Bereits im Jahr 2007 hat Breast Cancer Action (San Francisco) eine kleine Umfrage zu Nebenwirkungen von Aromatasehemmern vorgelegt. Beate Schmidt hat den aktuellen Bericht in der Source, Ausgabe 104 für November/Dezember 2008,
für uns gelesen, übersetzt und zusammengefasst.
Im aktuellen Newsletter # 104 für November / Dezember 2008 berichtet Breast Cancer Action San Francisco (BCA) noch einmal über die Nebenwirkungen von Aromatasehemmern (AH). Diese Medikamente, die heute Standard in der Antihormon-Therapie bei Brustkrebs sind, werden bei Frauen nach den Wechseljahren eingesetzt, wenn der Tumor Östrogenrezeptor-positiv war.
Bereits kurz nach Marktzulassung des ersten Präparates in den USA im Jahre 1996 (inzwischen sind drei Medikamente dieser Klasse auf dem Markt) erhielt BCA zu den Nebenwirkungen die ersten Anfragen von Frauen, die so behandelt wurden. Einige Nebenwirkungen sind inzwischen bekannt, vor allem die Langzeiteffekte jedoch noch nicht. Da diese Informationen wichtig und auf anderem Wege schwer zu beschaffen waren, hat BCA im Jahre 2005 eine Online-Umfrage gestartet, deren erste Ergebnisse im Jahre 2007 und als Follow-up im Juni dieses Jahres veröffentlicht wurden.
Der neue Bericht beruht auf 1.199 Antworten. Fast alle Frauen berichteten, dass sie wenigstens unter einer der aufgelisteten 38 Nebenwirkungen litten. Mehr als die Hälfte der Teilnehmerinnen berichtete nach wie vor über Hitzewallungen, Knochenschmerzen, Müdigkeit, Muskelschmerzen und Schlaflosigkeit. Sorgen macht BCA insbesondere die Tatsache, dass mehr als ein Viertel aller Frauen so stark unter den Nebenwirkungen litt, dass sie die Behandlung mit AH abbrachen. Hauptgrund hierfür waren Schmerzen in Gelenken, Knochen, Vagina, Blase oder Brustkorb.
Es stellte sich heraus, dass die Teilnehmerinnen an der (nicht unbedingt repräsentativen) Umfrage von BCA im Durchschnitt jünger waren als diejenigen, die an den klinischen Versuchen teilnahmen. Diese jüngeren - unter 60 Jahre alten - Frauen erlebten mehr und stärkere Nebenwirkungen als diejenigen, die bereits über 60 Jahre alt waren - und zwar insbesondere dann, wenn die Wechseljahre durch Medikamente eingeleitet wurden.
Einige dieser Frauen erlitten sehr starke Beeinträchtigungen ihrer Lebensqualität, über die bisher in klinischen Studien nicht berichtet wurde. Das Alter der behandelten Frauen scheint also bei Anzahl und Schwere der Nebenwirkungen eine Rolle zu spielen. Für künftige Studien ist es nach Meinung von BCA daher entscheidend, dass die Auswirkungen von AHs auf jüngere Frauen untersucht werden.
Im Vergleich mit Frauen, die auf natürliche Weise in die Wechseljahre kamen, berichtete ein höherer Anteil der Frauen, deren Wechseljahre medikamentös herbeigeführt wurden, über Schwellungen in Armen und Beinen, dünner werdende Haare, Hitzewallungen und Gewichtszunahme (wobei letztere ein inzwischen bekannter Risikofaktor für Brustkrebs ist). Die Nebenwirkungen könnten auf den plötzlichen und vorzeitigen Beginn der Wechseljahre zurückzuführen sein.
Die Ergebnisse der Umfrage von BCA deuten darauf hin, dass ein größerer Anteil der Frauen, die vorher nicht mit Tamoxifen behandelt wurden, eine ganze Reihe von Nebenwirkungen hatten, die diejenigen, die von Tamoxifen auf AHs gewechselt haben, nicht hatten, so etwa Schlaflosigkeit, Knochenschmerzen, geistige Unschärfe, Muskelschmerzen, Durchfall, Kurzatmigkeit, grippeähnliche Symptome, Kopfschmerzen und Erbrechen. BCA zitiert nachfolgend aus einer Studie, die im Jahr 2007 in
The Lancet veröffentlicht wurde. Danach hatte die vorherige Verabreichung von Tamoxifen durch die Östrogenwirkung die nachteiligen Wirkungen der AHs wie z.B. erhöhten Kalziumverlust verbessert. Bei den jüngsten Frauen (aus der Altergruppe 20 bis 39 Jahre) war die Verschreibung von Tamoxifen vor AHs jedoch weniger wahrscheinlich als bei älteren Frauen.
Da die Ergebnisse des Follow-up denen aus dem Jahre 2005 entsprechen, hat BCA die Umfrage zwar beendet, bleibt jedoch besorgt, dass es Langzeit-Nebenwirkungen geben könnte, die - wie bei Tamoxifen - erst in einigen Jahren dokumentiert werden können. BCA wird daher die Berichterstattungen über AH weiter aufmerksam verfolgen und bittet Frauen, ihre Erfahrungen an BCA weiterzuleiten, denn Patientinnen wissen oft lange vor den Medizinern, welche Nebenwirkungen sie erleiden.
BCA fordert zum Wohle aller Frauen, die diese Medikamente einnehmen müssen, weitere Forschungen zu Langzeit-Nebenwirkungen von Aromatasehemmern. Denn nur so können die Betroffenen informierte Entscheidungen treffen.
BCA widmet den Bericht allen Frauen, die sich die Zeit genommen haben, an der Umfrage teilzunehmen, und allen, die informierte Entscheidungen über die Behandlungen, die sie erhalten, treffen wollen.
Zum Weiterlesen (in englischer Sprache):
Newsletter # 104 für November / Dezember 2008 von Breast Cancer Action San Francisco (BCA)
http://bcaction.org/index.php?page=newsletter-104d
Linkübersichtsseite zum Report, mit weiteren Links von BCA
http://bcaction.org/index.php?page=ai-report
Side Effects Revealed: Women’s Experiences With Aromatase Inhibitors : A Report From Breast Cancer Action (erster Bericht, 612 Teilnehmerinnen, Stand 2007)
http://bcaction.org/uploads/PDF/AIReport2007.pdf
Side Effects Revealed: Women’s Experiences With Aromatase Inhibitors : A Report From Breast Cancer Action (Schlussbericht, 1.199 Teilnehmerinnen, Stand Juni 2008)
http://bcaction.org/uploads/PDF/AIReport.pdf
Direkter Link zu den Kommentaren von Teilnehmerinnen an der Umfrage:
http://bcaction.org/index.php?page=ai-comments