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Kommunikation mangelhaft...
Kommunikation verbessern, Screening-Einheiten an EUSOMA-Brustzentren...
Breast Cancer Action Germany - 2. Jul, 21:21

2
Jul
2008

Kommunikation mangelhaft - Umsetzung des nationalen Mammographie-Screening-Programms hat Webfehler

engagiert beteiligt bei der Etablierung der Brustkrebsfrüherkennung mit Mammographie-Screening in DeutschlandKommunikation verbessern, Screening-Einheiten an EUSOMA-Brustzentren anbinden: Diese Forderungen wurden auf dem 4. Expertengespräch zur Umsetzung des Mammographie-Screenings in Deutschland (einer Veranstaltungsreihe der Patientenbeauftragten der Bundesregierung Helga Kühn-Mengel), die am 18. Juni in Berlin statt fand, laut.

bullet_blue Ein Screening-Programm ohne Anbindung der Screening-Einheiten an EUSOMA-Brustzentren führt zu unnötigen "Schnittstellen" - die Leidtragenden sind die Frauen.

bullet_blue Ein Screening-Programm ohne räumliche enge Verbindung an EUSOMA-Brustzentren gefährdet die interdisziplinäre Zusammenarbeit - die Leidtragenden sind die Frauen.

bullet_blue Die Evaluation des Programms ist nicht zuletzt vor diesem Hintergrund suboptimal - die Leidtragenden sind die Frauen.

Kritisiert wurde außerdem Information und Kommunikation im deutschen Mammographie-Screening-Programm. Obwohl das Programm in Deutschland seit vielen Jahren vorbereitet wird, ist es allen Verantwortlichen bis zum heutigen Tage nicht gelungen, eine neutrale Information für Frauen bereitzustellen, die entsprechend der Vorgaben der Europäischen Leitlinien über Vorteile und Risiken einer Teilnahme in geeigneter Weise informiert, damit Frauen sich überhaupt erst informiert entscheiden können.

Die Stiftung Koalition Brustkrebs hält dazu in ihrer online verfügbaren Präsentation fest: "Kommunikation mangelhaft".

Die Grundsätze der Europäischen Leitlinien im Zusammenhang mit Information und Kommunikation im Mammographie-Screening müssen vollständig umgesetzt werden. Lesen Sie die Anforderungen an die Information von Frauen nach den Vorgaben der Europäischen Leitlinien bei uns nach: bullet_blue http://www.bcaction.de/03info/fraueninfo.htm

Erhebliche weitere Mängel des deutschen Programms kamen in der Veranstaltung der Patientenbeauftragten zur Sprache:

bullet_blue So wurde kritisiert, dass die Ergebnisse des Programms nicht transparent, Qualitätsindikatoren nicht interpretierbar seien.

bullet_blue Auch die Kommunikation der Ergebnisse des Programms sei mangelhaft.

bullet_blue Die technische Qualitätssicherung: mangelhaft!

bullet_blue Ferner wird die externe Evaluation des deutschen Programms einschließlich einer EUREF-Zertifizierung gefordert und wieder einmal klargestellt, dass die S-3-Leitlinien sich für ein Vorgehen im Screening nicht eignen: "Kein Vorgehen nach der sog. "S-3-Leitlinie"!

Quelle: bullet_blue Präsentation der Stiftung Koalition Brustkrebs

bullet_blue Anforderungen an die Information zum Screening nach Vorgaben der Europäischen Leitlinien: bullet_blue http://www.bcaction.de/03info/fraueninfo.htm
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27
Jun
2008

Was macht eigentlich … Susan Love (2)

von Gudrun Kemper

Brustkrebsforscherin-Susan-Love- Susan Love ist umgezogen, besser: Die Büros ihrer Dr. Susan Love Research Foundation sind nun in Santa Monica, so schreibt Love in ihrem Juni-Newsletter.

Bewegung I
Love wohnt in einem Ort mit dem malerischen Namen Pacific Palisades und will die 6 Meilen (knapp 10 km) für den einfachen Weg zur Arbeit jeden Tag mit dem Fahrrad zurücklegen. Davon verspricht sie sich ein gutes Kreislauftraining, einschließlich Herzgesundheit und Vitamin D durch die Sonneneinstrahlung, was das Risiko an Krebs zu erkranken senken soll. Außerdem lobt sie den Kalorienverbrauch nach der Menopause mit Blick auf die eigene Gewichtskontrolle. Sie fühlt sich gut beim Radfahren und sie fühlt sich wunderbar, weil sie so stolz auf sich ist, es zu tun.

Bewegung II

Love betont, dass sie – wissenschaftlich – daran arbeitet, Brustkrebs zu stoppen. Doch sie will auch alles tun, um einen gesunden Lebensstil zu vermitteln, damit Frauen möglichst die Krankheit gar nicht erst kriegen, bzw. dass die, die Krankheit haben, mit Bewegung etwas tun können, um ihr Rückfallrisiko zu reduzieren.

Bewegung III
Love verweist auch auf neu vorgelegte Studiendaten, die zeigen, dass bereits die Bewegung als Teenager und junge Frau im Alter zwischen 12 und 22 eine Rolle bei der Entwicklung von Brustkrebs spielt. In der neuen Ausgabe der Zeitschrift des National Cancer Institute vom 21. Mai 2008 wurde über die Zusammenhänge zwischen altersspezfischer körperlicher Bewegung und dem Auftreten von Brustkrebs vor der Menopause in dem Artikel “A Prospective Study of Age-Specific Physical Activity and Premenopausal Breast Cancer“ berichtet. Frauen, die mindestens 3,5 Stunden in der Woche gelaufen oder alternativ 13 Stunden die Woche spazieren gegangen waren, erkrankten in der 1997 gestarteten Nurses Health Studie nicht so häufig an Brustkrebs (136 anstelle von 196 Fällen von Brustkrebs pro 100.000 Personenjahre). Für die Gruppe der jungen Frauen waren die Auswirkungen instensiver physischer Aktivität am deutlichsten. Love beschreibt allerdings auch auf die Einschränkungen dieser nachträglich erfragten Daten aus der Nurses Health Studie. Krankenschwestern haben nämlich sowieso einen Job mit mehr Bewegung und nachträglich erfragte Daten sind beispielsweise anders zu bewerten, als solche einer randomisierten kontrollierten Studie.

bullet_blue Zum Abstract der Studie:
http://jnci.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/100/10/728
[Der vollständige Artikel ist in einem Jahr frei verfügbar, doch PatientInnen können sich den Artikel bereits jetzt zusenden lassen, da die Zeitschrift „Patient Access“, also den Zugang für Patientinnen und Patienten, anbietet.]

We love Love!
Susan Love vergisst es nie, auf nicht medikamentöse Möglichkeiten in der Prävention hinzuweisen. Unsere weitreichende Mentalität des ungesunden Lebens betrifft nicht allein unser individuelles Verhalten, sondern die gesamte Situation unserer Lebensverhältnisse. Von der Medizin erwarten wir dann Heilung, wenn unser Leben bereits in akuter Lebensgefahr ist und mit Operationen, Strahlen und medikamentösen Stoffen wollen wir unsere Gesundheit zurück. Aber wir werden damit nicht gesunder, so einfach ist es nicht. Das ist eben auch eine der Botschaften in der umfassenden Arbeit von Dr. Susan Love, MD, zum Thema Brustkrebs …

Zum Weiterlesen:
bullet_blue Forschung im Milchgang oder Was macht eigentlich … Susan Love? pdf_button pdf zum Download

bullet_blue Text hier im Blog:
http://bcag.twoday.net/stories/4176018/

bullet_blue Susan Love - Aktuelles Foto von Susan Love (60) bei einer Veranstaltung der NBCCF:
http://www.flickr.com/photos/stopbreastcancer/2446629658/
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16
Jun
2008

"Klare Grenzen setzen ..."

Bioskop - Zeitschrift zur Beobachtung der Biowissenschaften EUROPA DONNA – The European Breast Cancer Coalition ist ein Dachverband, der als Frauenorganisation die Interessen für Frauen mit Brustkrebs auf europäischer Ebene und in den Mitgliedsländern wahrnimmt. 41 »nationale Foren« gibt es heute. Vom September 2007 bis zum April 2008 leitete Breast Cancer Action Germany Mitglied Gudrun Kemper in der Nachfolge von Karin Jöns, MEP, die Organisation in Deutschland. Gudrun Kemper und die Fachärztin Susanne Schroder, die beide auch im Netzwerk Frauengesundheit Berlin mitarbeiten, gaben ihre Ämter gemeinsam auf.

Erika Feyerabend, Soziologin und Journalistin bei Bioskop - Zeitschrift zur Beobachtung der BiowissenschaftenErika Feyerabend, Mitarbeiterin bei "BioSkop – Forum zur Beobachtung der Biowissenschaften und ihrer Technologien", führte ein Interview zum Thema Pharmasponsoring mit Gudrun Kemper, das jetzt erschienen ist.

Zum Weiterlesen:
bullet_blue "Klare Grenzen setzen" - Das Interview

Mehr zum Thema:


bullet_blue Pressemeldung Karin Jöns MEP
http://www.joens.eu/z_down/JOENS_EPGBC_2008-04-24.pdf

bullet_blue Karin Jöns, MEP:
Hidden Truth, The Parliament

bullet_blue MEPs shun cancer advocacy group because of industry funding
BMJ 2008;336:980 (3 May), doi:10.1136/bmj.39566.553889.DB

bullet_blue Info zum Rücktritt von Susanne Schroeder und Gudrun Kemper: http://bcag.twoday.net/stories/4907080/

bullet_blue Board Europa Donna Germany has stepped back: Major breakthrough in the interest of women with breast cancer von Chantal van den Bossche

bullet_blue Zur Zeitschrift "Bioskop"
http://www.bioskop-forum.de/zeitschrift.htm
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11
Jun
2008

Herceptin adjuvant: Kein Vorteil hinsichtlich des krankheitsfreien Überlebens?

Arznei-Telegramm: Unabhängige Fachzeitschrift zu Medikamenten In dem Artikel „Trastuzumab (Herceptin) in der adjuvanten Brustkrebstherapie ... gibt es einen Publikationsbias?“, der am 6. Juni 2008 im arznei-telegramm erschienen ist (a-t 2008; 39: 67-9), wird Kritik zur Art der Veröffentlichung der Daten laut. Mitarbeiter und Berater der neuseeländischen Arzneimittelbehörde äußerten den Verdacht auf wikipedia „Publikationsbias“, einer „Verzerrung“ der Datenlage durch die Art der Publikation also.

Die Studien zur wikipedia adjuvanten Therapie bei Brustkrebs haben unterschiedliche Ergebnisse erbracht, und es wurde die Befürchtung geäußert, dass der Nutzen des Medikaments überschätzt worden sei. In zwei Studien konnte ein Vorteil für die adjuvante Therapie mit Herceptin in einzelnen Behandlungsarmen nicht gezeigt werden. Es wird kritisiert, dass die Daten zweier Studien nachträglich gepoolt, also in einer Mischprobe ausgewertet wurden, um schneller an die Öffentlichkeit treten zu können, anstatt diese wie ursprünglich vorgesehen getrennt auszuwerten. a-t fordert die rasche Veröffentlichung aller Daten zu Trastuzumab (Herceptin) in der adjuvanten Brustkrebstherapie.

Diese Forderung können wir als Patientinnen nur nachdrücklichst unterstreichen. Wir fordern den Zugang zu den exakten und vollständigen Daten zu den genannten Studien.

bullet_blue Download des vollständigen Artikels aus dem arznei-telegramm [Die Bereitstellung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des arznei-telegramms]

bullet_blue Weitere Informationen zu Herceptin in unserem Blog:
„Wieviel wird Herceptin wirklich kosten“?
http://bcag.twoday.net/stories/3074479/

Berliner Erfahrungen und Ergebnisse nach zwei Jahren Mammographie-Screening

Heidi Kosche startete eine kleine Anfrage zum Mammographie Screening an den Berliner SenatHeide Kosche, MdA, Berliner Abgeordnete bei den "Grünen", hat sich nach zwei Jahren Mammographie-Screening in Berlin in einer kleinen Anfrage an den Senat über die Erkenntnisse des Senats zu dem Programm erkundigt. Am 12. Februar 2008 antwortete die zuständige Senatorin für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, Katrin Lompscher.

Nachfolgend Anfrage und Antworten der Senatorin:

Katrin Lompscher, Senatorin für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz in Berlin1. Wie viele Zentren für Mammographie-Screening sind bis Ende 2007 in Berlin eingerichtet worden, bzw. sind noch weitere geplant?

Zu 1.: Im Land Berlin wurden vier Versorgungsregionen gebildet, für die jeweils eine Screening-Einheit zur Durchführung des Mammographie-Screenings zuständig ist:

Spandau / Reinickendorf / Mitte
Pankow / Lichtenberg / Marzahn-Hellersdorf
Treptow-Köpenick / Neukölln / Friedrichshain-Kreuzberg
Tempelhof-Schöneberg / Steglitz-Zehlendorf / Charlottenburg-Wilmersdorf

Mit diesen zwischen Juli 2006 und April 2007 eingerichteten Screening-Einheiten ist die Planung abgeschlossen.

2. Wie ist die flächendeckende Einladung der Zielgruppe der 50-69jährigen Frauen organisiert (Adressenpool), und wer ist dafür verantwortlich?

3. Wie wird sichergestellt, dass alle über 50-jährigen Berlinerinnen alle zwei Jahre eine Einladung zum Screening erhalten?


Zu 2. und 3.: Für das Einladewesen ist die Zentrale Stelle Mammographie-Screening Berlin verantwortlich. Diese Stelle bezieht auf landesrechtlicher Grundlage regelmäßig Melderegisterdaten aller Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren, die ihren alleinigen oder Hauptwohnsitz in Berlin haben. Mit der Einladung wird jeder Frau ein Untersuchungstermin in der für ihren Wohnbezirk zuständigen Screening-Einheit genannt. Die Screening-Einheit erhält von der Zentralen Stelle die Einladungslisten, die binnen vier Wochen an die Zentrale Stelle rückübermittelt werden, damit diese eine Erinnerung der Frauen veranlasst, die sich nicht auf die Einladung gemeldet haben.
Aus dem personenbezogenen Datensatz des Melderegisters, der nach erfolgter Einladung und ggf. Erinnerungseinladung gelöscht wird, bildet die Zentrale Stelle für jede einzuladende Frau eine eindeutige, nicht reidentifizierbare Screening-Identifikationsnummer, die zusammen mit dem vorgeschlagenen oder wahrgenommenen Termin und dem Ort der Untersuchung gespeichert wird. Dieses Verfahren sichert die Einhaltung der turnusmäßigen Einladung und Terminvergabe im Abstand von 24 Monaten.

4. Wie viele Einladungen wurden von 2005 bis Ende 2007 verschickt?

Zu 4.: Das Mammographie-Screening startete in Berlin mit der Aufnahme der Tätigkeit der ersten Screening-Einheit am 17.07.2006. Seitdem wurden bis zum 31.12.2007 insgesamt 155.415 Einladungen versandt (ohne Erinnerungseinladungen).

5. Wie viele Frauen sind der Einladung nachgekommen? (Anzahl und Prozent)

Zu 5.: Bis zum 31.12.2007 haben 74.746 Frauen am Mammographie-Screening teilgenommen. Das entspricht einem Anteil von 48,1 Prozent.

6. Gibt es statistische Daten zu den eingeladenen Frauen, die darüber Auskunft geben, welche Frauen das Screening-Angebot mehr oder weniger in Anspruch nehmen? (Alter, Migrationshintergrund, Bildungsstand, bezirkliche Verteilung)

Zu 6.: Nein. Das Programm zur Früherkennung von Brustkrebs durch Mammographie-Screening sieht keine Datenerfassung zum Migrationshintergrund oder Bildungsstand vor. Wegen der sukzessiven Inbetriebnahme der Screening-Einheiten und der daran angepassten Einladungen sind valide regionale oder Altersgruppenvergleiche der Inanspruchnahme des Untersuchungsangebots derzeit nicht möglich.

7. Mit wie vielen Anrufplätzen ist die telefonische "Hotline" für Berlin und Brandenburg ausgestattet?

Zu 7.: Zurzeit ist die Zentrale Stelle mit fünf vollzeitbeschäftigten und sechs teilzeitbeschäftigten Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen für die Beantwortung der Hotline-Anrufe ausgestattet. Die Teilzeitkräfte werden der Anrufsdichte entsprechend ganz überwiegend vormittags von 9 bis 13 Uhr eingesetzt.

8. Anhand welcher bevölkerungsstatistischen Berechnungen für Frauen über 50 Jahre wurde die Zahl der Anrufplätze der "Hotline" festgelegt?

Zu 8.: Die Zahl der die Hotline bedienenden Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen wuchs seit Beginn des Screenings mit zunächst einer Screening-Einheit parallel zur Betriebsaufnahme der weiteren drei Screening-Einheiten und wird ständig dem Anrufverhalten angepasst.

9. Wie viele Frauen haben sich innerhalb der letzten zwei Jahre (2005-2007) für ein Mammographie-Screening angemeldet, obwohl sie nicht eingeladen worden waren?

Zu 9.: Bis zum 31.12.2007 haben sich insgesamt 29.675 Frauen selbst zur Teilnahme am Mammographie-Screening angemeldet.

bullet_blueZu den Informationen zur Kleinen Anfrage auf der Webseite von Heidi Kosche:
http://www.frieke.de/kosche/1150711.html

"Korrupt oder korrekt? Wie bleibt die Selbsthilfe unabhängig": Neuer Tagungsband ist erschienen

korrupt_oder_korrekt Die Theodor Springmann Stiftung veranstaltete am 27. April 2007 eine Fachtagung zum Thema Sponsoring mit dem provozierenden Titel "Korrupt oder korrekt - wie bleibt die Selbsthilfe unabhängig?"

Dies war bereits die zweite Veranstaltung der Stiftung, die bereits im Jahr 2003 das Thema, zu dem so viele Informationen bei uns nach wie vor fehlen, aufgegriffen hat.

Enthaltene Beiträge:


Vorbemerkungen von Evelyne Hohmann, Theodor Springmann Stiftung

Ursula Helms, Geschäftsführerin der NAKOS: Chancen und Risiken von Sponsoringverträgen in der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe

Prof. Dr. Judith Haas, Jüdisches Krankenhaus Berlin: Zusammenarbeit mit der pharmazeutischen Industrie am Beispiel der Anwendungsbeobachtung

Christoph Kranich, Leiter Fachabteilung Gesundheitsdienstleistungen VZ Hamburg: Vom Dilemma der Abhängigkeiten. Geldquellen für Selbsthilfe und Patientenunterstützung

Prof. Dr. Bruno Müller-Oerlinghausen, Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ): Wie wird unabhängige Arzneimittelinformation für Bürger und Bürgerinnen in Deutschland möglich?

Helmut Schröder, Forschungsbereichsleiter Arzneimittel Wissenschaftliches Institut der AOK: Pharmapolitik der GKV. "Standort D" und seine Interessengruppen

Dr. Kirsten Schubert, Universität Bremen: Einfluss des pharmazeutisch-industriellen Komplexes auf die Selbsthilfe

Prof. Dr. Joachim Kugler, Universität Dresden - Gesundheitswissenschaften: Lebensqualität und Gesundheitsökonomie

Gudrun Kemper, Breast Cancer Action Germany: Ein anderes Rezept. Fundraising und Ethik in Frauengesundheitsorganisationen

Ausschnitte aus Diskussionen und Presse sind ebenfalls enthalten. Mit € 8,50 ist der Band nicht teuer und kann beim Veranstalter bestellt werden.

bullet_blue Zur Bestellung bei der Theodor Springmann Stiftung:
http://www.tss-datenbank.de/stiftung/ft_07/tagungsband.html

bullet_blue Website der Theodor Springmann Stiftung:
http://www.patiententelefon.de/

bullet_blue Die Frauenselbsthilfe übernahm das "hochbrisante Thema" exakt in ihre Bundestagung 2007:
http://www.frauenselbsthilfe.de/front_single/pdf/Begruessung_BUTA2007.pdf

Hilde Schulte, Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs, auf der Bundestagung 2007Zitat der Bundesvorsitzenden Hilde Schulte in ihrer Eröffnungsrede: "Die Frauenselbsthilfe nach Krebs wurde wie alle Verbände aufgrund von Medienberichten mit dem Thema Korruption konfrontiert. Aber nicht überraschend, neu oder erstmalig. Kooperationen wurden von uns schon immer offen und ohne Scheu kommuniziert.
Richtlinien für die Zusammenarbeit mit Unternehmen der pharmazeutischen Industrie gab es in der Frauenselbsthilfe nach Krebs schon lange, bevor die Dachverbände sich damit beschäftigten oder gar Journalisten und Transparency International sich einmischten.
Aber kaum etwas verunsichert mehr als ungerechtfertigte Anschuldigungen. Wir haben uns in den letzten Monaten viele Gedanken gemacht über den Umgang mit Sponsoring und ähnlicher Unterstützung der FSH durch Dritte. Die Diskussionen war teitaufwendig, anstrengend, teilweise haben sie auch Nerven gekostet, aber: Geschadet haben sie uns nicht! Wir sind klarer, selbstsicherer, deutlicher in unserem Auftritt nach Innen und Außen geworden. Wir wissen, was wir sollen und vor allem: Wir wissen, was wir nicht wollen!"

bullet_blue Weitere Informationen und Materialien zum Thema Interessenkonflikte in unserer Linksammlung:
http://del.icio.us/conflicts
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7
Jun
2008

Analysten erstaunt ... Nachgelesen – Die Avastin-Berichterstattung

gelesen in der Source & New York Times
von Gudrun Kemper

Source-und-New-York-Times-zur-Zulassung-von-Avastin-Bevazizumab1

Unter dem Titel „Lektionen und Fragen aus der E 2100 Avastin Brustkrebs-Studie“ (Lessons and Questions from the E 2100 Avastin Breast Cancer Trial) berichtet Robert Erwin in der neuen Ausgabe der „Source“ von Breast Cancer Action vom April/Mai 2008, die jetzt erschienen ist, über die Zulassung des Medikaments Avastin (Bevacizumab) für die Therapie bei metastasiertem Brustkrebs. In den USA ist Avastin durch die FDA beschleunigt zugelassen worden. Robert Erwin stellt eine verkürzte Chronik zur Entwicklung des Medikaments vor:

Im Jahr 2000 startete die Studie AVF2119g. Untersucht wurde bei Patientinnen mit vorbehandeltem metastasierten Brustkrebs Xeloda bzw. Xeloda mit Avastin.

Im Jahr 2001 begann die Studie E2100. Untersucht wurde als Ersttherapie bei Patientinnen mit Lokalrezidiv oder metastasiertem Brustkrebs Taxol mit oder ohne Avastin.

Im Jahr 2002 wurde in San Antonio berichtet, dass Avastin in Studie AVF2119g versagt hatte. Für die Patientinnen konnte kein Vorteil gezeigt werden konnte.

Im Jahr 2005 wurde auf dem ASCO für Studie E2100 berichtet, dass sich das progressionsfreie Überleben unter Avastin signifikant verbessert habe. Jedoch konnte eine Verbesserung des Gesamtüberlebens nicht nachgewiesen werden.

2006 suchte der Hersteller Genentech bei der FDA um Zulassung von Avastin als Ersttherapie bei metastasiertem Brustkrebs nach. Die FDA forderte daraufhin zusätzliche Daten an.

2007 stimmte ein unabhängiges Expertenkomitee bei der FDA mit 5 zu 4 Stimmen gegen die Zulassung.

Robert Erwin beschreibt die Überlegungen, die im Zusammenhang mit einer Zulassung von Avastin zu bedenken wären. So seien die Risiken des Medikaments zu berücksichtigen, die für einige Patientinnen erheblich seien, wie auch das Fehlen einer Überlebensverlängerung als primärem Endpunkt in der klinischen Erprobung und überdies das Wissen, die Vermarktung eines teuren Medikamentes (durchschnittliche Therapiekosten knapp $ 100.000 jährlich pro Patientin) zu genehmigen, das weder zeigen konnte, dass es lebensverlängernd wirkt, noch seien Daten für eine Verbesserung der Lebensqualität unter der Therapie vorgelegt worden. Wie dem auch sei, so Robert Erwin, Avastin habe das Überleben ohne Fortschreiten der Erkrankung besser als alle anderen in der letzten Zeit getesteten Medikamente gesteigert. Viele Patientinnen und Ärzte betrachteten das Fehlen eines Fortschreitens der Erkrankung als eine Verbesserung der Lebensqualität und damit als ausreichend im Zusammenhang mit einer Zulassung.

Letztlich, so Erwin, seien die Entscheidungen, ein Medikament zu verwenden, sehr persönliche, individuelle Entscheidungen. Statistiken ließen sich nicht auf Individuen anwenden, und Daten aus klinischen Studien könnten lediglich eine Bewertung unterstützen, nicht aber Vorteile und Nachteile, die individuelle Patienten erfahren, vorhersagen. Nachfolgend stellt Erwin einige Informationen zusammen, die angesichts dieser Begrenztheit helfen sollen, den Wert klinischer Studien zu verbessern.

In einem weiteren Beitrag der aktuellen „Source“ stellt Barbara Brenner, die Breast Cancer Action in San Francisco leitet, in ihrem Beitrag „Zuerst die Patienten: Die Notwendigkeit besserer Standards in der FDA“ fest, dass die dann doch erfolgte beschleunigte Zulassung von Avastin (Bevacizumab) einer Absenkung der Hürden bei der Zulassung von Krebsmedikamenten gleichkäme. Gleiches war auch bei der im Februar erfolgten Zulassung bereits in der New York Times zu lesen. Dort hatte Fran Visco, die Präsidentin der nationalen Brustkrebs-Koalition NBCC, die sich ebenfalls gegen eine Zulassung ausgesprochen hatte, im Interview gesagt: „We believe that they have lowered the bar. Our goal is to get the best treatments out to patients that really will be effective and safe. This particular circumstance will not advance that goal.” [Übersetzt etwa: „Wir glauben, dass sie die Hürden für die Zulassung gesenkt haben. Unser Ziel ist es, die beste Therapie, die wirklich sicher und effektiv ist, zu erreichen. Unter diesen speziellen Umständen erreichen wir dieses Ziel nicht.”] In dem Artikel in der New York Times, erschienen am 23. Februar 2008, wird auch darauf hingewiesen, dass die Nebenwirkungen unter Avastin schlimmmer gewesen seien; 5 oder 6 der Patientinnen - von 363 - seien an den Nebenwirkungen des Medikaments verstorben. In dem Artikel der New York Times ist die Rede davon, dass selbst die Börsenanalysten und Investoren von der Zulassung überrascht gewesen seien.

Breast Cancer Action hat sich bereits im Februar wegen der Zulassung von Avastin mit einem offenen Brief an die FDA gewandt. Brenner fasst zusammen, dass für die Zulassung eines neuen Brustkrebsmedikaments mindestens eines der drei nachfolgenden Kriterien erfüllt sein müsste:
- eine Lebensverlängerung, also die Steigerung der Überlebenszeit,
- die Verbesserung der Lebensqualität,
- ein geringerer Preis als bisher verfügbare Therapien.

bullet_blue Über Robert Erwin:
Robert Erwin gründete, nachdem seine Frau im Jahr 1994 an Brustkrebs verstorben war, die nach ihr benannte „Marti Nelson Cancer Foundation“, eine Non-Profit-Organisation, die auch mit der Industrie zusammenarbeitet. Er ist von Hause aus im Bereich der Biotechnologie beschäftigt.

bullet_blue Lessons and Questions ... der vollständige Artikel von Robert Erwin:
http://bcaction.org/index.php?page=newsletter-101a

bullet_blueDie aktuelle "Source" / Breast Cancer Action, Ausgage April/Mai 2008:
http://bcaction.org/uploads/PDF/101.pdf

bullet_blue Beitrag in der New York Times:
F.D.A. Extends Avastin’s Use to Breast Cancer
http://www.nytimes.com/2008/02/23/business/23drug.html

bullet_blue Offener Brief vom 19.02.2008 von Fran Visco (National Breast Cancer Coalition, NBCC) an die F.D.A.:
http://www.stopbreastcancer.org/pdf/pazdur.pdf

bullet_blue Offener Brief vom 27.02.2008 von Barbara Brenner an die F.D.A.:
http://bcaction.org/index.php?page=fda-letter-february-27-2008

bullet_blue Fragwürdiger Vorteil - Notiz zur Zulassung von Avastin und der Erprobung im adjuvanten Setting, ein NBCCF-Statement:
http://www.stopbreastcancer.org//index.php?option=com_content&task=view&id=807

bullet_blue Berichterstattung im Deutschen Ärzteblatt "Mit 'Geld-zurück-Garantie'":
http://ww.aerzteblatt.de/v4/archiv/pdf.asp?id=60383
In Deutschland beteiligt sich der Hersteller ROCHE an den Arzneimittelkosten.

bullet_blue Nice findet Avastin zu teuer ... Bericht im Deutschen Ärzteblatt:
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=32854
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3
Jun
2008

CAM, Krebs & Komplementärmedizin: Ralph W. Moss zu Besuch in unseren Kliniken

von Gudrun Kemper

Fotos von Ralph W. Moss Reise nach Deutschland CAM ist die international geläufige Abkürzung für „Complementary and Alternative Medicine“. Was wissen wir wirklich über komplementäre oder alternative Wege, von denen die meisten Ärzte darauf beharren, dass sie eher komplementär, also zusätzlich, und weniger alternativ - zu den häufig sehr aggressiven Behandlungspfaden der modernen Krebstherapie im aktuellen 3. Jahrtausend - eingesetzt werden? Und wie sieht ein amerikanischer Krebsarzt eigentlich CAM? Dr. Ralph W. Moss, der sich in den USA seit Jahren kritisch mit Krebsmedizin auseinandersetzt, meint, Deutschland sei in der westlichen Welt in Sachen CAM führend, und sicher hat er Recht, wenn er herausstellt, dass wir bei uns auf eine lange Geschichte in nicht-koventioneller Medizin verweisen können. Bei Krebspatienten in den USA hat die deutsche „CAM-Scene“ durch Burton Goldbergs Film „The Cancer Conquest“ - übersetzt etwa „Den Krebs überwinden“ - Furore gemacht, ob berechtigt oder nicht, sei dahingestellt. So wie manche hier bei uns den Mythos von der heilenden Krebstherapie im fernen Amerika träumen, tun dies Menschen in den USA offensichtlich auch, wenn es um Krebsheilung und CAM in Deutschland geht. Moss schreibt, dass die Klinik in besagtem Film Krebspatienten aus Amerika jahrelang magisch angezogen hat, und er konnte angesichts der schönen und friedvollen Lage der Klinik sogar gut nachvollziehen, warum das so war!

Es hat seinen eigenen Reiz, mit einem amerikanischen Krebsexperten Deutschland zu besuchen. Deswegen musste ich aktuell unbedingt die Reiseberichte von Dr. Ralph W. Moss, dem Herausgeber von „CancerDecisions.com“, lesen. Zwei Wochen lang bereiste der bekannte Arzt deutsche Lande in Sachen CAM, um dabei rund zwei Dutzend Ärzte aus dem entsprechendem Spezialgebiet zu treffen. Wir nehmen mit Moss beinahe zwangsläufig einen anderen Blickwinkel ein, zu dem der Wissenschaftler mit seinen kritischen Meinungen auch sonst gerne animiert. Moss hat komplementär und alternativ-medizinisch arbeitende Kliniken und ihre Ärzte bei uns in Deutschland in Augenschein genommen, um sich erneut Einblick und Überblick über CAM in Deutschland zu verschaffen. Für Moss, der Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Onkologie (DGO) ist, war es bereits seine achte Reise dieser Art, die er nutzen wollte, um das Wissen bekannter deutscher CAM-Krebs-Ärzte und die Fortschritte bei dieser integrativen Behandlung von Krebs zu beurteilen, so Moss selbst in seinem Reisebericht „Visit to Germany“.

Moss beschreibt das Phänomen des außergewöhnlichen Klinikreichtums in Deutschland. Nach seinen Recherchen gibt es bei uns 2.200 solcher Einrichtungen - die freilich nicht nur Krebs behandeln - mit über 500.000 Betten und 17,5 Millionen Patienten pro Jahr. Für seine Deutschlandreise hat Moss sich jedoch auf die auf Krebs spezialisierten „CAM“-Kliniken beschränkt, die neben einer deutschsprachigen auch über eine englischsprachige Internet-Website verfügen, und an denen Chefärzte beschäftigt sind, die zugleich auch Mitglied der DGO sind. Um die Klinikatmosphäre zu atmen und damit der Patientenperspektive näher zu sein, übernachtete Moss sogar in einigen Kliniken.

Er traf in den Kliniken auch 2008 noch auf amerikanische Krebspatienten. Im Zeitalter der golbalisierten Krebsmedizin öffnen sich inszwischen mehr und mehr Leistungsanbieter bei uns auch für zahlungskräftige Privatpatienten aus dem Ausland, ein Trend, der auch Unikliniken und Klinikkonzerne inzwischen häufig viel Wert auf kultursensiblen Service für internationale Patientinnen und Patienten legen lässt.

Natürlich durfte bei der Moss-Reise auch der Besuch einer der herausragendsten Universitäten in Europa nicht fehlen, nämlich der bereits 1388 gegründeten Universität Köln, an der ein bekannter Professor für CAM, Prof. Dr. Josef Beuth, beschäftigt ist. Moss erzählt, dass Beuth - wie viele andere, die in CAM-Kreisen wohl bekannt sind - zu seinem Freundeskreis gehört. Beide haben gemeinsam ein Buch zur komplementären Onkologie herausgegeben. Beuth (gebürtiger Aachener, Jg. 1952) ist Gründer und Leiter des - nach amerikanischem Vorbild gegründeten und in Europa einzigartigen - Instituts zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren (ENV) an der Universität in Köln. Er arbeitet an Naturheilverfahren, ihrer Wirksamkeit, Qualität und Unbedenklichkeit.

Erwähnenswert ist in jedem Fall noch ein Vortrag, den Moss angelehnt an seinen kleinen Artikel „Patents over Patients“, vor rund einem guten Jahr am 1. April 2007 in „The New York Times“ erschienen, in Deutschland gehalten hat. In diesem Artikel kritisiert Moss den heutigen Zustand bei der Entwicklung von neuen Krebsmedikamenten scharf. Wie bereits die Überschrift erkennen lässt, vertritt Moss die Meinung, dass Patent-Interesssen heute mehr bedeuten als die Interessen von Menschen, Patienten. Die Entwicklung von Krebsmedikamenten ist extrem teuer, und die Industrie sorgt für einen gesunden „return on investments“. Mit anderen Worten, die Investitionen der Industrie müssen sich auszahlen, und dafür braucht es, zitiert nach Moss, „wasserdichte Patente“. Billige Krebsmedikamente - darunter z.B. das von dem italienischen Onkolgen Paolo Lissoni erforschte Melatonin -, die hoch effektiv sein könnten, werden wegen ihres geringen Preises gar nicht erst erforscht. Moss reißt in dem Artikel verschiedene weitere, vielversprechende Forschungsergebnisse kurz an, bei denen es bisher nicht zur Finanzierung einer klinischen Studie gereicht hat. Im Jahr 2003 hat Moss auch Lissoni besucht, der von dem „totalen Desinteresse der Pharmaindustrie“ an seinen Forschungen so enttäuscht sei, dass er sich inzwischen sogar die Mühen der Publikation spare.

Moss fordert schließlich für die Entwicklung von Krebsmedikamenten, dass sie nach ihrem wissenschaftlichen Wert und nicht etwa der Patentierbarkeit erfolgen müsse. Seine ungewöhnliche Idee: Die Entwicklung von Medikamenten für „gewöhnliche“, also häufige, Krebserkrankungen müssten ebenfalls aus den Finanzmitteln für sogenannte „Orphan Drugs“ (Medikamente für seltene und somit industriell unrentable Krankheiten) mitfinanziert werden. Die Definition von „Orphan Drugs“ müsse auf nicht patentierbare Medikamente erweitert werden. Ein wirklich revolutionärer Gedanke, da wir doch wissen, dass Medikamente nicht mehr (nur) für Patienten, sondern (heute vor allem) auch für Shareholder produziert werden. Soviel zu Moss aus der „New York Times“ von 2007.

Zu seiner Deutschlandreise vermittelt Moss bisher aus deutschen Kliniken noch nichts Neues, wir lesen gewöhnliche Reisebeschreibungen von unseren lieblichen Städten, Natur und Kunst, Bio-Buttermilch sowie Fahrten mit dem kleinen gemieteten Mercedes, mit dem er 2.000 Meilen vorwiegend auf der Autobahn zurückgelegt hat, nicht ohne auch unser vorzügliches Schienennetz zu loben. Zwar fällt in Bezug auf innovative oder immunologische Therapien schon mal der Begriff „Dendritische Zellen“, aber mehr will Moss erst in seiner Serie„Where to go“ berichten.

Über Dr. Ralph W. Moss
http://www.cancerdecisions.com/about.html
[Dr. Moss betreibt die Website cancerdecisions.com. Es ist wie nicht anders zu erwarten, und so lassen es auch die Endung seiner Website sowie diverse Publikationen und Dienstleistungen, die nur käuflich zu erwerben sind, vermuten, auch Dr. Ralph W. Moss ist neben seiner ärztlichen Tätigkeit kommerziell im Bereich Krebstherapie engagiert.]

bullet_blue Fact Finding Trip to Germany – Part I (25. Mai 2008)
http://www.cancerdecisions.com/052508.html

bullet_blue Fact Finding Trip to Germany – Part II (01. Juni 2008)
http://www.cancerdecisions.com/060108.html

bullet_blue Visit to Germany
http://www.cancerdecisions.com/050408.html

bullet_blue New York Times v. 01.04.2007: Patents over Patients / Ralph W. Moss
http://www.nytimes.com/2007/04/01/opinion/01moss.html

bullet_blue Fotos von R.W. Moss aus Deutschland
http://www.flickr.com/photos/24860924@N07/

bullet_blue Podcast mit Prof. Dr. Josef Beuth
http://www.koeln-magazin.info/fileadmin/koeln-magazin/Podcast/Interview_Beuth.mp3
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2
Jun
2008

Hidden truths

von Karin Jöns, MEP
Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Autorin.
Der Artikel erschien zuerst in
"The Parliament" v. Mo., den 12. Mai 2008

There are 15,000 lobbyists in Brussels trying to influence the political decision-making processes and policy. That is fair enough – they are entitled to do that – and politicians are quite able to decide if or to what extent they agree on the analysis, demands and suggestions of lobbyists.

Recently though, lobbyists have started to resort to more underhand measures to influence politicians.

The pharmaceutical industry in particular is acting in an increasingly subtle manner: it is playing on the fears of patients and taking advantage of them in order to serve its own interests, such as the approval of drugs, free access to them and research funding.

Many so-called ‘patient initiatives’ recommend the prescription of certain medications rather than tackling the question of alternative medication that might have the same effect or fewer adverse effects.

Furthermore, they never address the question of overpriced drugs. For example, one academic study by the Karolinska Institute in Stockholm and which received substantial funding from Roche concludes that survival rates of cancer patients improve if they have access to new cancer drugs, even though surviving cancer is widely recognised as being more likely to occur if the cancer is detected and tumours are removed at an early stage.

The Swedish report has been widely criticised for its conclusions, but this did not stop patient groups from organising a Europe-wide campaign – also funded by Roche – based on the results of this study.

That campaign earned the patient group set up with Roche funding, Cancer United, and the PA firm Weber Shandwick the dubious honour of second prize in the worst EU lobby awards in 2006.

Because of bad examples like this, the European commission took the initiative to push for greater transparency, and the parliament has welcomed this move.

MEPs will vote this month on the Stubb report on lobbying in the European institutions, and are expected to back calls for a comprehensive and mandatory register of lobbyists, to include civil society and NGOs such as patient groups, that will oblige them to disclose their financial backers.

It was as a result of just such a disclosure that the European parliamentary group on breast cancer (EPGBC), an informal working group of parliamentarians, decided in April to end its cooperation with Europa Donna, the European coalition against breast cancer.

Around 86 per cent of Europa Donna’s income in 2007 came from the pharmaceutical industry, although the NGO had always denied this. Other evidence for the strong link between Europa Donna and the pharmaceutical industry was the invitation offered to one of the authors of the Karolinska study to the NGOs European conference in Amsterdam in 2007 in order to promote the research without offering a platform to any critics of the research.

Furthermore, Europa Donna’s strategic plan for 2007 was based on a review conducted by Boston Consulting Group and written by an individual who works chiefly for the pharmaceutical industry – as a result of which the plan focused mainly on opportunities for increased funding and lobbying.

As a result, we parliamentarians engaged in the fight against breast cancer came to the conclusion that Europa Donna no longer had patients’ interests at heart.

Of course, it is not easy for patient groups to collect the amount of funding they need to maintain their daily work. Unfortunately, most companies prefer to support emotional subjects and other striking topics, and the offer of support from pharmaceutical companies is very tempting.

However, patient initiatives should be aware that in accepting this offer, they lose their credibility among politicians and that can harm their interests. It is possible to work in a credible, active and successful way against breast cancer without being sponsored by the pharmaceutical industry.

The example of Europa Donna Germany proves that: it has refused to accept any money from the pharmaceutical industry – but its credibility has been seriously damaged by the actions of the European umbrella organisation.

The case of Europa Donna shows that we need a new political culture concerning the funding of independent associations. The EPGBC has taken a brave step and I hope that other patient groups will become more aware of this problem and try to avoid the minefield of sponsorship from the pharmaceutical industry.

Infos zum Weiterlesen:


bullet_blue Notbremse gezogen - Unser Rücktritt vom EUROPA DONNA Vorstand:
http://bcag.twoday.net/stories/4907080/

bullet_blue Berichterstattung im BMJ: MEP's shun cancer advocacy group because of industry funding
http://www.bmj.com/cgi/content/extract/336/7651/980-a?etoc
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27
Mai
2008

Neue Broschüre der Ersatzkassen und ihrer Verbände bietet Informationen und Hilfestellung

Nachdem wir - auf der Basis der Arbeit von Anne Rochon-Ford aus Kanada - im Jahr 2006 erstmals mit "Ein anderes Rezept" das Thema Pharmasponsoring und Selbsthilfe thematisiert haben, gibt es jetzt auch von Seiten der Ersatzkassen und ihrer Verbände eine fachliche Information zu dem Brennpunktthema. Wir freuen uns sehr, dass damit eine neue Information für interessierte VerbraucherInnen zur Verfügung steht. Die neue Broschüre enthält auch ein kleines Interview mit Gudrun Kemper, BCAction Germany (s. S. 17).

Nachfolgender Text: Pressemeldung vdak

Ungleiche Partner - Eine Information zu Selbsthilfe und Wirtschaftsunternehmen"Kooperationen von Pharma- und Medizinprodukteherstellern mit Ärzten und Selbsthilfeorganisationen können problematisch sein: Auf dem Spiel steht oft die Glaubwürdigkeit der Patientenselbsthilfe. Einen Beitrag zur notwendigen Debatte soll die Broschüre „Ungleiche Partner – Patientenselbsthilfe und Wirtschaftsunternehmen im Gesundheitssektor“ leisten. „Mit unserer Broschüre wollen wir,“ so Michael Domrös, Leiter der Landesvertretung der Ersatzkassenverbände in Thüringen, „genau dort ansetzen, wo sich Selbsthilfeorganisationen für die Interessen von Patienten engagieren und Hersteller von Arzneien und Medizinprodukten finanzielle Hilfe anbieten. Oftmals ist die daraus resultierende Zusammenarbeit ein wahrer Drahtseilakt. “

Die jetzt veröffentlichte Broschüre bietet deshalb den Vertretern der Selbsthilfe wertvolle Tipps und nützliche Hinweise.

Die Broschüre, die in Zusammenarbeit mit der Sozialwissenschaftlerin und Journalistin Erika Feyerabend und dem Journalisten Klaus-Peter Görlitzer erstellt wurde, kann kostenfrei im Internet unter herunter geladen werden."

bullet_blueDownload Broschüre "Ungleiche Partner"
http://www.vdak-aev.de/LVen/THG/Ungleiche_Partner_bf.pdf

bullet_blue Weiterlesen: "Ein anderes Rezept" (Schwerpunkt Frauengesundheitsorganisationen)
http://www.bcaction.de/pdf/alternativen1.pdf

bullet_blue Vortrag (Präsentation und Skript) "Ein anderes Rezept": http://www.bcaction.de/07archiv/05_anderes_rezept.htm
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16
Mai
2008

Führt die "MRT" der Brust zu mehr Brustamputationen?

Unter der Überschrift "Mehr Mastektomien infolge Kernspin-Mammografie" berichtete auch das "Deutsche Ärzteblatt" heute von einem Anstieg der Brustamputationen, wenn vor der Operation eine MRT der Brust durchgeführt worden war. Quelle der Information ist eine Untersuchung, die im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht und jetzt auf dem jährlichen Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt wurde. An der Mayo Clinic in Rochester war der Anteil der Brustampuationen nach einer Brustkrebsdiagnose von 1997 bis zum Jahr 2003 von 44 auf 30% deutlich gefallen. Seitdem ist die Mastektomierate nun aber fast wieder auf dem alten Stand, nämlich bei 43% im Jahr 2006. Seit 2003 wird an der für ihre besonders sicheren Diagnosen seit Jahrzehnten sehr renommierten Klinik auch die Kernspintomografie zur Brustkrebsdiagnostik eingesetzt. Der Anteil der MRT-Untersuchungen verdoppelte sich im Untersuchungszeitraum von 11 auf mittlerweile 23% im Jahr 2006. Nach einer MRT-Diagnose entschieden sich 52% der Patientinnen für eine Mastektomie, nach einer Mammografie-Diagnose jedoch nur 41%. Hinsichtlich der Gründe sind sich die Autoren nicht wirklich sicher. Auch genetische Tests werden in Erwägung gezogen. Allerdings erscheint möglich, dass die andere bildgebende Darstellung tatsächlich Anlass zum dem radikaleren Vorgehen gibt.

Im Beobachtungszeitraum 1997 bis 2006 waren es 5.596 "Fälle" im Erkrankungsstadium 0 bis 2, die retrospektiv, also in der Rückschau, ausgewertet wurden. Stadium 0, also das Auffinden einer "Vorstufe von Brustkrebs", wurde bei 18%, Stadium I bei 48% und Stadium II bei 34% der Patientinnen diagnostiziert. Das Durchschnittsalter der Patientinnen lag bei 61 Jahren (zwischen 23 und 95). Die Autoren fassen zusammen, dass gerade aufgrund der Tatsache, dass die lokale Therapie [bzw. die Radikalität dieser Therapie gemäß der Kenntnislage umfassender Studien mit Langzeit-Follow-up] den Krankheitsverlauf höchstens unwesentlich beeinflusst. Sie stellen fest, dass weitere Untersuchungen notwendig sind, um die Rolle der MRT und anderer Faktoren, die die präoperative OP-Planung betreffen, erforderlich sind.

bullet_blue Zum Abstract mit Tabelle: Trends in mastectomy rates at the Mayo Clinic Rochester: Effect of surgical year and preoperative MRI (J Clin Oncol 26: 2008 (May 20 suppl; abstr 509)

bullet_blue Alle Beiträge zum MRT der Brust bei uns im Blog

bullet_blue Mehr Basis- Informationen zur MRT zur Brustkrebsfrüherkennung bei uns
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13
Mai
2008

PatientInnen nicht im Regen stehen lassen – für eine industrieunabhängige Patienteninformation

unabhaengige_Patienteninforamtion

Wir unterstützen die nachfolgende Stellungnahme der BUKO Pharma-Kampagne, der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW) Deutschland, der BundesArbeitsGemeinschaft der PatientInnenstellen und -Initiativen (BAGP) sowie der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) ausdrücklich. pdf_button Text als pdf

Gesundheitsinformationen sind ein wichtiger und notwendiger Bestandteil der Gesundheitsversorgung. Damit PatientInnen eine sachgerechte Entscheidung in Gesundheitsfragen treffen können, brauchen sie unabhängige und ausgewogene Informationen. Gesundheitsinformationen müssen:

bullet_blue Zuverlässig sein: Gesundheitsinformationen müssen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen (unter Angabe der Datenquellen).

bullet_blue Unabhängig sein: Es muss deutlich werden, wer die Information verfasst hat und wie sie finanziert wurde. Dies ermöglicht es PatientInnen, Informationen, die durch Interessenkonflikte beeinflusst sind, zu erkennen.

bullet_blue Vergleichend sein: Dazu gehören die Darstellung der Wirksamkeit und des möglichen Schadens aller vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten sowie der möglichen Folgen eines Verzichts auf Behandlung. Des Weiteren sollten Angaben zu Ursache und Verlauf der Erkrankung oder des Problems bereitgestellt werden.

bullet_blue AnwenderInnenfreundlich sein: Die Informationen sollten verständlich und leicht zugänglich sein sowie den kulturellen Hintergrund berücksichtigen.

Mit Sorge beobachten wir, dass die Grenzen zwischen Arzneimittelwerbung und Gesundheitsinformation zunehmend verwischen. Schon heute nutzen Firmen gesetzliche Regelungslücken und mangelnde Überwachung durch die Behörden, um tendenziöse Gesundheitsinformation und indirekte Produktwerbung auch für rezeptpflichtige Arzneimittel, z.B. über das Internet zu verbreiten. Für die VerbraucherInnen wird es so immer schwieriger, unabhängige Gesundheitsinformationen von Werbung zu unterscheiden. Diese Situation könnte sich in naher Zukunft weiter verschärfen.
Die Europäische Kommission plant noch in diesem Jahr einen neuen Gesetzesvorschlag im Bereich der Arzneimittelwerbung und Patienteninformation. Zwar soll nach Aussagen der Kommission das Verbot der Laienwerbung für rezeptpflichtige Arzneimittel erhalten bleiben, die vorgesehene Gesetzesänderung würde es der Pharmaindustrie jedoch erlauben, „Informationen“ über Gesundheit / Krankheit und Arzneimittel direkt an die VerbraucherInnen zu richten. (1.) Träger der Information sollte jedoch immer eine unabhängige Institution sein, die keine unmittelbaren ökonomischen Interessen an der Produktvermarktung hat. Deshalb führt das Argument der EU-Kommission, Information nur auf Basis der Qualität, nicht aber aufgrund der Quelle der Information zu beurteilen, bewusst in die Irre. (2.)
Die primäre Rolle der Pharmaindustrie im Bereich Information ist die Erstellung von qualitativ hochwertiger Fachinformation für ÄrztInnen einerseits und PatientInnen andererseits (Packungsbeilagen). Pharmazeutische Unternehmen haben darüber hinaus die Pflicht, alle Studien zu registrieren und für die lückenlose Veröffentlichung auch von Studien mit negativen Ergebnissen zu sorgen (3.) sowie Berichte über unerwünschte Arzneimittelereignisse zeitnah an die Bundesoberbehörden zu melden. Im Rahmen der Förderung unabhängiger Patienteninformation sind ein öffentliches Register, in das alle Studien eingetragen werden müssen und eine öffentliche Datenbank für unerwünschte Arzneimittelwirkungen erste Schritte. Diese Themen werden im Vorschlag der EU-Kommission aber überhaupt nicht angesprochen.
VerbraucherInnen benötigen gerade aufgrund der unübersichtlichen Zahl von Gesundheitsinformationen in den Medien (und besonders im Internet) eine klare Unterscheidung zwischen Werbung und Information. (4.) Um eine rationale Entscheidung für die eigene Gesundheit treffen zu können, brauchen sowohl PatientInnen als auch die Öffentlichkeit unabhängige, vergleichende Informationen zum Für und Wider aller Behandlungsmethoden. Dazu gehört neben medikamentösen und nichtmedikamentösen Methoden auch die Möglichkeit, auf Behandlung zu verzichten. Pharmafirmen und von ihnen finanzierte „Partner“ können dies nicht leisten, denn wer Produkte verkaufen will, kann nicht neutral informieren.
Die Erstellung qualitativ guter Informationen für PatientInnen und VerbraucherInnen erfordert daher eine klare Trennung der Rollen der unterschiedlichen handelnden Akteure: die klare Etikettierung und informative Packungsbeilage durch die Unternehmen; vergleichende Informationen zu Gesundheit, Krankheiten und Behandlungen durch industrieunabhängige Einrichtungen, Beschäftige im Gesundheitswesen, Verbraucherschutzorganisationen und unabhängige PatientInnenverbände.

1. Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat zum Bericht über die gegenwärtige Praxis der Bereitstellung von Arzneimittelinformationen für Patienten, Brüssel 20.12.2007 KOM (2007) 862 endgültig, http://ec.europa.eu/enterprise/pharmaceuticals/pharmacos/new.htm sowie Konsultation http://ec.europa.eu/enterprise/pharmaceuticals/pharmacos/docs/doc2008/2008_02/info_to_patients_consult_200802.pdf
2. Commission staff working document – Background information supportive to the Communication from the Commission to the European Parliament and the Council concerning the Report on Current Practice with Regard to Provision of Information to Patients on Medicinal Products, in the form of different annexes, Brüssel 18.12.2007 COM(2007) 862, SEC(2007) 1740
3. Dass eine Unterschlagung negativer Daten immer wieder geschieht, zeigt der jüngste Fall von Novo Nordisk. Hier wurden wichtige Studienergebnisse zu Insulinanaloga unter Verschluss gehalten (http://www.iqwig.de/kurzwirksame-insulinanaloga-bei-diabetes-mellitus.658.html ). Ein weiteres Beispiel ist die selektive Publikation zur Wirksamkeit von Antidepressiva (Turner et al. Selective Publication of Antidepressant Trials and Its Influence on Apparent Efficacy N Engl J Med 358;3, p 252)
4. Die Frage, ob Informationen aktiv („push“) und passiv („pull“) verbreitet bzw. rezipiert werden – wie die Kommission vorschlägt , ist als vorrangiges Unterscheidungskriterium zwischen Werbung und Information allerdings ungeeignet.


Unabhängige Gesundheitsinformation ist eine öffentliche Aufgabe.
Wir fordern:
  1. Die Aufrechterhaltung des Verbots der Verbraucherwerbung für rezeptpflichtige Arzneimittel einschließlich des Verbots sogenannter Informationsangebote durch die Industrie.
  2. Eine stärkere Kontrolle und Ahndung von Verstößen gegen geltendes EU- / nationales Recht.
  3. Die Bereitstellung von verständlicher vergleichender Informationen über Arzneimittel durch unabhängige Einrichtungen.
  4. Eine bessere Vernetzung und finanzielle Stärkung der bestehenden unabhängigen Informationsangebote.
  5. Eine Registrierung aller Studien in einem öffentlichen Register sowie die Veröffentlichungspflicht aller zu einem Medikament durchgeführten Studien.
  6. Die unverzügliche Meldung unerwünschter Arzneimittelereignisse an die zuständige Oberbehörde sowie die Aufnahme in eine öffentliche Datenbank.
Diese Stellungnahme ist initiiert von der BUKO Pharma-Kampagne, der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW) Deutschland, der BundesArbeitsGemeinschaft der PatientInnenstellen und -Initiativen (BAGP) sowie der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ).

Berlin, München und Bielefeld, 7. April 2008

Kontakt & Unterstützung der Stellungnahme:
Hedwig Diekwisch BUKO Pharma-Kampagne August-Bebel-Str. 62 D-33602 Bielefeld Deutschland Telefon +49-(0)521-96 87 94 81 oder 60550 Telefax +49-(0)521-63789 hdiekwisch@bukopharma.de www.bukopharma.de
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8
Mai
2008

Unterschwellige Werbestrategien funktionieren perfekt - Presseerklärung der Berliner Ärztekammer vom 8. Mai 2008

Logo der Ärztekammer Berlin
Podiumsveranstaltung in der Ärztekammer Berlin nahm „Einfluss der Pharmaindustrie auf Arzt und Patient“ ins Visier


Gegen Bestrebungen, auf Europaebene Direktwerbemöglichkeiten für rezeptpflichtige Arzneimittel in Publikumsmedien einzuführen, haben sich Mitglieder der Ärztekammer Berlin, der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft und Vertreter unabhängiger Arzneimittel-Fachinformationsdienste in Berlin ausgesprochen. Anlass war eine mit über 200 Teilnehmern ausgesprochen gut besuchte Podiumsdiskussion zum Einfluss der Pharmaindustrie auf Arzt und Patient. Veranstalter waren neben der Ärztekammer Berlin die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft sowie die unabhängige Patienten-Informationsschrift „Gute Pillen – Schlechte Pillen“.

Kritisch sahen die Teilnehmer Vorstöße der pharmazeutischen Industrie, über die Europäische Kommission mehr Werbemöglichkeiten für verschreibungspflichtige Medikamente in TV, Hörfunk und Print zu erwirken. Noch ist das fast weltweit verboten; nur die USA und Neuseeland machen hier eine Ausnahme. In Europa schiebt die Richtlinie 2001/83/EG (zuletzt geändert durch 2004/27/EG) und in Deutschland das Heilmittelwerbegesetz, § 10, dem einen Riegel vor. Und bei der auf Ärzte bezogenen Werbung in Form von Geschenken oder Zuwendungen setzt die ärztliche Berufsordnung klare Grenzen.

Trotzdem ist der Ideenreichtum der pharmazeutischen Industrie unerschöpflich, gerade mit unterschwelligen Werbestrategien nicht nur die erlaubte Zielgruppe der Ärzte, sondern auch Patienten für verschreibungspflichtige Arzneimittel zu interessieren. Als prominenter Gastredner erläuterte der australische Arzt und Mitbegründer der internationalen Organisation Healthy Skepticism, Peter Mansfield, die Marketingstrategien gegenüber Ärzten. Hierbei werden vor allem Mechanismen angewandt, die die ärztliche Selbsteinschätzung, rational und schnell, aber auch unbeeinflussbar zu entscheiden, aufgreifen und scheinbar bestätigen.
Besonders erfolgreich sind persönliche und für Ärzte angenehme Kontakte mit Pharmareferenten, aber auch Einladungen zu erlebnisorientierten Fortbildungswochenenden an Orten mit hohem Freizeitwert. Ein Übriges tun eng mit den Unternehmen zusammenarbeitende, in der medizinischen Fachwelt sehr anerkannte Experten, die mit einem speziellen Produkt verbundene Behandlungsstrategien in Fachvorträgen und Artikeln prominent hervorheben.

Doch auch Patienten sind schon heute Zielscheibe der Werbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Vor allem das Internet macht es Pharmaunternehmen leicht, das bestehende Werbeverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel zu umgehen. Gastrednerin Hedwig Diekwisch präsentierte Homepages, die scheinbar zu Gesundheitsfragen beraten, dabei letztlich aber verschreibungspflichtige Hormonpräparate empfehlen.
Diekwisch arbeitet für die BUKO-Pharma-Kampagne, die sich seit 25 Jahren kritisch mit der Pharmaindustrie beschäftigt und deren Strategien gezielt beobachtet. Die von Diekwisch gezeigten Homepages lassen zunächst nicht erkennen, dass sie von der pharmazeutischen Industrie eingerichtet wurden. Dem unkritischen und gutgläubigen Nutzer werden somit verschreibungspflichtige Hormonpräparate als Lifestyle-Produkte angedient, die Symptome wie Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen abwenden können. Auch das Sponsoring von Selbsthilfeorganisationen oder sogenannte „Advertorials“, Artikel in Zeitschriften, in denen industrienahe Experten oder Prominente scheinbar neutrale Gesundheitstipps geben, dabei aber Produktnamen fallen lassen, nannte Diekwisch als Möglichkeiten, das bestehende Direktwerbeverbot systematisch zu umgehen.

Die Veranstalter forderten:
• Eine Aufrechterhaltung des europaweiten Verbots der Verbraucherwerbung für rezeptpflichtige Arzneimittel.
• Die Bereitstellung von verständlichen und vergleichenden Informationen über Arzneimittel, Gesundheit, Krankheit und verschiedene Behandlungsstrategien bis hin zur „Nichtbehandlung“ durch unabhängige Einrichtungen. Die Ausstattung bestehender unabhängiger Informationsangebote mit mehr finanziellen Mitteln.
• Eine Registrierung aller Studien in einem öffentlichen Register sowie die Veröffentlichungspflicht aller zu einem Medikament durchgeführten Studien.
• Die unverzügliche Meldung unerwünschter Arzneimittelereignisse an die zuständige Oberbehörde sowie Aufnahme in eine öffentliche Datenbank.

Berlins Ärztekammerpräsident Dr. med. Günther Jonitz betonte: „Die Pharmaindustrie hat keine Gemeinwohlbindung und gerät bei der Forderung nach unabhängigen Arzneimittelinformationen in einen unlösbaren Interessenkonflikt. Hier müssen andere, neutrale Informationsquellen gefördert und systematisch aufgebaut werden.“

ÄRZTEKAMMER BERLIN
– Pressestelle –
Sascha Rudat, Tel. 030/ 40 80 6-4100
Sybille Golkowski, Tel. 030/ 40 80 6-4102

Weitere Informationen zum Thema:
www.healthyskepticism.org
www.bukopharma.de

Unabhängige Arzneimittelinformationen:
www.der-arzneimittelbrief.de
www.arznei-telegramm.de
www.gutepillen-schlechtepillen.de
www.isdbweb.org
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4
Mai
2008

Notbremse gezogen – Unser Rücktritt vom EUROPA DONNA Vorstand in Deutschland

Nachdem die Europäische Parlamentsgruppe zu Brustkrebs die Zusammenarbeit mit dem Dachverband EUROPA DONNA international aufkündigte, zogen auch Gudrun Kemper und Susanne Schroeder vom EUROPA DONNA Vorstand in Deutschland die Konsequenzen und legten ihre Ämter als Präsidentin und Schatzmeisterin zum 30.04.2008 nieder.

Eine kurze Episode ging damit schnell zu Ende, denn erst im September 2007 sind beide noch voller Hoffnung im Team mit engagierten Frauen angetreten, um die unabhängige Arbeit, die von EUROPA DONNA in den vergangenen Jahren in Deutschland geleistet worden war, fortzusetzen. "Wir sind sehr traurig", sagt die Fachärztin Susanne Schroeder, die sich auch in anderen Frauengesundheitsorganisationen für Frauen mit Brustkrebs engagiert.

Susanne Schroeder, vorne links, Gudrun Kemper, vierte von links, Karin Jöns, Präsidentin EUROPA DONNA Deutschland bis zum September 2007, dritte von rechts

Alter und neuer Vorstand
EUROPA DONNA in Deutschland im September 2007
Foto: S. Kallnbach

Doch mit der Offenlegung der Finanzierung der europäischen Dachorganisation kam nun ans Licht: 86% des Etats des europäischen Dachverbandes „EUROPA DONNA international“ sind allein im Jahr 2007 durch die Pharmaindustrie finanziert worden, siehe dazu auch die Presseerklärung der EPGBC, der europäischen Parlamentsgruppe zu Brustkrebs.

Für das nationale Forum des Vereins EUROPA DONNA in Deutschland, der von der umstrittenen Finanzierungsform nicht betroffen ist, sind diese Zahlen ein Schock. Der europäische Dachverband hatte in der Vergangenheit die finanzielle Abhängigkeit von der Pharmaindustrie immer abgestritten.

„Es war für uns Bedingung, dass der nationale Verein in Deutschland keine Gelder vor dem Hintergrund von Interessenkonflikten erhält, sonst hätten wir uns für ein Vorstandsamt gar nicht zur Wahl gestellt bzw. den Verein nicht einmal unterstützt“, erklärt Gudrun Kemper. „Doch die europäische Arbeit ist teuer. Wir sind natürlich nicht fundamentalistisch eingestellt. In einem europäischen Verbund muss man auch die Anliegen und Entscheidungen aus anderen Ländern berücksichtigen und kann nicht allein die Richtung bestimmen. Es ist und bleibt aber sehr wohl eine Frage der Verhältnismäßigkeit und vor allem auch der inhaltlichen Neutralität. Mit 86%Pharmaanteil“ bei der Finanzierung kann diese Verhältnismäßigkeit jedoch zumindest meiner Meinung nach nicht mehr gewahrt werden, und auch hinsichtlich der inhaltlichen Neutralität sind zumindest bei mir eine Reihe von drängenden Fragen aufgetaucht.“

Breast Cancer Action Germany wird die Arbeit am Thema Brustkrebs weiterhin kritisch beobachten und meint: Es ist jetzt an der Zeit, neue unabhängige Modelle der Interessenvertretung zu entwickeln, die Vernetzung im Bereich der neutralen Frauengesundheitsorganisationen zu verbessern und Fehlentwicklungen insbesondere im Brustkrebsbereich kritisch zu hinterfragen.

Breast Cancer Action Germany fordert vor dem Hintergrund der aktuellen europäischen Erfahrungen:

bullet_blue Transparenz und Offenlegung der Finanzierung für gemeinnützige Organisationen im Gesundheitsbereich, und zwar sowohl auf nationaler wie auch auf europäischer Ebene.

bullet_blue Gesundheitsbezogene Interessenvertretung
microhimbeer bei Behörden und
microhimbeer bei der Leitlinienentwicklung darf nur von Organisationen und ExpertInnen geleistet werden, die – auch in finanzieller Hinsicht – industrieunabhängig arbeiten.

bullet_blue Neutrale Begleitforschung zur Bewertung von Trends, Arbeitsergebnissen und Arbeitsweisen von Charity und Interessenvertretung im Gesundheitsbereich, einschl. eines „Lobbyregisters“.

bullet_blue Mehr zu diesem Thema:
http://bcag.twoday.net/stories/4997734/
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1
Mai
2008

"Kranke Geschäfte" - Einmal in den "Spiegel" schauen, bitte ...

Text: Gudrun Kemper

Skandal um Brustkrebsinitiative mamazone „Die Informationen, die Patienten über Selbsthilfegruppen bekommen, sind beeinflusst von Wirtschaftsinteressen", sagt wikipedia Gerd Glaeske, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. In Heft 17/2008 vom 21.04.2008 berichtet das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL ausführlich über Geschäftemachereien mit pharmagesponserten Patienteninitiativen. Diverse Gruppen werden unter die Lupe genommen, im Zentrum steht jedoch die gemeinnützige Brustkrebsinitiative "Mamazone" e.V. Ihr wird aufgrund von Empfehlungen für "Epo" - dem "Stoff aus dem Radsport-Doping" - vorgeworfen: „Was Mamazone hier bis vor kurzem gemacht hat, grenzt an Körperverletzung“, so Wolf-Dieter Ludwig, Hämatologe und Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, im SPIEGEL. Sind auch Patientinneninitiativen heute "gedopt"? Sollten sie überhaupt Medikamente empfehlen? Unabhängige Interessenvertretungsorganisationen aus dem Gesundheitsbereich weltweit betonen, dass sie grundsätzlich keine Empfehlungen zu einzelnen Produkten - logischerweise auch nicht zu einzelnen Wirkstoffe - aussprechen.

Lesen Sie den kompletten Bericht!
bullet_blue "Kranke Geschäfte" von Julia Bonstein (mit freundlicher Genehmigung des "SPIEGEL")

bullet_blue Ohne Pharmasponsoring in der Selbsthilfe arbeiten, geht das? Wir meinen ... Ja, es geht sogar besser! Zum Weiterlesen hier die wegweisende Link "Drittmittelrichtlinie" von Breast Cancer Action
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24
Apr
2008

Europaabgeordnete wehren sich gegen versteckte Einflussnahme der Pharmaindustrie

Karin Jöns, Vorsitzende der europäischen Parlamentsgruppe zu Brustkrebs"Wir wollen keinen Lobbyismus durch die Hintertür." Mit diesen Worten kommentiert die Vorsitzende der fraktionsübergreifenden Arbeitsgruppe zu Brustkrebs im Europäischen Parlament (European Parliamentary Group on Breast Cancer, EPGBC), die SPD-Europaabgeordnete KARIN JÖNS, die Aufkündigung der Zusammenarbeit der Parlamentarier/innen mit EUROPA DONNA, der Internationalen Koalition gegen Brustkrebs.

Die Krebsexpertin begründet die am 16. April 2008 auf ihre Initiative hin getroffene Entscheidung der EPGBC mit den erstmals öffentlich gemachten Finanzierungsquellen von EUROPA DONNA. Alleine 2007 seien 86% der Einnahmen dieser Patienteninitiative aus der Pharmaindustrie geflossen. Der Verein habe dagegen stets eine finanzielle Abhängigkeit von der Pharmaindustrie bestritten.

KARIN JÖNS: "Wir lehnen als EPGBC eine weitere Zusammenarbeit mit EUROPA DONNA ab, weil sich der Vorstand des europäischen Dachverbandes immer mehr als Lobbyverein für Marktinteressen großer Pharmakonzerne instrumentalisieren lässt. Dies ist leider kein Einzelfall. Wir wissen, dass die Pharmaindustrie mit immer subtileren Mitteln versucht, Patienteninitiativen für ihre eigenen Interessen zu missbrauchen. Die Kampagne Cancer United aus 2006 ist hierfür ein Paradebeispiel."

JÖNS bedauert, dass das Agieren des internationalen Vorstands damit auch die nationalen EUROPA DONNA Vereine gleichermaßen diskreditiert. Sie weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der nationale Verein von EUROPA DONNA in Deutschland, dem sie sieben Jahren lang vorgestanden hat, beispielsweise bis heute auf jegliche Förderung der Pharmaindustrie verzichtet.

Text: Pressemeldung EPGBC
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