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Gesundheitspolitik

11
Jun
2008

"Korrupt oder korrekt? Wie bleibt die Selbsthilfe unabhängig": Neuer Tagungsband ist erschienen

korrupt_oder_korrekt Die Theodor Springmann Stiftung veranstaltete am 27. April 2007 eine Fachtagung zum Thema Sponsoring mit dem provozierenden Titel "Korrupt oder korrekt - wie bleibt die Selbsthilfe unabhängig?"

Dies war bereits die zweite Veranstaltung der Stiftung, die bereits im Jahr 2003 das Thema, zu dem so viele Informationen bei uns nach wie vor fehlen, aufgegriffen hat.

Enthaltene Beiträge:


Vorbemerkungen von Evelyne Hohmann, Theodor Springmann Stiftung

Ursula Helms, Geschäftsführerin der NAKOS: Chancen und Risiken von Sponsoringverträgen in der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe

Prof. Dr. Judith Haas, Jüdisches Krankenhaus Berlin: Zusammenarbeit mit der pharmazeutischen Industrie am Beispiel der Anwendungsbeobachtung

Christoph Kranich, Leiter Fachabteilung Gesundheitsdienstleistungen VZ Hamburg: Vom Dilemma der Abhängigkeiten. Geldquellen für Selbsthilfe und Patientenunterstützung

Prof. Dr. Bruno Müller-Oerlinghausen, Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ): Wie wird unabhängige Arzneimittelinformation für Bürger und Bürgerinnen in Deutschland möglich?

Helmut Schröder, Forschungsbereichsleiter Arzneimittel Wissenschaftliches Institut der AOK: Pharmapolitik der GKV. "Standort D" und seine Interessengruppen

Dr. Kirsten Schubert, Universität Bremen: Einfluss des pharmazeutisch-industriellen Komplexes auf die Selbsthilfe

Prof. Dr. Joachim Kugler, Universität Dresden - Gesundheitswissenschaften: Lebensqualität und Gesundheitsökonomie

Gudrun Kemper, Breast Cancer Action Germany: Ein anderes Rezept. Fundraising und Ethik in Frauengesundheitsorganisationen

Ausschnitte aus Diskussionen und Presse sind ebenfalls enthalten. Mit € 8,50 ist der Band nicht teuer und kann beim Veranstalter bestellt werden.

bullet_blue Zur Bestellung bei der Theodor Springmann Stiftung:
http://www.tss-datenbank.de/stiftung/ft_07/tagungsband.html

bullet_blue Website der Theodor Springmann Stiftung:
http://www.patiententelefon.de/

bullet_blue Die Frauenselbsthilfe übernahm das "hochbrisante Thema" exakt in ihre Bundestagung 2007:
http://www.frauenselbsthilfe.de/front_single/pdf/Begruessung_BUTA2007.pdf

Hilde Schulte, Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs, auf der Bundestagung 2007Zitat der Bundesvorsitzenden Hilde Schulte in ihrer Eröffnungsrede: "Die Frauenselbsthilfe nach Krebs wurde wie alle Verbände aufgrund von Medienberichten mit dem Thema Korruption konfrontiert. Aber nicht überraschend, neu oder erstmalig. Kooperationen wurden von uns schon immer offen und ohne Scheu kommuniziert.
Richtlinien für die Zusammenarbeit mit Unternehmen der pharmazeutischen Industrie gab es in der Frauenselbsthilfe nach Krebs schon lange, bevor die Dachverbände sich damit beschäftigten oder gar Journalisten und Transparency International sich einmischten.
Aber kaum etwas verunsichert mehr als ungerechtfertigte Anschuldigungen. Wir haben uns in den letzten Monaten viele Gedanken gemacht über den Umgang mit Sponsoring und ähnlicher Unterstützung der FSH durch Dritte. Die Diskussionen war teitaufwendig, anstrengend, teilweise haben sie auch Nerven gekostet, aber: Geschadet haben sie uns nicht! Wir sind klarer, selbstsicherer, deutlicher in unserem Auftritt nach Innen und Außen geworden. Wir wissen, was wir sollen und vor allem: Wir wissen, was wir nicht wollen!"

bullet_blue Weitere Informationen und Materialien zum Thema Interessenkonflikte in unserer Linksammlung:
http://del.icio.us/conflicts
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4
Mai
2008

Notbremse gezogen – Unser Rücktritt vom EUROPA DONNA Vorstand in Deutschland

Nachdem die Europäische Parlamentsgruppe zu Brustkrebs die Zusammenarbeit mit dem Dachverband EUROPA DONNA international aufkündigte, zogen auch Gudrun Kemper und Susanne Schroeder vom EUROPA DONNA Vorstand in Deutschland die Konsequenzen und legten ihre Ämter als Präsidentin und Schatzmeisterin zum 30.04.2008 nieder.

Eine kurze Episode ging damit schnell zu Ende, denn erst im September 2007 sind beide noch voller Hoffnung im Team mit engagierten Frauen angetreten, um die unabhängige Arbeit, die von EUROPA DONNA in den vergangenen Jahren in Deutschland geleistet worden war, fortzusetzen. "Wir sind sehr traurig", sagt die Fachärztin Susanne Schroeder, die sich auch in anderen Frauengesundheitsorganisationen für Frauen mit Brustkrebs engagiert.

Susanne Schroeder, vorne links, Gudrun Kemper, vierte von links, Karin Jöns, Präsidentin EUROPA DONNA Deutschland bis zum September 2007, dritte von rechts

Alter und neuer Vorstand
EUROPA DONNA in Deutschland im September 2007
Foto: S. Kallnbach

Doch mit der Offenlegung der Finanzierung der europäischen Dachorganisation kam nun ans Licht: 86% des Etats des europäischen Dachverbandes „EUROPA DONNA international“ sind allein im Jahr 2007 durch die Pharmaindustrie finanziert worden, siehe dazu auch die Presseerklärung der EPGBC, der europäischen Parlamentsgruppe zu Brustkrebs.

Für das nationale Forum des Vereins EUROPA DONNA in Deutschland, der von der umstrittenen Finanzierungsform nicht betroffen ist, sind diese Zahlen ein Schock. Der europäische Dachverband hatte in der Vergangenheit die finanzielle Abhängigkeit von der Pharmaindustrie immer abgestritten.

„Es war für uns Bedingung, dass der nationale Verein in Deutschland keine Gelder vor dem Hintergrund von Interessenkonflikten erhält, sonst hätten wir uns für ein Vorstandsamt gar nicht zur Wahl gestellt bzw. den Verein nicht einmal unterstützt“, erklärt Gudrun Kemper. „Doch die europäische Arbeit ist teuer. Wir sind natürlich nicht fundamentalistisch eingestellt. In einem europäischen Verbund muss man auch die Anliegen und Entscheidungen aus anderen Ländern berücksichtigen und kann nicht allein die Richtung bestimmen. Es ist und bleibt aber sehr wohl eine Frage der Verhältnismäßigkeit und vor allem auch der inhaltlichen Neutralität. Mit 86%Pharmaanteil“ bei der Finanzierung kann diese Verhältnismäßigkeit jedoch zumindest meiner Meinung nach nicht mehr gewahrt werden, und auch hinsichtlich der inhaltlichen Neutralität sind zumindest bei mir eine Reihe von drängenden Fragen aufgetaucht.“

Breast Cancer Action Germany wird die Arbeit am Thema Brustkrebs weiterhin kritisch beobachten und meint: Es ist jetzt an der Zeit, neue unabhängige Modelle der Interessenvertretung zu entwickeln, die Vernetzung im Bereich der neutralen Frauengesundheitsorganisationen zu verbessern und Fehlentwicklungen insbesondere im Brustkrebsbereich kritisch zu hinterfragen.

Breast Cancer Action Germany fordert vor dem Hintergrund der aktuellen europäischen Erfahrungen:

bullet_blue Transparenz und Offenlegung der Finanzierung für gemeinnützige Organisationen im Gesundheitsbereich, und zwar sowohl auf nationaler wie auch auf europäischer Ebene.

bullet_blue Gesundheitsbezogene Interessenvertretung
microhimbeer bei Behörden und
microhimbeer bei der Leitlinienentwicklung darf nur von Organisationen und ExpertInnen geleistet werden, die – auch in finanzieller Hinsicht – industrieunabhängig arbeiten.

bullet_blue Neutrale Begleitforschung zur Bewertung von Trends, Arbeitsergebnissen und Arbeitsweisen von Charity und Interessenvertretung im Gesundheitsbereich, einschl. eines „Lobbyregisters“.

bullet_blue Mehr zu diesem Thema:
http://bcag.twoday.net/stories/4997734/
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1
Mai
2008

"Kranke Geschäfte" - Einmal in den "Spiegel" schauen, bitte ...

Text: Gudrun Kemper

Skandal um Brustkrebsinitiative mamazone „Die Informationen, die Patienten über Selbsthilfegruppen bekommen, sind beeinflusst von Wirtschaftsinteressen", sagt wikipedia Gerd Glaeske, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. In Heft 17/2008 vom 21.04.2008 berichtet das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL ausführlich über Geschäftemachereien mit pharmagesponserten Patienteninitiativen. Diverse Gruppen werden unter die Lupe genommen, im Zentrum steht jedoch die gemeinnützige Brustkrebsinitiative "Mamazone" e.V. Ihr wird aufgrund von Empfehlungen für "Epo" - dem "Stoff aus dem Radsport-Doping" - vorgeworfen: „Was Mamazone hier bis vor kurzem gemacht hat, grenzt an Körperverletzung“, so Wolf-Dieter Ludwig, Hämatologe und Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, im SPIEGEL. Sind auch Patientinneninitiativen heute "gedopt"? Sollten sie überhaupt Medikamente empfehlen? Unabhängige Interessenvertretungsorganisationen aus dem Gesundheitsbereich weltweit betonen, dass sie grundsätzlich keine Empfehlungen zu einzelnen Produkten - logischerweise auch nicht zu einzelnen Wirkstoffe - aussprechen.

Lesen Sie den kompletten Bericht!
bullet_blue "Kranke Geschäfte" von Julia Bonstein (mit freundlicher Genehmigung des "SPIEGEL")

bullet_blue Ohne Pharmasponsoring in der Selbsthilfe arbeiten, geht das? Wir meinen ... Ja, es geht sogar besser! Zum Weiterlesen hier die wegweisende Link "Drittmittelrichtlinie" von Breast Cancer Action
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12
Dez
2006

Arzneimittelpreise & Mehrwertsteuer in Europa

16% Steuern auf unsere Medikamente, ab Januar 2007 werden es nochmal 3% mehr. Bei der bestehenden Regelung der Besteuerung von Medikamenten muss der Staat an hohen Arzneimittelpreisen interessiert sein, denn bei jedem Medikament fließt eine üppige Summe für in Deutschland gekaufte Medikamente über den vollen Mehrwertsteuersatz an den Staatshaushalt. Mit unseren Medikamenten sorgen auch wir als Frauen mit Brustkrebs also nicht zu knapp dafür, dass sich die Staatskassen füllen und die Mittel aus unseren Kassenbeiträgen über unsere Leistungsträger, meistens die Krankenkassen, über den Umweg Apotheke dem Staat zufließen.

Der Sozialverband VdK setzt sich zumindest für die Halbierung der
Mehrwertsteuer ein und hat deswegen im August 2006 das Gespräch mit dem Bundesfinanzminister geführt.

Hier die Steuersätze für Arzneimittel im europäischen Vergleich:

Dänemark 25%
Slowakei 19%
Deutschland 19% (ab 2007, zuvor 16%)
Italien 10%
Slowenien 8,5%
Griechenland 8%
Finnlad 8%
Polen 7%
Niederlande 6%
Belgien 6%
Portugal 5%
Ungarn 5%
Lettland 5%
Tschechische Republik 5%
Estland 5%
Spanien 4%
Luxemburg 3%
Schweiz 2,4%
Frankreich 2,1% für erstattungsfähige und 5,5% für nicht
erstattungsfähige Medikamente
Irland 0% für Medikamente zur oralen Anwendung, sonst bis zu 21%
England 0% auf Arzneimittel, die im Rahmen des National Health Service (NHS) verordnet werden, 17,5% auf nicht verschreibungspflichtige Medikamente
Österreich 0% für erstattete Medikamente, sonst 20%
Schweden 0% für verschreibungspflichtige Medikamente
Litauen 0% auf verschreibungspflichtige Arzneimittel, sonst bis zu 5%
Malta 0%
Zypern0%

Gerade Medikamente für Frauen mit Brustkrebs gehören häufig in die hohen Preissegmente. Dass z.B. staatlicherseits bei uns mit der medikamentösen Versorgung von Krebspatienten hohe Summen eingenommen werden, ist aus der Betroffenensicht unverständlich.
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