Auch Charity braucht mehr Licht im Dunkel
Von Gudrun Kemper
Die Forderung nach einem flächendeckenden, funktionierenden nationalen Krebsregister, wie bei der diesjährigen sogenannten "Aktion Lucia" thematisiert, ist richtig und gut. Weniger hingegen gefällt mir der Trend hin zu „Patientenorganisationen“, die sich mittlerweile auch bei uns in Deutschland in Richtung Geschäftsidee gemausert haben. Renate Haidinger ("brustkrebs muenchen e.V." und "brustkrebs deutschland e.V.") klagte auf der am 30.11.2006 vom Pharmakonzern Amgen „ausgeleuchteten“ Pressekonferenz zur „Aktion Lucia“ - die in diesem Jahr das Thema Krebsregister als Aufhänger hatte - über ihren Mangel an Einnahmen.
Die wichtige Arbeit von Krebs-Selbsthilfegruppen wird in Deutschland vorrangig von der Deutschen Krebshilfe finanziert. Allerdings können nicht alle Selbsthilfegruppen und Organisationen hier partizipieren, denn die Krebshilfe ist auf einige wenige große Verbände „abonniert“. Weitere finanzielle Unterstützung ist gem. § 20 Absatz 4 SGB V und § 29 SGB IX beziehungsweise § 31 Absatz 5 SGB VI z.B. über die gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen der „Selbsthilfeförderung“ erhältlich, freilich in geringerem Umfang und häufig "projektbezogen".
Patientinnen-Initiativen können auch Spenden bei Privatpersonen sammeln und sie nehmen in der Regel Mitgliedsbeiträge ein. Auch können sie sich um Sponsoren bemühen, die keine einschlägigen Interessenkonflikte nahe legen, um jene Arbeit leisten zu können, die viele gut finden, nämlich unabhängige Interessenvertretung und Beratung und die Unterstützung von Betroffenen durch Betroffene. Wenn jedoch finanzielle Interessen ins Spiel kommen, immer dann, wenn der Ruf nach „dem Geld, das wir brauchen“ laut wird, fühle ich mich zunehmend unbehaglich.
Haidingers Behauptung: "Keiner hat Geld für uns" (Ärztezeitung v. 7.11.2006) darf man bei solchen Organisationen wie den ihren wohl guten Gewissens als „Klappern gehört zum Handwerk“ verstehen, denn die Liste ihrer zahlungskräftigen Sponsoren z.B. aus Pharma- und Kosmetikindustrie ist lang. Großzügig spenden diese an Brustkrebsorganisationen, die sich geschäftstüchtig im "pink Business" - dem Geschäft mit dem Brustkrebs - tummeln. Ausgerechnet über Geldmangel kann gerade Haidinger also nicht glaubwürdig klagen.
Mangel besteht aber trotzdem, z.B. an öffentlicher Transparenz über die Geldflüsse in als gemeinnützig anerkannten Organisationen und vielleicht noch in Bezug auf die Nachhaltigkeit der finanzierten Projekte, die bei genauer Betrachtung oftmals sehr wohl den Kontext der Interessenkonflikte offenbaren, in dem sie eingeworben werden. Mit anderen Worten: Es muss zunehmend auch kritisch hinterfragt werden, woher das Geld von Patientinnenorganisationen kommt und wohin es geht, weil es auch um unsere Interessen als Frauen im Kontext Brustkrebs geht. Weder "pink Business" noch pink ausgeleuchtete Gebäude bringen Frauen in Bezug auf die Senkung der Erkrankungsraten oder die Heilungserfolge bei Brustkrebs wirklich weiter. Patientenorganisationen werden auf diese Weise beteiligt am von der Aktion Lucia beklagten "Ränkespiel der Macht". Und die Aktion Lucia benutzt ausgerechnet noch die "Schirmherrschaft des Kampfgeistes von Regine Hildebrandt". Wer hat sich das ausgedacht? Es ist unglaublich!
Quellen:
http://www.aktionlucia.de/content_aktion_lucia.htm
http://www.aerztezeitung.de/docs/2006/11/07/199a0803.asp?cat=
Die Forderung nach einem flächendeckenden, funktionierenden nationalen Krebsregister, wie bei der diesjährigen sogenannten "Aktion Lucia" thematisiert, ist richtig und gut. Weniger hingegen gefällt mir der Trend hin zu „Patientenorganisationen“, die sich mittlerweile auch bei uns in Deutschland in Richtung Geschäftsidee gemausert haben. Renate Haidinger ("brustkrebs muenchen e.V." und "brustkrebs deutschland e.V.") klagte auf der am 30.11.2006 vom Pharmakonzern Amgen „ausgeleuchteten“ Pressekonferenz zur „Aktion Lucia“ - die in diesem Jahr das Thema Krebsregister als Aufhänger hatte - über ihren Mangel an Einnahmen.
Die wichtige Arbeit von Krebs-Selbsthilfegruppen wird in Deutschland vorrangig von der Deutschen Krebshilfe finanziert. Allerdings können nicht alle Selbsthilfegruppen und Organisationen hier partizipieren, denn die Krebshilfe ist auf einige wenige große Verbände „abonniert“. Weitere finanzielle Unterstützung ist gem. § 20 Absatz 4 SGB V und § 29 SGB IX beziehungsweise § 31 Absatz 5 SGB VI z.B. über die gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen der „Selbsthilfeförderung“ erhältlich, freilich in geringerem Umfang und häufig "projektbezogen".
Patientinnen-Initiativen können auch Spenden bei Privatpersonen sammeln und sie nehmen in der Regel Mitgliedsbeiträge ein. Auch können sie sich um Sponsoren bemühen, die keine einschlägigen Interessenkonflikte nahe legen, um jene Arbeit leisten zu können, die viele gut finden, nämlich unabhängige Interessenvertretung und Beratung und die Unterstützung von Betroffenen durch Betroffene. Wenn jedoch finanzielle Interessen ins Spiel kommen, immer dann, wenn der Ruf nach „dem Geld, das wir brauchen“ laut wird, fühle ich mich zunehmend unbehaglich.
Haidingers Behauptung: "Keiner hat Geld für uns" (Ärztezeitung v. 7.11.2006) darf man bei solchen Organisationen wie den ihren wohl guten Gewissens als „Klappern gehört zum Handwerk“ verstehen, denn die Liste ihrer zahlungskräftigen Sponsoren z.B. aus Pharma- und Kosmetikindustrie ist lang. Großzügig spenden diese an Brustkrebsorganisationen, die sich geschäftstüchtig im "pink Business" - dem Geschäft mit dem Brustkrebs - tummeln. Ausgerechnet über Geldmangel kann gerade Haidinger also nicht glaubwürdig klagen.
Mangel besteht aber trotzdem, z.B. an öffentlicher Transparenz über die Geldflüsse in als gemeinnützig anerkannten Organisationen und vielleicht noch in Bezug auf die Nachhaltigkeit der finanzierten Projekte, die bei genauer Betrachtung oftmals sehr wohl den Kontext der Interessenkonflikte offenbaren, in dem sie eingeworben werden. Mit anderen Worten: Es muss zunehmend auch kritisch hinterfragt werden, woher das Geld von Patientinnenorganisationen kommt und wohin es geht, weil es auch um unsere Interessen als Frauen im Kontext Brustkrebs geht. Weder "pink Business" noch pink ausgeleuchtete Gebäude bringen Frauen in Bezug auf die Senkung der Erkrankungsraten oder die Heilungserfolge bei Brustkrebs wirklich weiter. Patientenorganisationen werden auf diese Weise beteiligt am von der Aktion Lucia beklagten "Ränkespiel der Macht". Und die Aktion Lucia benutzt ausgerechnet noch die "Schirmherrschaft des Kampfgeistes von Regine Hildebrandt". Wer hat sich das ausgedacht? Es ist unglaublich!
Quellen:
http://www.aktionlucia.de/content_aktion_lucia.htm
http://www.aerztezeitung.de/docs/2006/11/07/199a0803.asp?cat=
Breast Cancer Action Germany - 8. Nov, 12:18


