30
Aug
2008

Die WHO-Strategie zur Frauengesundheit

Umschlagcover des Strategic Action Plan for the Health of Women in Europe Von den meisten Frauen bei uns sicherlich unbemerkt wurde im Jahr 2001 durch das Europabüro der World Health Organization WHO ein umfassender Aktionsplan zur Frauengesundheit in Europa (Strategic Action Plan for the Health of Women in Europe) vorgestellt, der ein breit gefächertes Spektrum von wichtigen Grundanforderungen im Zusammenhang mit Frauengesundheit fixiert hat und die einzelnen europäischen Länder dazu auffordert, die benannten Ziele umzusetzen. Die geringe Resonanz, die das Schlüsseldokument zu Rahmenbedingungen zur Frauengesundheit bei uns gefunden hat, ist Anlass, es einmal in Erinnerung zu rufen.

Auch wir sollten die Ziele dieses Pakets zu Lebensbedingungen und Qualität der Gesundheitsversorgung von Frauen ein wenig kennen, auch bzw. gerade weil der Plan z.B. nationale und lokale Regierungen unterstützen soll, um eine genderspezifische und gleichwertige Medizin und - prioritär - auch gesunde Lebenswelten für Frauen umzusetzen. Angesprochen sind mit dem Plan explizit alle europäischen Länder, also auch wir in Deutschland.

Vorgestellt werden 21 Gesundheitsziele, die essentiell für Lebensbedingungen und Frauengesundheit sind. Durch eine planvolle Umsetzung kann Gesundheit für alle [Frauen] genderspezifisch und gendersensitiv gefördert werden, und Programme zur Prävention und Gesundheitsversorgung tragen zur Verbesserung der gesundheitsbezogenen Situation von uns allen bei. Während der Tagung ‘Frauenalltag und Gesundheit in Europa - Ein Dialog über Grenzen’, die bereits vom 28.9.-1.10.2000 in Bad Salzuflen stattfand, wurde der Action Plan von Dr. Assia Brandrup-Lukanow (damals Leiterin der Abteilung Women’s and Reproductive Health bei der WHO/Regionalbüro Europa) vorgestellt. Der Plan beruht auf dem Programm ‘Gesundheit 21’ und dessen Zielen. Er beinhaltet die Implikationen, die sich aus dem Programm ‘Gesundheit 21’ für die Gesundheit von Frauen ergeben. Der Plan will den Mitgliedsstaaten und den Regierungen in ihren Anstrengungen, mehr Geschlechtergleichheit in Gesundheitsfragen zu verwirklichen, helfen und durch die Implementation des Programmes 'Gesundheit 21' zur Verbesserung des Status' der Frauen in der Gesellschaft beitragen.

Dieses Basispapier der WHO/Europe hält folgende grundlegende wie vielschichtige Gesundheitsziele für Frauen in Europa fest:
  • (1) Solidarische Gesundheitsversorgung, z.B. in der Krebsmedizin
  • (2) Gleichheit, das bedeutet, das weiterhin alle einen Anspruch auf die bestmögliche medizinsiche Versorgung behalten
  • (3) Gesunder Start ins Leben
  • (4) Gesundheit für junge Menschen
  • (5) Gesundes Altern
  • (6) Förderung der mentalen Gesundheit
  • (7) Reduktion ansteckender Krankheiten
  • (8) Nicht ansteckende Erkrankungen - z.B. Screening
  • (9) Reduktion der Schäden durch Gewalt und Unfälle
  • (10) Gesunde und sichere Lebenswelt
  • (11) Gesund leben
  • (12) Reduktion der Schäden durch Alkohol, Drogen und Tabak
  • (13) Rahmenbedingungen für Gesundheit
  • (14) Multisektorale Verantwortlichkeit für Gesundheit
  • (15) Integrale genderspezifische medizinische Versorgung
  • (16) Gesundheitsprogramme zur qualitativ angemessene Versorgung
  • (17) Nachhaltige Finanzierung von Gesundheitssystemen unter Berücksichtigung der Ressourcenallocation
  • (18) Verbesserung der Qualifikationen im Gesundheitswesen
  • (19) Forschung und Wissen(svermittlung) zur Gesundheit
  • (20) Mobilsierung von Partnerschaften für mehr Gesundheit - z.B. Selbsthilfe (
  • (21) Richtlinien- und Strategieentwicklung - z.B. Verbesserung der Infrastruktur
In Deutschland gibt es unter anderem mit gesundheitsziele.de verbindliche Vereinbarungen verantwortlicher Akteure im Gesundheitssystem. Sie sind ein Instrument der Gesundheitspolitik im Rahmen von Public Health-Ansätzen, um Verbesserungen der Gesundheitssituation der Bevölkerung zu erreichen.

Ein nationaler Krebsplan soll im Zeitraum 2009 bis 2010 vier Bereiche in der Krebsmedizin verbessern:
microhimbeer die Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung,
microhimbeer die Weiterentwicklung der onkologischen Versorgungsstrukturen und der Qualitätssicherung sowie
microhimbeer die Sicherstellung einer effizienten onkologischen Arzneimittel-Therapie.
microhimbeer Außerdem soll die Patientenorientierung in den beteiligten Bereichen steigen.

Gesundheitsziele und nationaler Krebsplan müssen sich im Kontext des Strategie-Papiers zur Frauengesundheit in Europa, das die WHO vorgelegt hat, messen lassen, damit es Frauen bei uns, im bevölkerungsreichsten Land in Europas, nicht schlechter geht als Frauen in unseren europäischen Nachbarländern. Für den Bereich Brustkrebs werden wir die weiteren Entwicklungen genau verfolgen.

Inzwischen ist die gedruckte Version des Action-Plans vergriffen. Er ist jedoch als pdf zum Download verfügbar.

Strategic Action Plan for the Health of Women in Europe - herausgegeben von der WHO/Europe

Weiterlesen/Externe Links:
WHO Gender Policy: Integrating Gender Perspectives in the work of WHO

Women in Europe for a Common Future

Weltweite gemeinsame Erklärung von NGOs / CSOs zum strategischen Ansatz zum internationalen Chemikalienmanagement: The Strategic Approach to International Chemicals Management (SAICM)

Nationaler Krebsplan - Info des BMGS
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