwei Jahren Fachwelt und Patientinnenvertreterinnen eindringlich aufgerufen, den Einsatz der Anthrazykline kritisch zu überprüfen, s. dazu auch unsere Pressemeldung von 2007: Pfeilhttp://www.openpr.de/news/156713/Neubewertung-dringend-gefordert-NBCC-fordert-Pruefung-von-anthrazyklinhaltigen-Chemotherapien.html.

Fran Visco fragte, welcher Evidenzgrad denn erreicht sein müsste, um einen Behandlungsstandard zurückzunehmen. Diese Frage hatte auch Barbara Brenner in der BCAction-Zeitschrift „The Source“ vom März 2008 gestellt. Warum geht es so schnell, eine aggressive Therapie zum Standard zu machen, und warum ist es so schwer, diese Therapie aus dem Repertoire wieder zu entfernen, wenn man sieht, dass sie nicht funktioniert? Dies ist eine bittere Frage zu einem Medikament, das auch den Namen „der rote Tod“ trägt und von dem wir immer wussten, dass wir wahrscheinlich wenig Nutzen von ihm haben. In der Festschrift „50 Jahre Krebsregistrierung: Das Gemeinsame Krebsregister der Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und der Freistaaten Sachsen und Thüringen 1953 – 2003“ lesen wir beispielsweise: „So wurde im Rahmen einer Fall-Kontroll-Studie das Risiko einer Leukämieerkrankung nach einer vorausgegangenen Brust- bzw. Ovarialkrebserkrankung untersucht. Es zeigte sich, dass die Patientinnen, deren primäre Krebserkrankung mit einer Chemotherapie behandelt wurde, gegenüber den übrigen Patientinnen ein deutlich erhöhtes Leukämierisiko trugen.“ PDF der Festschrift: Pfeil
http://www.berlin.de/imperia/md/content/gkr/publikationen/weitere/festschrift.pdf

In „The Source“ beschreibt Brenner, wo Ursachen für die Schwierigkeiten beim Umdenken in den USA liegen. Wahrscheinlich läge es daran, dass US-Ärzte, ebenso wie viele Patientinnen übrigens auch, annähmen, dass ein aggressiveres Vorgehen bei Krebs mehr Menschenleben retten könne als ein weniger aggressives. Man will Patientinnen nichts vorenthalten und bei eventuellen Klagen vor Gericht auch nicht Gefahr laufen, im Falle des Fortschreitens der Krankheit wegen Unterlassung verklagt zu werden. Weitere Barrieren sind die immensen Investitionen, die man bereits in diese Therapien gesteckt hat. Man berechne diese einmal lediglich für den weltweiten Einsatz von Anthrazyklinen bei Brustkrebs in den vergangenen 30 Jahren - eine Utopie! Die Umstellung von Leitlinien und sämtliche damit verbundenen Verwaltungsarbeiten kommen noch hinzu. Das alles, so schreibt Barbara Brenner, mache es sehr schwer, das schwerfällige Schiff in andere Bahnen zu lenken. Fran Visco führte jedenfalls weiterhin aus, dass die richtige Zielrichtung der Therapien die Effektivität, Lebensqualität, finanzielle Lasten und Toxizität berücksichtigen müssten. Noch stehen auch Antworten zu der Frage nach der besten Testmöglichkeit des TopoIIa-Gens aus, die sich zudem mit Diskussionen zu den bestmöglichen Testverfahren für Her2-neu überschneiden. Die medizinische Praxis sollte jedoch dahingehend geändert werden, dass nur diejenigen Patientinnen toxische Therapien erhalten, die auch davon profitieren könnten. Im Falle der Anthrazykline würde dies bedeuten, dass nur noch rund 8% der Brustkrebspatientinnen, die eine Her2-neu- plus TopoIIa-Überexpression an den Tumorzellen aufweisen, für diese Therapien überhaupt in Frage kommen.

Therapie III: Herceptin

Bei lokal fortgeschrittenem Brustkrebs konnte eine Studie zeigen, dass nach drei Jahren das Überleben ohne Krankheitsrezidiv (EFS) bei Gabe von Herceptin verbessert war. Hinsichtlich des Gesamtüberlebens gab es allerdings keine signifikanten Unterschiede, berichtet Barbara Brenner zum Abstract 31 (Trastuzumab after adjuvant chemotherapy in HER-2 positive breast cancer - update on efficacy and safety results of the HERA trial, Goldhirsch A). Andere Forschungsarbeiten im Zusammenhang mit Her2, Testverfahren und neuen Medikamentenkombinationen sind derzeit noch in experimentellem Stadium.

Therapie IV: Neue Medikamente
Eine neue Abkürzung für eine Medikamentengruppe sorgte für Aufmerksamkeit: „STI“ steht für „Signal Transduction Inhibitor" (übersetzt etwa: Signalweitergabe-Hemmer). Aussagen zur Überwindung von Resistenzen anderer Brustkrebsmedikamente mit dieser neuen Medikamentengruppe wurden kontrovers thematisiert, denn vorliegende Forschungsergebnisse sind nicht so exakt, dass sie auf die einzelne Patientin direkt übertragbar wären. Zur Sprache kamen: Unnötige Nebenwirkungen, unklare Ergebnisse und die höheren Kosten für das Gesundheitssystem. Auch hier geht es bisher also um den eher experimentellen Bereich.

Therapie V: Zugang zu Fortschritten in der Brustkrebstherapie
In einer Diskussion mit Brustkrebs-Experten wird Barbara Brenner berichtet, dass es eine Menge Fortschritte in der Brustkrebs-Therapie gäbe. Auf ihre Rückfrage, wer die Möglichkeit hätte, von diesen neuen Therapien zu profitieren, heißt es jedoch sogleich: „Ja, das ist eine andere Frage …“. Brenner bemängelt an erster Stelle, dass der Gedanke des Zugangs zu den neuen Therapien vernachlässigt wird: „It seems to me that as long as we think about medical advances as divorced from the issue of their affordability, we won’t be able to make real progress in cancer.” (übersetzt: Es scheint mir, dass wir, solange wir medizinische Fortschritte losgelöst von der Frage der Erschwinglichkeit sehen, zu echten Fortschritten in der Krebstherapie nicht fähig sind.) Alle betroffenen Frauen bräuchten schließlich Zugang zur bestmöglichen Therapie, nicht nur jene, die sich diese leisten können - eine in den USA relevante Frage, die auch bei uns zunehmend an Bedeutung gewinnt, der steile Anstieg der Medikamentenpreise Probleme und Fragen aufwirft. Außerdem leben viele Frauen mit Brustkrebs nicht in den westlichen Industrienationen und haben einen noch viel schlechteren Zugang zu Therapien und teuren neuen Medikamenten als Frauen in Deutschland oder den USA.

Am Rande I: Begrüßungsdinner der Alamo-Foundation

Die Alamo-Foundation ist vor Ort in San Antonio, Texas, aktiv. Beim Begrüßungsdinner hatten die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, sich vorzustellen und mitzuteilen, für welche Organisation sie am SABCS teilnehmen. Barbara Brenner war überrascht, dass so viele Frauen sich in so vielen unterschiedlichen Organisationen engagieren. Allerdings, so stellt Brenner fest, widmen sich nur Wenige der Interessenvertretung. Die einzige Person, die bei dem Dinner unerbetenen Beifall bekam, so Brenner weiter, war der einzige männliche Arzt im Raum, Dr. Peter Radvin, der sich für das Alamo-Programm engagiert. Alle Anderen engagierten sich im Bereich Brustkrebs, doch allein Spezialisten seien das Maß der Dinge, resümiert Barbara Brenner weiter, auch hinsichtlich der AIDS-Bewegung einen Vergleich ziehend. Sie zitiert dazu einen AIDS-Aktivisten: Aktivisten wären verängstigt und wütend, doch heute habe niemand mehr Angst, was den Medikamenten zu verdanken sei. Sind AIDS-Medikamente eigentlich erfolgreicher als Medikamente gegen Brustkrebs? Barbara Brenner hält jedenfalls fest, dass bei dem Begrüßungsessen auch ein Repräsentant von Novartis, dem Hersteller des Medikaments Femara und Sponsor der Alamo Brustkrebs-Stiftung, anwesend war. Eine Patientin bedankte sich für das Medikament, was Brenner zu der Frage: „Aktivismus?“ veranlasst. Thema in San Antonio war u.a., dass die KOMEN-Foundation, die auch in Deutschland aktiv ist, in Dallas 39 Mitarbeiterinnen entlassen hat. Die Krise verschont offenbar auch amerikanische Brustkrebs-Organisationen nicht.

Am Rande II: Mittagessen mit Big Pharma – Novartis

Die Unterhaltung zur Mittagszeit am 13. Dezember bot der Konzern Novartis mit seiner Werbung für das Medikament Zometa. Im Programm hieß die Veranstaltung: „Metastasierter Brustkrebs – Warum sind meine Knochen wichtig?“ Die Schauspielerin Marcia Strassman (Jg. 1948), die hier Einigen vielleicht durch Filme wie „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ bekannt ist, erhielt bereits bei ihrer Erstdiagnose der Brustkrebserkrankung auch die Diagnose einer Knochenmetastasierung. In ihrem Facebook-Account teilt sie als Novartis-Partnerin mit, dass sie alle 28 Tage eine Infusion mit Zometa erhält und wirbt damit für das Medikament in den USA. „Marcia Strassman nimmt die aktive Rolle einer Patientinnenvertreterin ein“ lesen wir in ihrem Facebook-Account, der direkt zur Produkt-Information von Novartis verlinkt. Die Schauspielerin wurde mit Brustkrebs diagnostiziert, nachdem sie selbst „einen Hügel“ in ihrer Brust fand, und das, obwohl sie regelmäßig zur Mammographie gegangen war. Die letzte Mammographie wurde sieben Monate vor der Diagnose erstellt. Die Schauspielerin hatte bereits früher für Krebs-Charities Geld gesammelt und u.a. deswegen Zugang zu den besten Ärzten, schreibt Barbara Brenner. Ein Knochenszintigramm zeigte unglücklicherweise Metastasen und sie erhielt fortan Arimidex und Zometa. Allerdings entwickelte sie unter Arimidex eine allergische Reaktion und wechselte zu dem Medikament Femara. Marcia Strassman ist sehr dankbar für diese Medikamente, die beide von Novartis hergestellt werden und ihr beide wenig Nebenwirkungen verursachen, wie sie auf dem SABCS die ZuhörerInnen wissen lässt. Brenner hält jedoch fest, dass sie eine gute Krankenversicherung hat, die ihre Therapien bezahlt - was nicht allen Brustkrebspatientinnen in den USA möglich ist, da sie entweder gar keine Krankenversicherung oder nur unzureichenden Versicherungsschutz haben.

Weiterhin sprechen die Ärzte Dr. Adam Brufsky und Dr. Hope Rugo zu Zometa. Brenner merkt an, dass nicht bekannt sei, was Novartis als Honorar für die Arbeit der beiden Ärzte für den Konzern zahle. Brufsky sagt für die kommenden Jahre große Fortschritte in der Brustkrebstherapie und das Überleben der meisten Patientinnen voraus. Die Patientinnenvertreterinnen im Raum fordert er auf, Geld für die Forschung zu sammeln. Rugo spricht schließlich sehr ausführlich über die „real world of Zometa“, während sie nachfolgend ausführlich darlegt, wie selten die Kiefernekrose als Nebenwirkung sei.

Anschließend konnten bei dieser Veranstaltung Fragen gestellt und auch schriftlich eingereicht werden. Barbara Brenner nutzt die Gelegenheit für eine Nachfrage an den Konzern, der einerseits Medikamente wie z.B. Aromatasehemmer gegen Brustkrebs herstellt, andererseits aber auch das Herbizid Atrazin, das bekannt dafür ist, dass es die Aromatase wiederum stimuliert. Eine Antwort wird jedoch zumindest von Brenner nicht übermittelt. Die Patientinnenvertreterin Roberta Gelb, die mit verschiedenen Organisationen arbeitet, fragt Brufsky, warum eigentlich niemand den Patientinnen die Empfehlung gäbe, ihr Leben zu leben und die Brustkrebstherapie ihren Onkologen zu überlassen, eine Frage, die dieser jedoch sehr defensiv beantwortet.

Im Gespräch nach der Veranstaltung stellt Barbara Brenner fest, dass viele von der Veranstaltung enttäuscht waren, denn es wäre klare Information und nicht der zuckersüße Einheitsbrei eines Pharmakonzerns erwünscht gewesen. Allison Young drückt es noch etwas deutlicher aus. Sie hat den Eindruck gewonnen, dass Novartis die Situation der Patientinnen nicht verstünde: Frauen mit Brustkrebs, die an einer wissenschaftlichen Konferenz teilnähmen, wollen fundierte Informationen, während lediglich variierende Grade eines rosafarbenen Lifestyles geboten wurden. Sie regt sich auch über die Schauspielerin auf, die die Bequemlichkeit ihrer 28-Tage-Infusionen lobt, während sie das Land bereist und andere Frauen in den Staaten keinen hinreichenden Versicherungsschutz hätten. Man könne auch nicht so tun, als würde man mit besserem Zähneputzen die Kieferosteonekrosen als Nebenwirkung eines Bisphosphonats beheben können, während genaue Informationen dazu fehlten. Auch die „interdisziplinäre Zusammenarbeit“ der Ärzte, die in den USA Frauen mit Brustkrebs behandeln, ist offensichtlich nicht ganz nahtlos zu haben. „Ich kann meinen Chirurgen nicht bewegen, mit meinem Onkologen zu sprechen, und Sie wollen mir sagen, dass mein Onkologe mit meinem Zahnarzt reden sollte?“, fragt eine Patientin. Das kommt uns doch auch irgendwie bekannt vor. Am Ende der Konferenz erhält Allison dann noch den Anruf einer Patientin. Sie hat Probleme mit einer Kiefernekrose. [An der Berliner Charité wird zur Kiefernekrose ein Zentralregister geführt, weitere Info: Pfeil http://www.charite.de/zmk/Kiefernekrose_Patinfo_Einverstaendnis_Zentralregister_Berlin.pdf]

Am Rande III: Advocacy Lunch bei Genentech

Nicht nur Novartis, auch Genentech (eine Firma, die mehrheitlich im Besitz des Pharmakonzerns ROCHE ist) hatte sich etwas Spezielles für Interessenvertreterinnen auf dem SABCS 2008 einfallen lassen: Ein „Advocacy Lunch“, also die Einladung von Patientinnenvertreterinnen zum Mittagessen. Barbara Brenner outet es als Firmenwerbung, Jane Zones aus dem Breast Cancer Action-Team nennt es Public Relations. Zentral bei diesem Treffen ist eine Präsentation von Firmenmitarbeitern, die die Produktpalette, die Genentech entwickelt, ins rechte Licht rückt.

Genentech hat außerdem anlässlich des 10. Geburtstages der Zulassung von Herceptin ein Video gedreht, das die Rolle der Patientinnenvertreterinnen bei Entwicklung und Zulassung des Medikaments hervorhebt, und zwar als Weg, um sich auf diese Weise bei den Patientinnenvertreterinnen zu bedanken, wie Barbara Brenner schreibt. Jane Zones vom Breast Cancer Action-Team beschreibt die Ironie der Geschichte, dass es nämlich vor rund 12 Jahren ausgerechnet Frauen von Breast Cancer Action waren, die für starken Druck hinsichtlich der schnellen Zulassung von Herceptin sorgten. Nachdem eine der Frauen sich an die Tore von Genentech gekettet hatte, änderte sich die Situation schnell. Margi Stuart, damals BCA-Vorstandsmitglied, war eine der ersten, die nach dieser Aktion Herceptin erhielten. Sie konnte mit dieser Therapie eine Verlängerung der Überlebenszeit erreichen und erlebte so noch, wie ihre jüngste Tochter die Schulausbildung abschloss. Margi Stuart starb 1997. Von diesen Aktivistinnen wurde in dem Video natürlich niemand gezeigt. Und obwohl BCA und Genentech damals in enger Verbindung standen – der Verzicht auf finanzielle Mittel aus der Pharmaindustrie wurde erst 1998 verabschiedet –, hat Genentech für das aktuelle Video niemanden von Breast Cancer Action interviewt. Das Firmenvideo berichtete u.a. auch über Avastin. Breast Cancer Action hatte, wie auch die NBCC, gegen eine Zulassung dieses Medikamentes in der Brustkrebstherapie opponiert. Es überrasche nicht, dass solche Meinungen keinen Eingang fänden, sondern hauptsächlich Meinungen von Menschen, die langjährig für die Firma gearbeitet haben, gezeigt wurden, und diese berichten natürlich nur Positives. Unter den im Video Interviewten sagte beispielsweise jemand, dass sich die Zusammenarbeit mit der Brustkrebsbewegung von der Konfrontation hin zur Kooperation entwickelt habe, so dass nun eine Partnerschaft mit der Industrie bestünde. „Das stimmt, aber das ist das Problem. Engagement ist nicht Partnerschaft. Wir müssen in der Lage sein, diese Firmen zu pushen, und das können wir nicht als Partner“, kommentiert Barbara Brenner. Gewerkschaften sind schließlich auch keine „Partner“ von Konzernen. Interessenvertretung braucht Unabhängigkeit.

Der Glanz der „hochpreisigen PR“ (Allison Young) fiel in sich zusammen, als bei der nachfolgenden Firmen-Präsentation versucht wurde, den Frauen weiszumachen, wie bedeutend progressionsfreies Überleben (Time To Progression TTP) als Parameter bei den Ergebnissen klinischer Studien sei. Da sagte eine Patientinnenvertreterin nach der anderen, dass die Gesamtüberlebenszeit (Overall Survival, OS) für sie als Parameter relevanter sei. Es sollte vermittelt werden, dass die Zeit bis zur Krankheitsprogression TTP im Vergleich zu einer Verbesserung der Gesamtüberlebenszeit als Endpunkt bei klinischen Studien im Setting bei metastasiertem Brustkrebs zu bevorzugen sei. Aus Firmensicht ist dieser Standpunkt nachvollziehbar, aus Patientinnensicht sind Aussagen zu verbleibenden Überlebenszeiten allemal interessanter.

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Wir bedanken uns ausdrücklich bei PfeilBreast Cancer Action für ihre Begleitung der Kongresse sowie für die neutrale und kritische Berichterstattung und die Möglichkeiten, ihre Arbeit zu nutzen!

Es gibt insgesamt acht Berichte von Breast Cancer Action, die unter
Pfeil http://bcaction.org/index.php?page=conference-coverage
vollständig nachzulesen sind.

Sämtliche von SABCS veröffentlichte Vorträge können hier eingesehen werden:
Pfeil http://sabcs08.m2usa.com/previewer.html

Bericht vom vergangenen Jahr lesen …
Pfeil http://www.bcaction.de/Blog/pdf/sana_bericht2007.pdf
© 2007, 2008 http://www.bcaction.de | creative commons - some rights reserved



27
Dez
2007

Die Anzahl der gescheiterten „Durchbrüche“ kommt nicht überraschend

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Alle Jahre wieder … Die Kongress-Lektüre zum Jahreswechsel: Barbara Brenner und Mary DeLucco (Breast Cancer Action, San Francisco) waren da, aber auch Dr. Susan Love hat das 30. Breast Cancer Sympoosium (SABCS) vom 13. bis 16. Dezember 2007 in San Antonio besucht. Es gibt keine Heilung von Brustkrebs, es scheint auch nicht so, als gäbe es bald eine, und so ist es jetzt am logischsten, ihn als chronische Erkrankung zu behandeln, stellt z.B. Mary DeLucco fest, die auch den Titel unserer kleinen Zusammenfassung formulierte. Sie ist begeistert von Susan Love, die in einer Diskussion zur Verfügung stand. Wenn sie je einen Zweifel gehabt hätte, dass Brustkrebs ein großes Geschäft ist, dann wäre er spätestens auf diesem Symposium ausgeräumt worden, so DeLucco. Zu „Big Pharma“ vermerkt sie knapp, dass sie praktisch überall war und dass schrecklich viele Leute ihr Auskommen mit unserer lebensbedrohlichen Krankheit bestreiten.

Barbara Brenner beginnt ihre Zusammenfassung der wichtigsten Informationen bereits auf dem Flughafen, wo sie schon auf dem Weg zur Gepäckausgabe von digitalen Werbebotschaften begrüßt wird: „Aroma… welcomes you to San Antonio“. Anlässlich dieser „Premiere“ hält sie trocken fest, dass sie an so vielen Plätzen und von vielen Dingen schon begrüßt wurde, doch noch niemals zuvor von einem Aromatasehemmer. Solche Formen der Werbung gibt es auf unseren Flughäfen in Deutschland Dank des Werbeverbots für verschreibungspflichtige Medikamente - jedenfalls bisher - nicht.

Neuer Kongresspartner ab 2008
Im nächsten Jahr soll SABCS in Partnerschaft mit der Amerikanischen Vereinigung für Krebsforschung (American Association for Cancer Research, AACR) veranstaltet werden. Brenners Einschätzung nach steht dahinter das Anliegen, den „Klinikern“, die sehr stark auf dem Symposium repräsentiert sind, mit den „Wissenschaftlern“, die breit in der AACR vertreten sind, mehr Dialog zu ermöglichen. Brenner hofft sehr, dass es durch die weitere Expansion nicht zu „konkurrierenden Veranstaltungen“ kommt, damit es möglich bleibt, alle Veranstaltungen zu verfolgen. Ihre Bilanz in diesem Jahr fällt dennoch relativ nüchtern aus und auch Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnenvertreterinnen, die sie angesprochen hat, ob sie neue Erkenntnisse sähen, antworteten mit „Nein“.

Brustkrebsvorstufen
Susan Love teilte diesen Eindruck übrigens zunächst. Sie kommt zu dem Schluss, dass man heute erkenne, dass nicht allein die beständige Progression die Bösartigkeit der Erkrankung bestimmt, sondern es kristallisiere sich auch im Zusammenhang mit den Brustkrebsvorstufen (z.B. DCIS, Ductales Carcinoma in situ) bereits heraus, dass schon im Stadium der Vorstufe das aggressive Potential erkennbar wird. Aggressive Vorstufen entwickelten sich demnach zu aggressiven Tumoren und umgekehrt: Vorstufen ohne aggressives Potential entwickeln sich nicht zu tödlichen Krebserkrankungen. Diese Erkenntnisse spielen im Zusammenhang mit der Früherkennung von Brustkrebs und ungeklärten Fragen beim Vorgehen mit den Brustkrebsvorstufen zukünftig sicherlich eine wichtige Rolle. Die Pathologie muss uns diese notwendigen wichtigen Informationen zukünftig erschließen. Aber auch diese Information hatten wir genau genommen in vorangegangenen Jahren bereits gehört. Link Dr. Thea Tlsty, eine Pathologin vom Comprehensive Cancer Center an der University of California, hat den interessanten Vortrag zu Proteinen, die eine verbesserte Prognose über die weitere Entwicklung von vorgefundenen Brustkrebsvorstufen ermöglichen, vorgestellt. Noch sind die untersuchten Patientinnenkollektive bzw. die Anzahl der Gewebeproben relativ niedrig bzw. gering, jedoch sieht es so aus, als wäre man mit den beiden gefundenen neuen Markern „p16“ und „COX2“ deutlich besser in der Lage, solche Vorstufen zu diagnostizieren, die ein hohes Risiko für eine nachfolgende Entwicklung zu aggressiven Karzinomen beinhalten.
Link Zum Abstract: http://www.abstracts2view.com/sabcs/view.php?nu=SABCS07L_1171&terms=

Genexpressionsprofile
Und auch wenn Unsicherheitsfaktoren wohl zunächst weiter bleiben, so weist Susan Love bereits jetzt darauf hin, dass Frauen mit einem - via Genexpressionsprofil mit dem Oncotype DX-Test festgestellten - niedrigen Rückfallrisiko trotz befallener Lymphknoten nicht von einer Chemotherapie profitiert hätten, anders als Frauen mit hohem Rückfallrisiko. Die Forschungen hier sind aber noch nicht so sehr weit gediehen.

Barbara Brenner berichtete dazu, dass Link die Professorin für Hämatologie und Onkologie, Dr. Kathy Albain, die an der University of Michigan Medical School lehrt, beispielsweise festgestellt habe, dass sie bei befallenen Lymphknoten unabhängig vom Oncotype-Ergebnis, also auch bei niedrigem Score, dennoch vorsichtshalber eine Chemotherapie verordnen würde und bei Frauen mit mittlerem Risikoprofil sei ebenfalls keine Hilfe durch das Testergebnis zu erwarten. Link Zum Abstract: http://www.abstracts2view.com/sabcs/view.php?nu=SABCS07L_1165&terms=

Brenner verweist in diesem Zusammenhang auf den bereits im November 2006 im Breast Cancer Action Newsletter erschienenen Artikel LinkHold the Chemo: Who will benefit und who won’t“. Und wir verweisen auf unsere Link Infos zu Genexpressionsprofilen.

Link Joe Gray von der California-Universität in San Francisco stellte einen weiteren Versuch vor, mit dem durch entsprechende genetische Signaturen zukünftig die Prognose und das Ansprechen der Tumoren auf spezifische Therapien besser vorhergesagt werden könnte. Im Gegensatz zu den bisherigen Forschungsansätzen, die zu der Entwicklung der recht teuren Produkte von Agendia und Oncotype geführt haben, soll es sich um ein bezahlbares Verfahren handeln. Barbara Brenner im Original: „And it will be cheap.“ Sie fügt die Hoffnung an, dass die Bereitstellung dieses Tests hoffentlich schnell geht, und verweist darauf, dass prognostische Aussagen allein vielen Frauen nicht weiterhelfen werden: Es gäbe kaum Ansätze, wie man den Frauen mit schlechterer Prognose zu einer besseren Prognose verhelfen könne.
Link Zum Abstract:
http://www.abstracts2view.com/sabcs/view.php?nu=SABCS07L_1142&terms=


Statistik zur „adjuvanten“ Therapie

Der erste Beitrag des Symposiums (The worldwide overview: new results for systemic adjuvant therapies, vorgetragen von Link Richard Peto für die "Early Breast Cancer Trialists' Collaborative Group" (EBCTCG) der University of Oxford, UK) widmete sich genau dieser adjuvanten Behandlung, zu deren Worterklärung Barbara Brenner die Definition bei Wikipedia heranzieht: Die adjuvante Chemotherapie ist demnach eine „zusätzliche Behandlung, die gewöhnlich nach der Chirurgie eingesetzt wird, wenn alle aufzufindenden Anzeichen der Erkrankung entfernt sind, aber wo ein statistisches Risiko für einen Rückfall aufgrund einer okkulten [verstecktem] Erkrankung besteht". Peto stellte in seinem weltweiten Überblick systemische und andere adjuvante Therapien vor. Eingeschlossen in die Präsentation wurden die Daten aus über 300 randomisierten Studien, an denen über 350.000 Patientinnen teilgenommen hatten.

Vorgestellt wurden die therapeutischen Wirkungen von
  • Strahlentherapie trotz Mastektomie (Entfernung der Brust)
  • Tamoxifen-Behandlung abhängig vom Östrogen- und Progesteron-Status
  • Aromatasehemmer im Vergleich zu Tamoxifen und
  • Effekte der Verwendung von Chemotherapien nach Alter, Östrogenrezeptorstatus und Art der Chemotherapie.
Brenner berichtet, dass eine Menge statistischer Daten gezeigt wurde, die jedoch immer nur Rückschlüsse auf die behandelten Patientinnengruppen, nicht jedoch für die individuelle Patientin, die die Therapie erhalten soll, erlaubten. Petos Botschaft sei gewesen, dass die systemischen Behandlungen die Brustkrebssterblichkeit bei Frauen in den mittleren Jahren um die Hälfte reduziert. Brenner fügt an, dass dieses unglücklicherweise nicht heißt, dass diejenige Patientin, die sich so behandeln lässt, damit ihr individuelles Risiko, an Brustkrebs zu sterben – durch eine oder mehrere dieser Behandlungen – damit halbiert. Wie lang das „Follow-up“ bei den von Peto vorgestellten Studien war, wäre in diesem Zusammenhang nochmals interessant, die Präsentation ist noch nicht online.

Barbara Brenner fasst Petos Ergebnisse kurz zusammen:
  • Die Strahlentherapie (nach Mastektomie) nach Brustkrebs verbessert bei befallenen Lymphknoten das Überleben, aber: Es sind Nebenwirkungen zu berücksichtigen.
  • Bei positivem Östrogenrezeptor sei Tamoxifen eine geeignete Therapie, der Progesteron-Rezeptor sei irrelevant für die Therapieauswahl, und die Vorteile der Tamoxifeneinnahme könnten auch 5 oder 10 Jahre nach dem Ende der Behandlung noch gezeigt werden.
  • Aromatasehemmer verringern die Sterblichkeit im Vergleich zu Tamoxifen [eine Langzeitevaluation fehlt aber bisher].
  • Der Östrogenrezeptorstatus ermöglicht nicht die Vorhersage des Ansprechens auf eine Chemotherapie, Chemotherapie hilft jedoch einigen Patientinnen. Wie viel die Chemotherapie hilft, ist abhängig vom Alter der Patientin, jüngere Patientinnen profitieren besser.
Außerdem erklärte Peto, dass „wohlhabende“ Länder höhere Brustkrebsraten haben, weil die Frauen weniger Kinder hätten und es mehr Übergewicht nach der Menopause gäbe – was Barbara Brenner insgesamt kommentiert mit: "Hübsche, einfache, unkomplizierte Erklärungen, ohne dass Umweltgifte einer Erwähnung wert gewesen wären. Für diesen Kongress jedoch nicht überraschend und enttäuschend." Peto stellte lt. Brenner auch fest, dass es eine gute Zeit für einen Statistiker sei, was ihrer Meinung nach allerdings die Frage danach aufwerfe, ob es auch eine gute Zeit für an Brustkrebs erkrankte Frauen wäre und ob wir zukünftig auch Statistiker sein müssten, um Therapieentscheidungen treffen zu können. Bei genauem Hinsehen helfen allerdings auch statistische Kenntnisse nicht wirklich, denn wie wir wissen: Es gibt bis jetzt keine Sicherheit in Bezug auf die tatsächliche Wirksamkeit bei der individuellen Patientin. Der Link Abstract zu dem Beitrag von Peto ist bisher (Stand: 28.12.2007) zumindest ohne Inhalt.


Adjuvante Anthrazykline

Wie wir berichteten, hat die National Breast Cancer Coalition (NBCC) mit Sitz Washington dazu aufgerufen, sich mit einer Neubewertung der Anthrazykline in der adjuvanten Behandlung von Brustkrebs neu zu befassen. Wir haben dazu eine Information online Link in unserem Blog. Damit die für uns Frauen mit Brustkrebs wichtigen Fragen nicht untergehen, hat die National Breast Cancer Coalition Patientenvertreter aufgefordert, aktiv zu werden, was uns zu unserer Link Pressemeldung vom 07.09.2007 veranlasst hat: Schließlich werden diese Therapien täglich verabreicht.
In San Antonio befasste sich Link Dr. Dennis Slamon mit dieser interessanten Fragestellung. In seiner Zusammenfassung (Abstract 13) bestätigt er grundsätzlich die Position der NBCC. Rund 92% der Patientinnen haben demnach keine Her-2- bzw. TopoIIa-Überexpression und sollten aufgrund der Langzeitrisiken wie Herzschäden und Leukämien andere Therapien erhalten. Link Zum Abstract.

Wir wissen: Diese Materie ist sehr kompliziert. Aber es soll sicherheitshalber auch hier erwähnt werden, dass es ist keinesfalls egal ist, welche Frau sich bei einer Brustkrebserkrankung einer anthrazyklinhaltigen Chemotherapie mit ihren gefürchteten möglichen Nebenwirkungen und schweren Langzeitschäden von irreparablen Herzschädigungen bis hin zu Leukämien unterzieht. Den Vortragsfolien von Dennis Slamon ist zu entnehmen, dass das TopoIIa-Protein ein Hauptziel der Anthrazykline ist, womit also klargestellt ist, warum andere Frauen offensichtlich gar nicht von diesen Chemotherapien profitieren können: Das Angriffsziel fehlt.

Die Überexpression dieses TopoIIa-Gens geht in der Regel mit einer Her2-Überexpression einher. Aus Zeitgründen waren keine Fragen nach diesem Vortrag möglich, so konnte Barbara Brenner vor allem ihre Frage nach einem Test für „TopoII“ nicht stellen. Sie fragte jedoch verschiedene andere Ärzte auf dem Symposium, die sich Slamon anschlossen. Auf einer Veranstaltung für Patientenvertreterinnen beantwortete der Wissenschaftler nochmals klar und deutlich: Er verordnet entsprechend seinen Erkenntnissen keine anthrazyklinhaltigen Chemotherapien mehr, wenn nicht eine Her2-Überexpression vorliegt, aber: Dr. Peter Ravdin (University of Texas) widersprach ihm dann …

Hand aufs Herz: Anthrazykline werden seit rund 30 Jahren in der Behandlung von Brustkrebs eingesetzt. Nun erfahren wir, dass sie nur bei rund 8 bis 9 Prozent der Patientinnen überhaupt die Chance haben, eine Wirkung zu entfalten, die hilfreich ist. Eigentlich ist die Situation für uns Frauen mit Brustkrebsdiagnose eine Zumutung: Wo bleiben die klaren Daten und Zahlen zur adjuvanten Chemotherapie bei Brustkrebs? Wir hören immer wieder, dass sie hilft - aber sie schadet eben auch. Für Frauen, die eine anthrazyklinhaltige Chemotherapie hinter sich gebracht haben und nun erfahren, dass sie bei ihnen gar nichts bewirken konnte, ist diese Feststellung ein Schock. Die Langzeitfolgen dieser hoch toxischen, schrecklichen Therapien sind mitunter tödlich. Es ist hochgradig unbefriedigend, sich ohne klare Aussagen wenigstens über eine potentielle Wirksamkeit einzelner chemotherapeutischer Regime für oder gegen eine solche Therapien entscheiden zu müssen. Das gilt umso mehr, weil Frauen mit Brustkrebs oft genug noch unter dem Schock der eigentlichen Diagnose stehen, wenn diese neue Entscheidung von ihnen erwartet wird. Wir brauchen nicht immer nur Beschwichtigungen und wir wollen nicht, dass unsere Fragestellungen einfach unter den Teppich gekehrt werden. Unendlich viele klinische Studien sind durchgeführt worden. Wo bleiben die harten Daten, die wir nachvollziehen können?

Apropos klinische Studien

In seinem Beitrag „Rethinking Clinical Trial Structure“ (Die Strukturen klinischer Studien überdenken, Link Abstract 14) forderte Link Dr. Joseph Ragaz, MD, FRCPC, McGill University Health Center
  1. Internationale Koordination. Dieses erscheint vor dem Hintergrund unendlich vieler Parallelforschungen, die immer wieder ähnliche Resultate erbringen, sinnvoll, ist aber auch komplex und schwierig in der Umsetzung. Die Internationalisierung der Landschaft von klinischen Studien bei Brustkrebs ist im übrigen in vollem Gange: Internationale Multicenterstudien sind inzwischen üblich und bergen wieder eine Reihe von ganz eigenen Risiken.
  2. Nur bei belegtem großem Erfolg bei fortgeschrittener – metastasierter – Erkrankung sollte überhaupt ein Einsatz von Substanzen im adjuvanten Setting erfolgen. Seine dritte Forderung war schließlich der verstärkte Einsatz von sog.
  3. neoadjuvanten Behandlungen unter Einsatz von Nadelbiopsien für die Testung der Effektivität von Therapien. Als betroffene Frau muss man letzteres zumindest gründlich überdenken.
Gerade bis in den Bereich der klinischen Studien (Versuche) ist eine wirksame Beteiligung von Patientinnen bisher kaum vorgedrungen. Der Alltag der Behandlungen im Rahmen solcher Studien wird immer selbstverständlicher und es wird Zeit, diesen Bereich auch intensiver von Seiten der betroffenen Frauen unter die Lupe zu nehmen, Informationen zu sammeln, sich mit dem Marketing der Studien und den zahlreichen für uns relevanten anderen Dingen in diesem Zusammenhang intensiver zu befassen.

Von der Milch
Dr. William Goodson stellte ein Poster (Nr. 2028 mit dem Titel: „Milk Products Are a Source of Dietary Progesterone“) zu Forschungen vor, die sich mit den Zusammenhängen der Nahrungsaufnahme - namentlich von Progesteron in Milchprodukten - und der Brustkrebsentstehung befassen. Nachfolgend die Zusammenfassung des Abstract zum Poster in deutscher Übersetzung.

"Die schnelle Züchtung von Milchkühen wurde Mitte des 20. Jahrhunderts zur Steigerung der Produktion in Gang gesetzt. Wir können belegen, dass das daraus resultierende Progesteron in Milchprodukten mit hohem Fettanteil schnell resorbiert wird, was zu einem nachweisbaren Anstieg von bioverfügbarem Progesteron in den Menschen führt, die diese Produkte konsumieren. Angesichts der Größenordnung des Milchkonsums müssen wir die Möglichkeit in Erwägung ziehen, dass eine einzige Änderung in der Technologie der Nahrungsmittelproduktion einen bedeutenden Einfluss auf die Gesundheit junger Menschen, die mit den besten Absichten ermuntert werden, Milch zu trinken, haben könnte.“ Link Link zum vollständigen Original-Abstract: http://www.abstracts2view.com/sabcs/view.php?nu=SABCS07L_1108&terms=

Risiko von Netzhautblutungen
Auf Poster 2080 betrachtete Dr. A. Eisner in einer vorläufigen Studie ein Ansteigen von Netzhautblutungen unter Anastrozol-Nutzerinnen. Link Zum Abstract: http://www.abstracts2view.com/sabcs/view.php?nu=SABCS07L_109&terms=

Kampf um neue Medikamente
Barbara Brenner berichtet von ihrer Teilnahme an einem Genentech Lunch-Symposium, bei dem es sehr gutes Essen gab. Siehe dazu auch Link http://www.nofreelunch.org bzw. MEZIs unter: Link http://www.mezis.de. Avastin hat, wie bekannt, zurzeit kein Empfehlung zur Zulassung durch das entsprechende FDA-Gremium erhalten. Auch ist die volle Transparenz der Studiendaten wohl nicht gegeben, sechs Patientinnen im Avastin-Arm starben an den Folgen der Therapie („died from treatment“), während die Daten für den Taxol-Arm unbekannt seien. Genentech plant nach den bisherigen Ergebnissen keine registrierte Zulassungsstudie für Avastin.

Brenner bemängelt ferner, dass Herceptin nun zwar seid rund 10 Jahren zugelassen sei, während der Hersteller jedoch den Kampf um einen angemessenen Zugang zu dem Medikament weiterhin ignorieren würde: Herceptin koste je Behandlungsjahr und Patientin US $ 50.000. Rund 40 Millionen Menschen in den USA haben keine Krankenversicherung, aber auch in vielen anderen Ländern dürfte der Zugang zu dem Medikament aus Kostengründen mitunter problematisch sein, ganz abgesehen davon, dass es auch im Zusammenhang mit dem Einsatz des Medikaments noch jede Menge offene Fragen gibt. Ferner ist ein weiteres sehr teures Medikament, dass ebenfalls an den Her2-Rezeptor ansetzt, „in der Pipeline“. In einer Studie namens „Cleopatra“ wird Herceptin allein gegen Herecptin plus Perzutumab (C24) getestet.

Larry Norton, ein bekannter „Brustonkologe“ aus dem Memorial Sloan Kettering-Krankenhaus in New York, lief Barbara Brenner in San Antonio über den Weg. Über die kleinen Gespräche berichtet sie in ihrer Rubrik "In den Hallen gehört". Er vermittelt ihr neben einem kleinen philosophischen Exkurs über Prävention, Leben und Sterben, dass er heute eigentlich weniger denn je über Brustkrebs wisse. Die „Roadmap“ (also die „Straßenkarte“, im übertragenen Sinne die Zielrichtung) im Zusammenhang mit der Genomforschung, Molekularbiologie und Systembbiologie sei noch nicht klar.

Weitere Themen waren überdies Insulin, Übergewicht und Brustkrebs(entstehung) sowie auch nochmals die Ernährung mit viel Obst und Gemüse nach Brustkrebserkrankung (WHEL-Studie), die interessanterweise zu den gegenteiligen Ergebnissen wie die im vergangenen Jahr vorgestellte WINS-Studie kam, die Vorteile einer solchen Ernährung belegen konnte. Also wieder nur ein Fall für Statistiker, wieder eine Hoffnung dahingeschwunden? Eine exakte Berichterstattung zu diesen Fragen ist in Planung.

Zusammenfassend: Vorteile des Symposiums in San Antonio sieht Barbara Brenner vor allem in der Möglichkeit, andere Patientinnenvertreterinnen sowie WissenschaftlerInnen und ForscherInnen treffen zu können und dabei Kontakte zu knüpfen. Sinnvoll in diesem Zusammenhang erscheint es ihr, die Patientinnenvertreterinnen so zu schulen, dass sie die klaren Fragen stellen können, die in unserem Interesse beantwortet werden müssen. Mit dem bezahlbaren Zugang zu diesem Kongress (US $ 50, also rund 35 € für die Teilnahme an der gesamten Veranstaltung) sieht die Situation in San Antonio für Patientinnenvertreterinnen vergleichsweise geradezu rosig aus. Das europäische Pendant European Breast Cancer Conference EBCC zieht die Teilnahme von Patientinnenvertreterinnen zu einem reduzierten Preis bisher offensichtlich nicht einmal in Erwägung, aber immerhin ist die Teilnahme am deutschen Senologie-Kongress für Patientinnenvertreterinnen für die Zahlung von 100 € (Stand 2007) inzwischen möglich.

Quellen und Infos in englischer Sprache zum Weiterlesen:

Dr. Susan Love
San Antonio Day 1 & 2 http://blog.dslrf.org/?p=18
San Antonio Day 2 & 3 http://blog.dslrf.org/?p=19
San Antonio Day 4 http://blog.dslrf.org/?p=21

Mary DeLucco's Reflektionen
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Barbara Brenner
Reflektionen / Tag 1
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