Info zsgest. von Gudrun Kemper
Es ist ein böses Erwachen. Die Zusammenhänge zwischen der Einnahme von Hormonen bei einer sogenannten "Hormonersatztherapie" sind viel größer, als bisher angenommen. Das berichtet Lisa M. Krieger in den Mercury News, San Jose, Kalifornien vom 4. Februar 2009, wie auch viele andere Medien weltweit. Zwei neue Analysen der Stanford Universität wurden aktuell im
NEJM vorgestellt.
Lisa M. Krieger schreibt, die Untersuchungen zeigten, dass Frauen, die eine Hormonersatztherapie über den Zeitraum von wenigstens fünf Jahren beibehielten,
ihr Brustkrebsrisiko jedes Jahr verdoppelten. Das Risiko ist damit wesentlich höher als jene erschreckenden 27 Prozent, die im Jahr 2002 im Report der
Women’s Health Initiative erstmals vorgestellt wurden. Allerdings wurde jetzt ergänzt, dass eine Medikation für einen Zeitraum von unter 5 Jahren das Risiko nicht erhöhe, und auch Frauen, die die Medikation abgesetzt hätten, hätten kein erhöhtes Risiko mehr.
Trotz dieser bereits im Jahr 2002 vorgelegten Ergebnisse haben Millionen von Frauen die Einnahme der „Hormonersatztherapie“ fortgesetzt, um Symptome wie starke Hitzewallungen zu beherrschen, zum Teil auch, weil Alternativen fehlten. Andere Frauen wiederum sind nicht wirklich informiert gewesen hinsichtlich des schlechten Abschneidens der Medikamente, sie waren sich des Krebsrisikos nicht bewusst.
Marcia Stefanick, Professorin an der medizinischen Fakultät der Stanford Universität, war Co-Autorin sowohl der Studie aus dem Jahr 2002 wie auch der Ergebnisse, die jetzt vorgestellt wurden.
Sie möchte Frauen ermutigen, zu versuchen, ohne Hormoneinnahme durch die Wechseljahre zu kommen. Insbesondere die kombinierte Einnahme von Östrogenen und Progesteron war so dramatisch, dass die Studie sofort gestoppt wurde. Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse in den USA sanken daraufhin sofort auch die Verschreibungen von rund 60 Millionen auf 20 Millionen im Jahr 2005. Dies sind zur Zeit die aktuellsten verfügbaren Zahlen. Wie wir bereits wissen, sind die Brustkrebsdiagnosen damit in den USA erstmals schlagartig spürbar zurückgegangen. Der
„Kassenschlager“ Hormonersatztherapie stürzte ab, das große Umdenken setzte ein, wie
Cindy Pearson vom
Nationalen Frauengesundheitsnetzwerk NWHN in den USA berichtete. Es sei die bisher größte Veränderung in der Verschreibungspaxis für ein Medikament, das
gewöhnlicherweise von Millionen gesunder Frauen eingenommen worden sei. Cindy Pearson befürchtet, dass jüngere Frauen, die jetzt neu in die Menopause kommen, die Lektionen aus den Forschungsergebnissen von 2002 noch nicht gelernt haben. Eine Umfrage der Stanford Universität aus dem Jahr 2004 habe ergeben, dass nur 3 von 10 Frauen sich an die Forschungsergebnisse erinnerten und weniger als die Hälfte sich mit den Vor- und Nachteilen der Hormonersatztherapie auskannten.
Bei Frauen, die die Medikation im Rahmen der Studie abgesetzt hatten, ließ sich ein sinkendes Brustkrebsrisiko nachweisen. Häufiger in der letzten Zeit war der Ruf nach weiteren Studien im Zusammenhang mit der Verursachung von Brustkrebs durch Hormontherapien zu hören. Dies aber bringt die Interessenvertreterinnen von
Breast Cancer Action auf. Sie wollen, dass endlich an weiteren Ursachen für Brustkrebs geforscht wird, denn allein in den USA sterben weiterhin rund 40.000 Frauen jährlich an den Folgen von Brustkrebs. „Es ist bewiesen. Wir brauchen keine weitere Forschung in dieser Frage“, sagt Barbara Brenner, die Breast Cancer Action in San Francisco leitet.
Weiterlesen:
Breast Cancer after Use of Estrogen plus Progestin in Postmenopausal Women, von Rowan T. Chlebowski, M.D. [u.a.], die Originalveröffentlichung zur Hormonersatztherapie im "NEJM"
Study: Link between hormone replacement therapy and breast cancer higher than thought Lisa M. Krieger, Cindy Pearson und Barbara Brenner in den "Mercury News"