21
Dez
2007

Strahlentherapie nach Mastektomie: Langzeitdaten aus Schweden veröffentlicht

Notiz zusammengestellt von G. Kemper

In verschiedenen Medien wurde aktuell über die Veröffentlichung von Daten aus einer Langzeituntersuchung aus Schweden berichtet. Eine randomisierte Phase-III-Studie stellte seit 1978 die Frage auf den Prüfstand, ob eine an die Entfernung der Brust angeschlossene Strahlentherapie der Brustwand bei Frauen mit einer Brustkrebserkrankung im Stadium II die Überlebensraten verbessern helfen kann, denn diese Fragestellung war nicht abschließend geklärt.

In die Studie wurden 713 (Quelle: Science direct) / 724 (Quelle: Nature clinical practice, Vol 5, No 1, 2008) postmenopausale Frauen zwischen 1978 und 1985 eingeschlossen. Die mittlere Nachbeobachtungszeit beträgt inzwischen 23 Jahre.
Die Studienteilnehmerinnen erhielten entweder
1. eine Strahlentherapie der Brustwand und der regionalen Lymphknoten von 50 Gy,
2. eine solche Strahlentherapie plus 30 mg Tamoxifen für ein Jahr oder
3. nur Tamoxifen.

Es gab sehr deutliche Unterschiede hinsichtlich des Auftretens von Lokalrezidiven. In der Gruppe der Frauen, die lediglich Tamoxifen erhalten hatten, lag die Lokalrezidivrate bei 18,5%, während sie nach Strahlentherapie plus einem Jahre "Tam" bei lediglich 5,3% lag. Allerdings gab es keine "signifikaten" Unterschiede beim Gesamtüberleben.

1. Gesamtüberleben nach 20 Jahren bei alleiniger Strahlentherapie: 71%
2. Gesamtüberleben nach 20 Jahren bei einer Kombination von Strahlentherapie plus "Tam": 68%
3. Gesamtüberleben nach 20 Jahren bei alleiniger Gabe von Tamoxifen: 62%.

Es waren nb. wohl auch hormonrezeptornegative Patientinnen mit Tamoxifen behandelt worden, die eine höhere Rückfallrate hatten, wenn sie nicht bestrahlt worden waren, in den anderen Gruppen wurde der Unterschied im Überleben "nicht signifikant" eingestuft. Die Autoren fassten ihre Ergebnisse dahingehend zusammen, dass die Strahlentherapie bei befallenen Lympknoten die Lokalrezidivrate senkt, nicht aber das Gesamtüberleben verbessert. Eine Wirksamkeit von Tamoxifen und damit einhergehend eine Verbesserung der Überlebenszeit war nur bei positivem Rezeptorstatus gesehen worden.

Ärgerlich: Der Originalartikel zu dieser sicherlich auch mit Bereitstellung von öffentlichen Mitteln geförderten Untersuchung im European Journal of Cancer ist nicht frei zugänglich! Der Artikel wird z.B. für US $ 30, z.B. über Science direct, verkauft, Stand 12/2007

Bibliographische Daten: Killander, Fredrika et al (2007) Radiotherapy and tamoxifen after mastectomy in postmenopausal women - 20 year follow-up of the South Sweden Breast Cancer Group randomised trial SSBCG II:I. Eur J Cancer 43: 2100 - 2108

Stichwörter: Bestrahlung, Radiatio

G-BA stärkt Versorgung schwerstkranker Menschen am Lebensende - Richtlinie zur Verordnung spezialisierter ambulanter Palliativversorgung beschlossen

Text: Gemeinsamer Bundesausschuss [Pressemeldung v. 21.12.2007, zur Dokumentation]

Schwerstkranke Patientinnen und Patienten, die an ihrem Lebensende im häuslichen Umfeld gepflegt werden, haben im Rahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) künftig Anspruch auf eine bessere Versorgung. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am Donnerstag in Siegburg. Die neue Richtlinie „Spezialisierte ambulante Palliativversorgung“ soll diesen Patientinnen und Patienten ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod auch in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung oder in einer stationären Pflegeeinrichtung ermöglichen. Ziel ist der Erhalt der Lebensqualität und die Förderung der Selbstbestimmung, wobei besonders die individuellen Bedürfnisse und Wünsche der Patientinnen und Patienten im Vordergrund stehen.

Mit der jüngsten Gesundheitsreform hatte der Gesetzgeber den G-BA unter anderem auch damit beauftragt, die Verordnung von spezialisierter ambulanter Palliativversorgung zu regeln. Die Leistungen, die die Richtlinie des G-BA vorsieht, können von Vertrags- oder Krankenhausärzten verordnet werden. Ein besonders qualifiziertes interdisziplinär zusammengesetztes Palliativ-Care-Team (PCT) kann je nach Bedarf beratend tätig werden, die Versorgung koordinieren, mit zusätzlichen Maßnahmen unterstützen oder diese auch vollständig übernehmen.

Die Versorgung durch die PCTs kann unter anderem auch die Linderung von Symptomen durch Arzneimittel und andere Maßnahmen, eine Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft in Not- oder Krisenfällen bis hin zur psychosozialen Unterstützung von Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen, insbesondere im Umgang mit Sterben und Tod beinhalten.

„Der G-BA stellt mit diesem Beschluss sicher, dass die Bedingungen für eine optimale Versorgung von schwerstkranken Menschen in ihrer letzten Lebensphase mit einem häufig sehr umfassenden Behandlungs- und Betreuungsbedarf gegeben sind. Dabei wurde besonders die flexible Zusammenarbeit der Palliativ-Care-Teams und weiteren Beteiligten gewährleistet“, sagte der unparteiische Vorsitzende des G-BA, Dr. Rainer Hess.

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