Ein Beitrag zum "Brustkrebsmonat" von Gudrun Kemper
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Seit Brustkrebs ein öffentliches Thema geworden ist und die Journalistin Cathy Hainer im Januar 1998 die Diagnose Brustkrebs erhielt, sind wir weltweit rund 15 Millionen Brustkrebsdiagnosen weiter.
Gibt man heute bei "
USA Today" oder beim "
New York Magazine" in die Suche "Cathy Hainer" ein, findet die Suche nichts mehr.
Beide Medien waren einmal Cathy Hainers Arbeitgeber. Sie wurde 38 Jahre alt. Ihre Brustkrebsdiagnose hatte sie knapp zwei Jahre vorher erhalten, erste Symptome jedoch nicht richtig zur Kenntnis genommen. Einen Tastbefund vergessen, Schmerzen im Arm auf Stress zurückgeführt. Als sie erfuhr, dass sie an Brustkrebs erkrankt ist und wenig später damit konfrontiert wurde, dass die Erkrankung bereits unheilbar - da metastasiert - ist, begann sie mit regeläßigen öffentlichen Dokumentationen, die in "USA Today" gedruckt wurden. Sie schrieb sehr bewegend und das ganze Land nahm anteil. Ihr Lieblingskrebsbuch soll "
The Cancer Battle Plan" von Anne Frahm gewesen sein. Als Ursache hatte sie auch den eigenen ungesunden Lebensstil ins Visier genommen und in USA Today z.B. berichtet, wie sie im "Optimum Health Institute" Weizengrassaft für sich entdeckte. Auch die bekannten schulmedizinischen Therapien - Entfernung von Brust und Brustmuskel, Chemotherapie, Strahlentherapie, Antihormontherapie hatte sie bereits zuvor durchgemacht und tatsächlich eine Remission erreicht. Allerdings hatte sie die vorgeschlagene Hochdosischemotherapie mit Knochenmarktransplantation abgelehnt, ein Verfahren, das heute wegen nicht nachweisbarer Wirksamkeit auch gar nicht mehr eingesetzt wird.
"Temporarily cancer-free", ohne Anzeichen von Krebs, sie schrieb in USA Today:
"Jan. 11, 1999 -- Great news! The scans were clear. One year after diagnoses, I was
officially declared NED: no evidence of disease." Die bildgebenden Untersuchungsmethoden konnten den Krebs nicht mehr zeigen. Doch bereits wenige Monate später muss sie erkennen, dass der Schein trügt.
In den letzten Beiträgen zitiert sie aus "The Ship" von David Marcus in "Jewish Insights on Death and Mourning", wie sie an einer Meeresküste steht, während eine Yacht mit weißen Segeln am blauen Himmel bei einer frischen Brise startet. Sie denkt, dass sie ein Symbol für Stärke und Schönheit ist und schaut ihr lange hinterher, bis Wolken und Segel verschwimmen. Und irgendwann sieht man nur noch eine kleine weiße Wolke am Horizont. Jemand sagt zu ihr: "Da! Sie ist gegangen."
"Wohin gegangen? Nicht mehr in Sicht, das ist alles. Sie ist noch genau so groß und stark, wie sie war, als sie mich verlassen hat und andere Stimmen sagen jetzt: Da! Sie kommt. Und das ist Sterben."
Am 17. Dezember 1999 berichtete die New York Times unter dem Titel "Cathy Hainer, 38, Reporter on Her Cancer", dass sie - am 14.12. - in einem Hospiz gestorben ist. Cathy Hainer war eine der Frauen rund um den Globus, die ihre Erkrankung nicht mehr verschwiegen, sondern sie öffentlich dokumentierten. Auch ihre Mutter war vier Jahre zuvor an den Folgen von Brustkrebs gestorben.
Bei uns ist in der
"Welt" vom 18.12.1999 "So ist das Sterben" über Cathy Hainer noch zu finden.