Ernährung & Brustkrebs

3
Nov
2008

Fettreiche Ernährungsweise als Risiko-Faktor für Brustkrebs?

Spargel und Tomaten auf blauweißem TellerErgebnisse der EPIC-Studie:
Wenig Fett, aber Brot und Saft,
Obst und Gemüsekonsum
ohne Einfluss auf das Brustkrebsrisiko?


In einer Pfeil-rechts Pressemeldung vom 28.10.2008 weist das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) darauf hin, dass nach den Daten der EPIC*-Potsdam-Studie ( EPIC = European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) bei erhöhtem Verzehr von Butter, Margarine, verarbeitetem Fleisch und Fisch und gleichzeitig geringem Brot- und Fruchtsaftkonsum das Brustkrebsrisiko erhöht sei.
Verschiedene in den 1980er Jahren durchgeführte Tier- und Humanstudien ließen einen Zusammenhang zwischen einer erhöhten Fettaufnahme, der Aufnahme gesättigter Fettsäuren und dem Brustkrebsrisiko vermuten. Folgestudien führten jedoch zu widersprüchlichen Ergebnissen, wobei die jüngsten Resultate eher darauf hinweisen, dass die in den 1980er Jahren aufgezeigten Beziehungen auch heute noch gültig sind.

Zur Klärung des Sachverhaltes wertete ein Forscherteam die Daten von 15.351 Teilnehmerinnen mit einem neuen statistischen Ansatz aus. In der Gruppe von Frauen, die gleichzeitig viel verarbeitetes Fleisch, Fisch, Butter oder andere tierische Fette sowie Margarine verzehrten, dafür aber wenig Brot und Fruchtsäfte konsumierten, traten im Verlauf von 6 Jahren etwa doppelt so viele Brustkrebserkrankungen auf wie in der Vergleichsgruppe, die sich gegenteilig ernährte. Damit identifizierten die Wissenschaftler ein Ernährungsmuster, das mit einem erhöhten Risiko für Brustkrebs verbunden ist. Die beobachtete Risikobeziehung war unabhängig vom Körpergewicht der Frauen. Ebenso spielte es keine Rolle, ob sich die Frauen vor oder in der Menopause befanden oder ob sie eine Hormonersatztherapie bekamen.

„Nach unseren Ergebnissen haben Frauen ein höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, wenn sie sich nach einem Ernährungsmuster ernähren, das durch eine hohe Fettaufnahme charakterisiert ist. Dieser Befund bestätigt sowohl die älteren Daten als auch die erst kürzlich publizierten Befunde anderer prospektiver Studien. Ob sich dieser Trend bei neueren Befunden fortsetzt und ob negative oder positive Effekte bestimmten Fettsäurearten zugeordnet werden können, werden die nächsten Monate zeigen. Auffällig ist auch, dass jüngste Studien mit Brustkrebspatientinnen auf günstige Effekte einer fettarmen Ernährung hinweisen“, so wird Heiner Boeing vom DIfE in Potsdam zitiert. An der von Heiner Boeing geleiteten Potsdamer EPIC-Studie nehmen 27.548 Frauen und Männer im Alter zwischen 35 und 65 Jahren teil.

Weiterlesen:
Novemberausgabe der Fachzeitschrift British Journal of Nutrition: Identification of a dietary pattern characterized by high-fat food choices associated with increased risk of breast cancer: the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC)-Potsdam Study (Abstract Pfeil-rechts Schulz, M. et al., 2008, 100:942-946).

Consumption of Vegetables and Fruits and Risk of Breast Cancer: Von der gleichen Forschergruppe war 2005 ebenfalls im Rahmen der EPIC-Studie bereits das Ergebnis, dass viel Obst und Gemüse das Brustkrebsrisiko nicht senke, publiziert worden. Die Originalpublikation ist heute online frei verfügbar:
Pfeil-rechts http://jama.ama-assn.org/cgi/reprint/293/2/183.pdf.

Foto: Muffet, Creative Commons
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11
Aug
2008

Neue Studie zu Körpergewicht und Brustkrebs: DAMES

Bericht von Beate Schmidt

In der April-Ausgabe des monatlichen Newsletters "CancerWise" des M. D. Anderson Cancer Centers mit Sitz in Texas, USA erschien ein Artikel über eine neue Studie zum Zusammenhang von Brustkrebs und Körpergewicht. Titel: Weight-Loss Trial Targets Breast Cancer (dt.: Studie zur Gewichtsreduktion zielt auf Brustkrebs). Neu an dieser Studie ist, dass sie Zusammenhänge zwischen Müttern und ihren erwachsenen Töchtern bei der Reduktion des Körpergewichts genauer unter die Lupe nimmt.

Sinniger Name dieser Studie: DAMES - DAughters and MothErS Against Breast Cancer (dt.: Töchter und Mütter gegen Brustkrebs). Sie wird an zwei Krebszentren des M. D. Anderson und der Duke Universität durchgeführt. Teilnehmerinnen werden gebeten, ihre Ernährung entweder im Alleingang oder als Mutter-Tochter-Team durchzuführen und zu verbessern. Ziel ist nicht nur, die Effekte von Mutter-Tochter-Beziehungen auf die Veränderung der Lebensgewohnheiten zu untersuchen, sondern auch herauszufinden, welche Mechanismen die Teilnehmerinnen motivieren. Die Teilnehmerinnen werden in drei Studienarmen untersucht und mit Hilfsmitteln wie Newslettern und Ernährungs-/Bewegungs-Magazinen bis hin zu Schrittzählern und Apple iPods ausgestattet.

Man hofft, dass die Ergebnisse dieser Studie für (offenbar weitere) Studien benutzt werden können, die auf die Gewichtsreduzierung zur Verhinderung von Rezidiven und anderen Erkrankungen von Brustkrebspatientinnen und ihren Töchtern abzielen.

Die Studie basiert augenscheinlich auf einem Bericht der American Cancer Society (dt.: Amerikanische Krebsgesellschaft), nach der Übergewicht das Risiko für alle Arten von Krebs, inklusive Brustkrebs, erhöht. Allerdings nimmt Prof. Wendy Demark-Wahnefried vom M. D. Anderson Krebszentrum die Ergebnisse praktisch vorweg, denn sie ist überzeugt, dass diese Studie Frauen tatsächlich helfen wird, etwas zu tun, um ihr Krebsrisiko zu reduzieren. Um erfolgreich zu sein, müsse man wissen, welche Hilfsmittel und Unterstützung nötig sind, um Frauen zu einem gesünderen Lebensstil zu motivieren. Es fragt sich, warum die Studie überhaupt noch durchgeführt wird, wenn das Ergebnis "wird tatsächlich helfen" vor Beginn bereits deklamiert und publiziert wird.

Die Forscher hoffen, 134 Frauen und ihre Töchter für diese einjährige Studie gewinnen zu können. Potentielle Teilnehmerinnen müssen sich vorher mehreren Telefoninterviews sowie einer persönlichen Beurteilung, die in einem der beiden Krebszentren oder zu Hause durch eine Krankenschwester durchgeführt wird, unterziehen. Zulassungskriterien für diese Studie sind ein Wohnsitz in den USA, Puerto Rico oder auf Guam. Ferner muss bei den Mütter während der letzten zwei Jahre Brustkrebs diagnostiziert worden sein, und sowohl Mütter als auch Töchter müssen einen wikipedia Body Mass Index von 25 oder höher haben. Mütter müssen mindestens 50 Jahre alt sein, Töchter mindestens 21. Weitere inhaltliche Kriterien als "übergewichtige Mutter und Tochter" wurden bei einer relativ geringen Anzahl der Studienteilnehmerinnen zumindest im vorliegenden Bericht nicht genannt.

Die Einteilung der Frauen in "DAMES" erfolgt in drei Gruppen:

Gruppe 1: Mütter und Töchter erhalten zu Beginn ein Arbeitsbuch, anschließend zweimal monatlich allgemein zugängliche Druckschriften über Diät und Bewegung, z.B. von der American Cancer Society.

Gruppe 2: Mütter und Töchter erhalten zu Beginn ein auf sie persönlich abgestimmtes Arbeitsbuch, anschließend zweimal monatlich Informationsmaterial über Diät und Bewegung. Sie bekommen auch Tagebücher, in denen sie ihre Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten verfolgen können. Diese Materialien werden an Mütter und Töchter unabhängig ausgehändigt.

Gruppe 3: Die Teilnehmerinnen werden in Mutter-Tochter-Teams zusammenarbeiten. Sie erhalten die gleichen Materialien wie die Teilnehmerinnen in Gruppe 2. Außerdem werden sie gebeten, sich regelmäßig über ihren Fortschritt zu unterhalten.

Alle Teilnehmerinnen werden in unterschiedlichen Stadien der Studie einen Schrittzähler und einen iPod erhalten.

Anfang 2007 haben wir in unserem Blog über die WINS-Studie (Women’s Intervention Nutrition Study evaluating dietary fat reduction and breast cancer outcome), die bereits im Jahr 1994 initiiert worden war, berichtet. Diese Studie umfasste 975 Patientinnen sowie 1.462 Patientinnen in einer Kontrollgruppe und hat also erheblich mehr Teilnehmerinnen als DAMES mit ihren134 Müttern plus Töchtern in drei Gruppen. Ergebnisse der WINS-Studie, wie sie Link in unserem Blog nachzulesen sind:
"Diese Ergebnisse der WINS-Studie lassen darauf schließen, dass eine reduzierte Aufnahme von Fett in der Ernährung, die einen moderaten Einfluss auf das Körpergewicht erreicht, bei Brustkrebspatientinnen, die eine konventionelle Krebsbehandlung erhalten haben, die Überlebensraten positiv beeinflusst.
Insbesondere für die Patientinnengruppe, die an hormonrezeptorpositivem Brustkrebs erkrankt war, zeigte sich der Vorteil für die fettreduzierte Diät, allerdings nicht "signifikant". Zusammenhänge werden vermutet bei den Einflüssen, die die Gewichtsreduktion im Zusammenhang mit dem Hormonrezeptorstatus ausübt. Die Ergebnisse werden weiter überprüft und es erfolgt ein weiteres Follow up.
Hervorgehoben wurde bei der WINS-Studie vor allem, dass die Daten zur Fettaufnahme auf den Selbstauskünften der Studienteilnehmerinnen beruhten und dass möglicherweise auch die Gewichtsabnahme - ganz unabhängig von der Fettaufnahme - zu den besseren Überlebensergebnissen geführt haben könnten."

Eine weitere Studie, die WHEL-Studie (Women’s Healthy Eating and Living), deren Ergebnisse Mitte 2007 veröffentlicht wurden, kam zu anderen Ergebnissen. So berichtete das Deutsche Ärzteblatt über die seinerzeit größte randomisierte kontrollierte Studie zum Einfluss der Ernährung auf das Mammakarzinom, dass der erhoffte Nutzen ausblieb. Nach im Schnitt 7,3 Jahren hatten 16,7% der Frauen in der Interventionsgruppe und 16,9% in der Vergleichsgruppe ein Brustkrebsrezidiv erlitten. Auch bei den Todesfällen (10,1 ggü. 10,3%) gab es keine signifikanten Unterschiede. Das Ärzteblatt schlussfolgerte, dass damit das WHEL-Projekt gescheitert sein dürfte (Artikel im Deutschen Ärzteblatt: Link http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docid=106005).

Die europäische EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition), die bereits im Jahre 1992 begonnen wurde und darauf abzielte, Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krebs sowie anderen chronischen Erkrankungen aufzudecken, stützt die Ergebnisse der WHEL-Studie. Sie untersuchte sowohl den Verzehr von Obst und Gemüse (Blattgemüse, Fruchtgemüse, Wurzelgemüse, Kohl, Pilze und Zwiebeln/Knoblauch) als auch den von Frucht- und Gemüsesäften. Dabei wurden 285.526 Frauen zwischen 25 und 70 Jahren aus acht von zehn beteiligten europäischen Ländern untersucht. Dazu wurden Daten aus Ernährungserhebungen der Jahre 1992-1998 mit dem Auftreten von Brustkrebs bis zum Jahr 2002 ausgewertet. Bis dahin waren 3.659 Brustkrebsfälle diagnostiziert worden. Die untersuchten Aufnahmekategorien reichten bei Gemüse von bis zu 110 bis über 245 und bei Obst von bis zu 115 bis über 370 Gramm pro Tag. Laut Robert-Koch-Institut verzehren Frauen in Deutschland im Durchschnitt etwa 200 g Gemüse und 190 g Obst pro Tag. Alle EU-weiten EPIC-Analysen, einschließlich der deutschen, zeigten interessanterweise gleiche Ergebnisse.
Schon 2003 hat ein Expertengremium des IARC die Evidenz für einen krebssenkenden Effekt von Obst und Gemüse bei Brustkrebs als unzureichend bewertet. Dennoch wurde die Möglichkeit eines leicht risikosenkenden Effekts für diese Krebsform durch Obst und Gemüse nicht ausgeschlossen. Mit der Analyse der Daten der EPIC-Studie hat sich diese Hoffnung jedoch nicht erfüllt.
"Wir können aber nicht ausschließen, dass bestimmte - in dieser Studie nicht untersuchte - Obst- und Gemüsesorten trotzdem einen schützenden Effekt haben", so die recht vage Schlussfolgerung der Experten. Siehe dazu auch die Link Pressemitteilung des für den deutschen Arm der Studie verantwortlichen Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke vom 07.02.2005.

Als Folge der Ergebnisse der EPIC-Studie musste die Deutsche Krebsgesellschaft mit ihrer nicht wirklich evidenzbasierten Kampagne Link "5 am Tag" ihre Aussagen zur Ernährung revidieren. Siehe dazu auch: Link "Versprechen mit zu vollem Mund - Experten rudern zurück: Obst und Gemüse schützen vor Krebs erheblich weniger als behauptet" von Klaus Koch, erschienen in der Süddeutschen Zeitung vom 12.01.2005.

Abschließend bleibt festzustellen, dass der Ansatz, die bekanntlich durchaus nicht immer spannungsfreien verwandtschaftlichen Beziehungen von Müttern und ihren erwachsenen Töchtern zur Basis einer neuen Studie über Brustkrebs und Ernährung zu machen, zwar interessant erscheint, neben der geringen Zahl Teilnehmerinnen jedoch konstatiert werden muss, dass auch bei der DAMES-Studie die Ergebnisse zu einem erheblichen Teil auf den Selbstauskünften der Frauen, die sie in ihren Tagebüchern geben, beruhen werden, und nur zum Teil auf objektiv messbaren Kriterien wie Gewicht, Blutdruck, Fett- oder Muskelmasse sowie Rezidivgeschehen. Der Vorgriff auf das Ergebnis sowie die sehr geringe Anzahl der Studienteilnehmerinnen und deren nicht sehr transparente Vorauslese werfen genau wie die Rekrutierung über das Geschenk eines Apple iPod Fragen auf. Ein namenloser MP3-Player könnte seinen Zweck sicherlich genau so erfüllen, wenn er denn zur Erreichung der Studienziele erforderlich ist. Insgesamt steht zu befürchten, dass die DAMES-Studie und ihr bereits geplanter Nachfolger vor allem wieder nur Geld verbrauchen, das an anderer Stelle besser verwendet werden könnte. Und ganz nebenbei gibt es Werbung und Aufmerksamkeit für Apple iPods und die beiden Studienzentren.

Link zum Original des englischsprachigen "CancerWise"-Artikels

Für Interessierte: Auf der Website von Breast Cancer Action San Francisco findet sich das Schreiben einer Frau, die zur Teilnahme an der WHEL-Studie eingeladen wurde, an die Studienkoordinatorin: http://bcaction.org/index.php?page=newsletter-37i

Externer Link: Ernährungsinformationssystem der Universität Hohenheim (mit BMI-Rechner)
https://www.uni-hohenheim.de/wwwin140/info/info.htm
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18
Jun
2008

Ketogene Ernährung bei Krebs

Hinweis: "Die Studie „ketogene Ernährung bei Tumorpatienten“ musste leider vorzeitig wegen Wegfall der Personalstellen eingestellt werden." (Stand: 10.09.2008)

Informationen zu einer sogenannten "ketogenen Ernährung" (auch "Öl-Eiweiß-Kost"), bei der auf Kohlenhydrate weitgehend verzichtet wird, jedoch Pflanzenöle mit Omega-3-Fettsäuren, Fisch, Fleisch, Wurst, aber auch Käse, viel Gemüse und Nüsse gegessen werden, gibt es zur Zeit auf einer Webseite der Uni Würzburg, die auch eine entsprechende Studie durchgeführt. Die Studie richtet sich an PatientInnen mit fortgeschrittener Tumorerkrankung. Bei Interesse an der Teilnahme bei dieser Ernährungsstudie kann man sich an das Studiensekretariat wenden:

Telefon: 0931-201 25681 (Frau Strauß, vormittags)

Weitere Info der Universität Würzburg

Ferner sind von der Uni Würzburg erhältlich:

pdf_button Diätbroschüre für Patienten

pdf_button Ergänzende Hinweise für PatientInnen, die die Diät eigenständig durchführen möchten

pdf_button Koch- und Backrezepte

Eine der Grundlagen für diese Studien ist wohl die "Öl-Eiweiß-Kost" nach Johanna Budwig. Dazu gibt es die private Webseite:

Johanna Budwig und die Öl-Eiweiß-Kost

Weitere Links:

Bericht zur Studie von Beatrice Wagner in "Die Welt" vom April 2008

Außerdem gibt es eine Reihe von

Büchern zur Öl-Eiweiß-Kost nach Johanna Budwig.
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5
Apr
2008

Grapefruit – Pampelmusen – Brustkrebs?

Unter der Überschrift „Die Behauptung: Grapefruit kann das Brustkrebsrisiko steigern“ erschien am 25. März 2008 in der New York Times ein Artikel von Anahad O’Connor. Sie berichtete über eine kontroverse Frage, die nun wohl bereits um die Welt gegangen ist. Es geht dabei um eine Studie, die im British Journal of Cancer veröffentlicht wurde. Danach hat man bei Frauen nach der Menopause und mit hohem Grapefruit-Konsum ein gesteigertes Risiko für Brustkrebs gefunden. In der gleichen Zeitschrift wurden 2007 aber auch Daten aus der sog. Nurses Health Study veröffentlicht. Diese Studie schloss 77.000 Frauen im Alter zwischen 30 und 55 Jahren ein. Im Zusammenhang mit dem Konsum von Grapefruit in Form von Früchten oder auch Saft konnte man hier jedoch kein Ansteigen der Brustkrebsinzidenz feststellen, und zwar weder bei Frauen vor noch nach der Menopause.

Artikel in der NZZ v. 13.4.2008: Die größte Tablette der Welt: Grapefruits bekämpfen Krebs, Osteoporose und Arterienverkalkung. Doch sie können auch gefährlich sein

Artikel in der New York Times: The Claim: Grapefruit Can Increase the Risk of Breast Cancer

Artikel im BJC vom 10.07.2007:
Prospective study of grapefruit intake and risk of breast cancer in postmenopausal women: the Multiethnic Cohort Study

Artikel im BJC vom 20.11.2007
A prospective study of grapefruit and grapefruit juice intake and breast cancer risk
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3
Jan
2007

Fettreduzierte Diät & Brustkrebsüberleben (WINS-Studie)

Zusammenstellung G. Kemper

Ernährung, Brustkrebs und insbesondere der Konsum von Fett in der Nahrung ist in der Vergangenheit immer wieder einmal Gegenstand klinischer Forschungen gewesen. Der Zusammenhang zwischen Fett in der Ernährung in Bezug auf die Entstehung von Brustkrebs, aber auch bei Frauen, die bereits an Brustkrebs erkrankt sind, ist nach wie vor Forschungsgegenstand. Neue Ergebnisse zur Aufnahme von Fett in der Nahrung von Brustkrebspatientinnen wurden jetzt vorgestellt und diese Studienresultate gehörten zu den interessantesten Beiträgen vom San Antonio Breast Cancer Symposium 2006.

Ergebnisse zur Ernährung nach Brustkrebs und Brustkrebsüberleben - und zwar hinsichtlich der Reduktion von Fett in der Ernährung - werden in der sogenannten "WINS-Studie" (Women’s Intervention Nutrition Study evaluating dietary fat reduction and breast cancer outcome) untersucht, die bereits im Jahr 1994 initiiert worden war.
Die Ergebnisse wurden auf dem SABCS 2006 von MD PhD Rowan T. Chlebowski, Prof. of Medicine am Habor UCLA Center in Torrance, Kalifornien, vorgestellt. Die Studie wurde finanziert vom National Cancer Institute und dem Institute of Health in den USA, zusätzliche Projekte wurden dabei unterstützt durch die Breast Cancer Research Foundation und das American Institute for Cancer Research.

In der randomisierten "WINS-Studie" (Phase III) wurden 975 Brustkrebspatientinnen in der Altersgruppe zwischen 48 und 79 Jahren innerhalb eines Jahres nach ihrer Brustkrebsoperation einer Gruppe zugeteilt, die eine fettreduzierte Diät einhalten musste. Die Brustkrebspatientinnen in dieser Gruppe sollten maximal 20% oder weniger der täglichen Gesamtkalorienaufnahme in Form von Fett zu sich nehmen. (Dr. Chlebowski gibt in seiner Präsentation weniger als 20% an, die Berichterstattung im Journal of the National Cancer Institute jedoch unter 15%.) Außerdem erhielten die Patientinnen in der Diätgruppe Schulungen über fettreduzierte Nahrungszubereitung und schriftliche Informationsmaterialien zu ihrer täglichen Kalorienaufnahme. Eine Diätassistentin kontaktierte sie alle drei Monate und es bestand die Möglichkeit, monatlich an einem Diätgruppentreffen teilzunehmen.

Die Ergebnisse wurden verglichen mit einer etwas größeren Kontrollgruppe, in die 1462 Frauen eingeschlossen wurden.

Alle Patientinnen in beiden Gruppen, bei denen bei Studieneinschluß sehr viel Wert auf die gute Vergleichbarkeit beider Gruppen gelegt wurde, hatten zuvor eine normale schulmedizinische Standardbehandlung ihrer Brustkrebserkrankung erhalten und wurden zwischen 1994 und 2001 in die Studie aufgenommen.

Zu Beginn der Studie hatten die Teilnehmerinnen aus beiden Gruppen rund 30% ihrer Kalorienzufuhr in Form von Fett zu sich genommen, nach einem Jahr Laufzeit sank der Anteil an Fett jedoch auf durchschnittlich 20,3% in der Gesamtkalorienzufuhr, während es in der Kontrollgruppe 29,2% waren. Zu Beginn der Studie lag das durchschnittliche Körpergewicht der Brustkrebspatientinnen in beiden Studienarmen auf dem gleichen Niveau, fünf Jahre später jedoch waren die Brustkrebspatientinnen in der Diätgruppe im Durchschnitt 6 Pfund leichter als in der Kontrollgruppe.

Die Interimsergebnisse, die bereits auf dem ASCO 2005 präsentiert wurden, sind nun im Journal of the National Cancer Institute vom 20.12.2006 erschienen. Zum Extract im JNCI 2006 98(24):1751
Die Ergebnisse der Studie wirken auf den ersten Blick nicht sehr spektakulär, wenn die gesundheitsbezogenen Ergebnisse betrachtet werden. Jedoch zeigt sich insbesondere in der Gesamtheit ein nicht zu übersehender Vorteil für die Patientinnen in der "Diät-Gruppe". Sie hatten insgesamt auch bessere Überlebenschancen, denn in der Diätgruppe verstarben lediglich 7,7% der Frauen, während es der Kontrollgruppe 10,2% waren. 5,5% der Patientinnen erlitten in der Diätgruppe eine Metastasierung, in der Kontrollgruppe waren es 6,6%, an Brustkrebs in der anderen Brust erkrankten in der Diätgruppe 1,4% der Patientinnen, während es in der Kontrollgruppe 2,1% waren. Eine weitere Krebserkrankung erlitten 3,2% der Patientinnen in der "Diätgruppe", jedoch 3,8% in der Kontrollgruppe. Die Forschergruppe rechnete aus, dass 38 Patientinnen an einem solchen Diätprogramm teilnehmen müssten, um einen Rückfall zu vermeiden, während das durchschnittliche Risiko sich für die Diätgruppe um insgesamt 24% verringerte.

Diese Ergebnisse der WINS-Studie lassen darauf schließen, dass eine reduzierte Aufnahme von Fett in der Ernährung, die einen moderaten Einfluss auf das Körpergewicht erreicht, bei Brustkrebspatientinnen, die eine konventionelle Krebsbehandlung erhalten haben, die Überlebensraten positiv beeinflusst.

Insbesondere für die Patientinnengruppe, die an Hormonrezeptor positivem Brustkrebs erkrankt war, zeigte sich der Vorteil für die fettreduzierte Diät, allerdings nicht "signifikant". Zusammenhänge werden vermutet bei den Einflüssen, die die Gewichtsreduktion im Zusammenhang mit dem Hormonrezeptorstatus ausübt. Die Ergebnisse werden weiter überprüft und es erfolgt ein weiteres "Follow up".

Hervorgehoben wurde vorallem, dass die Daten zur Fettaufnahme auf den Selbstauskünften der Studienteilnehmerinnen beruhten und dass möglicherweise auch die Gewichtsabnahme - ganz unabhängig von der Fettaufnahme - zu den besseren Überlebensergebnissen geführt haben könnten.

Quellen:
http://www.sabcs.org/ (z.B. "Hot 5 presentations" bei den Videovorträgen)
http://jnci.oxfordjournals.org/cgi/content/full/98/24/1751-a
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