6
Jun
2009

Breast Cancer Action Germany infoblog! ist umgezogen

Dieses Twoday-Blog ist umgezogen!

Aktualisierungen
und neue Beiträge:

www.bcaction.de/wordpress/

Mehr Informationen zum Thema Brustkrebs:
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27
Mrz
2009

Zur MRT-Petition, eingereicht von Roswitha Rocca

27 März, 2009 (11:03) | MRT der Brust, Petitionen |

Text der Petition:

Zitat: “Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass die MRT bei Verdacht auf Brustkrebs, eine anerkannte kassenärztliche Leistung ist.”
Unsere Anmerkungen zur Begründung der Petentin:

Brustkrebs ist nicht Todesursache Nummer 1 bei Frauen. Dies sind, statistisch betrachtet, Herz- und Kreislauferkrankungen, nachzulesen in der z.Z. aktuellsten Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes für 2007 , s. S. 8 sowie in der Pressemitteilung zur Todesursachenstatistik 2007 des Statistischen Bundesamtes vom 22.08.2008. Unbestritten jedoch ist Brustkrebs bei Frauen eine schwerwiegende Erkrankung, die häufig sehr ernste Folgen ...

Weiterlesen:
http://www.bcaction.de/wordpress/?p=1431

Roswitha Rocca reicht Petition für Mamma-MRT zur Brustkrebsfrüherkennung ein http://tinyurl.com/MRT-Petition
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12
Mrz
2009

PRESSEMELDUNG: Tödliche Nebenwirkungen

Beachten Sie unsere Pressemeldung:
Tödliche Nebenwirkungen: "Eine von 22 Brustkrebspatientinnen erlitt Rezidiv nach Tibolon Einnahme" vom 12. März 2009 unter


http://www.openpr.de/news/290519/Toedliche-Nebenwirkungen-Eine-von-22-Brustkrebspatientinnen-erlitt-Rezidiv-nach-Tibolon-Einnahme.html

Weitere Informationen aus dem arznei-telegramm, aktuell zusammengestellt von einer Patientin hier:
http://www.erieping.de/forum/showpost.php?p=23656&postcount=39
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27
Feb
2009

Neues aus dem arznei-telegramm


gelesen und zusammengestellt von Gudrun Kemper


Avastin / Bevacizumab

Die Zeitschrift Pfeil arznei-telegramm hat im Januar-Heft 2009 gesondert auf das Schlaganfallrisiko bei der Anwendung von Avastin hingewiesen. Diese Information wird auch für Frauen mit Brustkrebs, denen das Medikament gegeben werden soll, wichtiger werden, da Studien zur adjuvanten / neoadjuvanten Therapie wohl geplant sind bzw. bereits laufen. Ferner wird das Medikament bei Brustkrebs hauptsächlich im Stadium IV eingesetzt.

Das Risiko arterieller thromboembolischer Ereignisse einschließlich zerebraler Insulte [= " wikipedia Schlaganfall"], Herzinfarkte oder wikipedia transitorischer, ischämischer Attacken [= "Vorboten eines Schlaganfalls"] sei verdoppelt (Quelle: Roche Fachinformation Avastin, Stand v. August 2008). Zwar bezieht sich der Bericht auf die Anwendung von Avastin bei einer Augenerkrankung („Makuladegeneration“), doch das Paul-Ehrlich-Institut habe auch 19 Verdachtsberichte zu Avastin (Bevacizumab) intravitreal in der Krebstherapie dokumentiert (Quelle: Schreiben des Instituts vom 7. Januar 2009).

Bisphosphonate

Unter der Rubrik Nebenwirkungen weist arznei-telegramm darauf hin, dass Osteonekrosen des Kiefers unter Bisphosphonattherapie vor allem nach intravenöser Gabe aufträten. „Am häufigsten wird Zoledronat (Zometa) verdächtigt. Der Komplikation geht häufig ein zahnärztlicher Eingriff voraus. Nun kommen aber auch orale Bisphosphonate unter Verdacht. Nach den Untersuchungen einer Universität in Südkalifornien erlitten gehäuft Frauen nach einfacher Zahnextraktion (6,1%) oder bei durch Zahnersatz bedingten „Prothesendruckstellen“ (3,5%) eine Kiefernekrose, wenn sie Alendronat / Generikum Fosamax 12 Monate oder länger angewendet hatten.

Warnhinweis zu Fentanyl-Lutscher ACTIQ

Die Lutscher-förmige Verabreichungsform des Medikaments kann Kinder lebensbedrohlich gefährden, wenn sie die Sticks versehentlich lutschen. So sind, dokumentiert von der französischen Arzneimittelbehörde, drei Kinder im Alter zwischen 18 Monaten und 10 Jahren verstorben, nachdem sie die ihren Großmüttern verordneten Lutscher gelutscht hatten. Im Beipackzettel wird auf die Gefahren zwar hingewiesen, aber offensichtlich nicht deutlich genug. Auch fehle in Deutschland das in den USA verfügbare Aufbewahrungssystem mit verschiedenen Behältern, die kindersicher sind und in denen die Sticks (auch nicht vollständig aufgebrauchte) auch unterwegs sicher verwahrt werden können.

Quelle: a-t 2009, http://www.arznei-telegramm.de, alle Artikel sind noch nicht online zugänglich.

Foto: "medicine" von Lutz Schimpf auf flickr.com, Creative Commons 2.0
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12
Feb
2009

Sonnenbräune um jeden Preis oder


Vom Brustkrebsrisiko zum Hautkrebsrisiko?

Bericht und Kommentar von Beate Schmidt
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Den Teufel mit dem Belzebub austreiben, Brustkrebs(risiko) gegen Hautkrebs(risiko) eintauschen? Es gibt mehr Optionen als die "Wahl zwischen Pest und Cholera". Nachlesen und nachdenken helfen bei der persönlichen Entscheidungsfindung.

In der jüngeren Vergangenheit war es immer mal wieder in verschiedenen Medien zu lesen: Sonne schützt vor Brustkrebs. Vor einigen Tagen stolperte ich über den Bericht in einem Pfeil Blog mit dem vielversprechenden Namen "Sonne-ist-Leben". Hier wird am 3. Februar 2009 eine auf der Website "Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention" veröffentlichte Studie vorgestellt und kurzerhand so zusammengefasst: "Die Frage nach dem Aufenthalt an der Sonne dagegen zeigte sich als ein wichtiger Hinweis auf die unterschiedlichen Risiken einer Brustkrebserkrankung. Je länger der tägliche Aufenthalt im Freien, desto geringer das Risiko an diesem Krebs zu erkranken."

In der Studie Pfeil Women's Health Initiative Observational Study (WHIOS), auf die sich der Blogeintrag bezieht, wurden lt. Abstract in "Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention" 71.662 Frauen beobachtet, die in den Jahren 1993 - 1998 keine Krebserkrankung hatten. In der Nachbeobachtungszeit von rund 8,6 Jahren wurde versucht, Zusammenhänge zwischen den in dieser Zeit aufgetretenen 2.535 Fällen von invasivem Brustkrebs bei postmenopausalen Frauen und folgenden Faktoren festzustellen:
Pfeil-rechts1 Wohnortregion bei Geburt sowie im Alter von 15 und 35 Jahren,
Pfeil-rechts1 Wohnortregion bei Beginn der WHIOS-Studie und
Pfeil-rechts1 klinische mittlere Sonnenstrahlungsintensität.

Die Ergebnisse dieser beobachtenden Studie sind:
Pfeil-rechts1 Gemessen in der Einheit Pfeil Langelys (g-cal) pro cm² gab es bei Betrachtung dieser drei Faktoren keine Unterschiede hinsichtlich des Brustkrebsrisikos.
Pfeil-rechts1 Gemessen in Watt pro m² gab es ein um 15% geringeres Brustkrebsrisiko bei Frauen, die in Regionen mit niedriger Sonneneinstrahlung leben, verglichen mit denen, die in Regionen mit hoher Sonneneinstrahlung leben.
Pfeil-rechts1 Umgekehrt hatten Frauen, die im Jahresdurchschnitt täglich weniger als 30 Minuten bei Tageslicht im Freien verbrachten, verglichen mit denen, die mehr als 2 Stunden lang draußen Tageslicht ausgesetzt waren, im WHIOS 4-Jahres-Follow-up ein 20% höheres Brustkrebsrisiko.

Fazit des Abstracts der Studie: Die Wohnortregion und die geographische Sonnenstrahlungsintensität stehen nicht durchweg mit dem Brustkrebsrisiko in Zusammenhang und sind vielleicht keine ausreichenden vertretungsweise angewandten Maßeinheiten für die Sonnenlicht- / Vitamin D-Exposition. Die beobachtete Verbindung zwischen Brustkrebsrisiko und der Zeit, die im Freien verbracht wurde, unterstützt die Hypothese, dass Vitamin D gegen Brustkrebs schützen könnte. (Zitat aus dem Original: "In conclusion, region of residence and geographic solar irradiance are not consistently related to risk of breast cancer and may not be sufficient proxy measures for sunlight/vitamin D exposure. The observed association between time spent outside and breast cancer risk support the hypothesis that vitamin D may protect against breast cancer.")

Hieraus bleibt zunächst festzuhalten: Es geht nach wie vor um eine Hypothese, untersucht in einer beobachtenden Studie. Es gibt bisher keinen Beweis.

Während der eingangs genannte Blogeintrag die Studie mehrfach falsch zitiert, indem er den "Aufenthalt an der Sonne" mit dem "Aufenthalt im Freien" gleichsetzt, ist im Abstract der Studie lediglich von "outside in daylight" (also "draußen bei Tageslicht") die Rede, was nicht zwangsläufig "an der Sonne" bedeutet. Aber selbst unter einer Wolkendecke ist UV-Strahlung vorhanden, mit all ihren positiven und negativen Wirkungen auf den Menschen.

Wenige Klicks weiter, und ich finde in der Reihe "Regionale Veröffentlichungen der WHO. Europäische Schriftenreihe Band 53" aus dem Jahr 1994: Pfeil Sorge um Europas Zukunft - Gesundheit und Umwelt in der Europäischen Region der WHO. Dort steht auf S. 25 im Kapitel "Nichtionisierende Strahlung": "Das Hauptrisiko ist jedoch derzeit die gewollte übermäßige UV-Bestrahlung, und viele potentielle Gefährdungen könnten durch Verhaltensänderung abgewendet werden. Ein jährlicher zweiwöchiger Urlaub in der Sonne kann bei Nordeuropäern, die nicht im Freien arbeiten, das auf die Lebenszeit bezogene Risiko von Hautkrebs außer Melanom auf das Fünffache steigern, weil er sie der doppelten Jahresdosis biologisch wirksamer UV-Strahlung aussetzt."

Die Strahlenschutzkommission (SSK) schreibt im Pfeil Vorwort ihres Jahresberichtes 2006 (Heft 53, 2007, S. VIII): "Ein weiteres Thema, bei dem es um den Schutz von Kindern und Jugendlichen ging, war die gesundheitliche Gefährdung durch UV-Exposition. Neben einer möglichen genetischen Prädisposition steigert vor allem eine erhöhte UV-Exposition in Kindheit und Jugend das Risiko, an einem Hautkrebs im späteren Leben zu erkranken. Die SSK empfiehlt, besondere Schutzmaßnahmen zu ergreifen, und fordert vom Gesetzgeber ein Verbot der Nutzung von Solarien durch Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre." Der volle Text einschließlich der Verbotsforderung an den Gesetzgeber ist auf S. 25 unter Punkt 2.2.16 nachzulesen.

In der 6. überarbeiteten Auflage von Pfeil Krebs in Deutschland 2003 – 2004. Häufigkeiten und Trends, herausgegeben vom Robert-Koch-Institut und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e. V., Berlin 2008, finden sich die derzeit bekannten Zahlen zum Hautkrebs. Danach erkranken jährlich ca. 8.400 Frauen und 6.500 Männer an Malignem Melanom, also bösartigem Hautkrebs (S. 50). Frauen in Deutschland liegen bei der Neuerkrankungsrate im internationalen Vergleich sehr weit oben, nämlich direkt hinter Australien und der Schweiz auf Platz 3 (Abb. 3.9.2). Mit Interesse stelle ich fest, dass in den Jahren 2003 und 2004 in den norddeutschen Bundesländern Schleswig-Holstein und Niedersachen, denen im allgemeinen vergleichsweise kühleres Klima nachgesagt wird, die meisten Frauen und auch Männer hieran erkrankten (Abb. 3.9.4).

Ich meine jede Frau sollte sorgfältig abwägen, welchen Risiken sie sich aussetzt. Risiken in Bezug auf UV-Strahlung sind vermeidbar, Prävention ist möglich.
Ich frage mich, ob die oftmals als Zeichen von Gesundheit betrachtete knackig-braune Haut wirklich wichtig ist, und ich finde: nein! Im Gegenteil: Frauen wie Nicole Kidman, Renée Zellweger, Claudia Schiffer und Sunnyi Melles, ganz zu schweigen von Dita von Teese, werden von vielen als Stilikonen betrachtet und haben es mit blasser Haut zu Ruhm und Scharen von Verehrerinnen und Verehrern gebracht. Diese Frauen haben offenbar begriffen: Sonne lässt die Haut u.a. schneller altern.
Ich schaue nach Australien, berühmt-berüchtigt für seine hohe Rate maligner Melanome, und sehe, dass man dort dazugelernt hat. Inzwischen wird auch in Deutschland für verschiedene Sonnenschutzmittel mit dem Slogan "nach australischem Standard" geworben. Ärzte empfehlen auch in unserem Land, dass nicht nur Kinder bei hoher Strahlungsintensität zusätzlich schützende Kleidung tragen sollten. Ich denke: gut so!
Ich frage mich, ob "Sonnenbräune" es wirklich wert ist, sich ggf. Hautkrebs einzuhandeln. Geht der Schutz vor UV-Strahlung, die Krebs begünstigt, als einfache Möglichkeit der Hautkrebs-Prävention nicht vor? Sollen und wollen wir wirklich den Teufel mit dem Belzebub austreiben, Brustkrebsrisiko gegen Hautkrebsrisiko eintauschen, und wenn dieses ernsthaft billigend in Kauf genommen wird, wer hat ein Interesse daran? Müssen wir uns wirklich freiwillig und sehenden Auges dem Hautkrebsrisiko aussetzen? Womöglich zusätzlich zu dem, das wir uns als Reiseweltmeister an den Stränden dieser Welt am liebsten mehrfach pro Jahr bereits einhandeln? Und für dieses zusätzliche Hautkrebsrisiko auch noch weiteres Geld ausgeben? Ich bin überzeugt: nein!

Ein vernünftiger, vor UV-Strahlung geschützter Aufenthalt im Freien ist in vielerlei Hinsicht gesund. Wenn unzweifelhaft bewiesen werden sollte, dass Sonne einen gewissen Schutzfaktor gegen Brustkrebs darstellt, würde ich mich freuen. Aber ich plädiere eindringlich dafür, die mit der UV-Strahlung zweifelsfrei verbundenen Risiken nicht zu ignorieren oder zu verharmlosen, denn:
Unsere Haut, unser Körper ist ein Speicher, er vergisst nichts.
Braune Haut ist ein flüchtiger Effekt. Hautkrebs ist lebensbedrohlich.


Ach ja, beinah hätte ich es vergessen: Der eingangs genannte und zitierte Blog gehört zum Internetauftritt von Pfeil Photomed, Bundesfachverband Solarien und Besonnung e.V.


Weiterlesen:

Abstract der Studie Pfeil Incident Invasive Breast Cancer, Geographic Location of Residence, and Reported Average Time Spent Outside, Erstveröffentlichung am 03.02.2009 auf der Website Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention, 10.1158/1055-9965.EPI-08-0652 der American Association for Cancer Research AACR

Evidenzbasierte Informationen zu den Themen Pfeil Ultraviolette Strahlung: Sonne und Solarien sowie Pfeil Hautkrebs, jeweils mit weiterführenden Links, sind nachzulesen auf der Website des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg DKFZ.

Radiosendung mit Prof. Dr. med. Eggert Stockfleth, Hauttumorzentrum der Charité in Berlin, im Deutschlandfunk - Sprechstunde vom 19.08.2008: Pfeil Radiolexikon Sonnenbrand. Zitat Stockfleth: "Wir haben eine Steigerung von Hautkrebs jedes Jahr von 7 - 10 Prozent, und die Patienten werden immer jünger." und "Also das Vorbräunen von Solarien ist völliger Quatsch. Weil, in den Solarien kommt viel UV-A-Strahlung raus, das heißt sie geht tief in die Unterhaut rein, also gar nicht in die Oberhaut, und das Problem ist dass 98 Prozent unserer Sonnenstudios in Deutschland nicht zertifiziert sind, das heißt, da ist kein ausgebildetes Personal, die gucken nicht, welcher Hauttyp Sie sind. Wir haben das hier mal in Berlin gemessen, dass in einem durchschnittlichen Sonnenstudio Sie etwa die Sonnenstrahlen abbekommen, die Sie am Äquator mittags um 12 abbekommen - mal zwei!"


Foto 1: "Rays" (Strahlen) von Michael Kesler - Creative Commons 2.0
Foto 2: "Sonnenschirm" von Ruth "rubu74" - Creative Commons 2.0
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7
Feb
2009

Brustkrebs vermeiden: Ohne künstliche Hormone in die Wechseljahre

Info zsgest. von Gudrun Kemper

Es ist ein böses Erwachen. Die Zusammenhänge zwischen der Einnahme von Hormonen bei einer sogenannten "Hormonersatztherapie" sind viel größer, als bisher angenommen. Das berichtet Lisa M. Krieger in den Mercury News, San Jose, Kalifornien vom 4. Februar 2009, wie auch viele andere Medien weltweit. Zwei neue Analysen der Stanford Universität wurden aktuell im Pfeil NEJM vorgestellt.

Lisa M. Krieger schreibt, die Untersuchungen zeigten, dass Frauen, die eine Hormonersatztherapie über den Zeitraum von wenigstens fünf Jahren beibehielten, ihr Brustkrebsrisiko jedes Jahr verdoppelten. Das Risiko ist damit wesentlich höher als jene erschreckenden 27 Prozent, die im Jahr 2002 im Report der Pfeil Women’s Health Initiative erstmals vorgestellt wurden. Allerdings wurde jetzt ergänzt, dass eine Medikation für einen Zeitraum von unter 5 Jahren das Risiko nicht erhöhe, und auch Frauen, die die Medikation abgesetzt hätten, hätten kein erhöhtes Risiko mehr.

Trotz dieser bereits im Jahr 2002 vorgelegten Ergebnisse haben Millionen von Frauen die Einnahme der „Hormonersatztherapie“ fortgesetzt, um Symptome wie starke Hitzewallungen zu beherrschen, zum Teil auch, weil Alternativen fehlten. Andere Frauen wiederum sind nicht wirklich informiert gewesen hinsichtlich des schlechten Abschneidens der Medikamente, sie waren sich des Krebsrisikos nicht bewusst.

Pfeil Marcia Stefanick, Professorin an der medizinischen Fakultät der Stanford Universität, war Co-Autorin sowohl der Studie aus dem Jahr 2002 wie auch der Ergebnisse, die jetzt vorgestellt wurden. Sie möchte Frauen ermutigen, zu versuchen, ohne Hormoneinnahme durch die Wechseljahre zu kommen. Insbesondere die kombinierte Einnahme von Östrogenen und Progesteron war so dramatisch, dass die Studie sofort gestoppt wurde. Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse in den USA sanken daraufhin sofort auch die Verschreibungen von rund 60 Millionen auf 20 Millionen im Jahr 2005. Dies sind zur Zeit die aktuellsten verfügbaren Zahlen. Wie wir bereits wissen, sind die Brustkrebsdiagnosen damit in den USA erstmals schlagartig spürbar zurückgegangen. Der „Kassenschlager“ Hormonersatztherapie stürzte ab, das große Umdenken setzte ein, wie Pfeil Cindy Pearson vom Pfeil Nationalen Frauengesundheitsnetzwerk NWHN in den USA berichtete. Es sei die bisher größte Veränderung in der Verschreibungspaxis für ein Medikament, das gewöhnlicherweise von Millionen gesunder Frauen eingenommen worden sei. Cindy Pearson befürchtet, dass jüngere Frauen, die jetzt neu in die Menopause kommen, die Lektionen aus den Forschungsergebnissen von 2002 noch nicht gelernt haben. Eine Umfrage der Stanford Universität aus dem Jahr 2004 habe ergeben, dass nur 3 von 10 Frauen sich an die Forschungsergebnisse erinnerten und weniger als die Hälfte sich mit den Vor- und Nachteilen der Hormonersatztherapie auskannten.

Bei Frauen, die die Medikation im Rahmen der Studie abgesetzt hatten, ließ sich ein sinkendes Brustkrebsrisiko nachweisen. Häufiger in der letzten Zeit war der Ruf nach weiteren Studien im Zusammenhang mit der Verursachung von Brustkrebs durch Hormontherapien zu hören. Dies aber bringt die Interessenvertreterinnen von Pfeil Breast Cancer Action auf. Sie wollen, dass endlich an weiteren Ursachen für Brustkrebs geforscht wird, denn allein in den USA sterben weiterhin rund 40.000 Frauen jährlich an den Folgen von Brustkrebs. „Es ist bewiesen. Wir brauchen keine weitere Forschung in dieser Frage“, sagt Barbara Brenner, die Breast Cancer Action in San Francisco leitet.

Weiterlesen:

Pfeil Breast Cancer after Use of Estrogen plus Progestin in Postmenopausal Women, von Rowan T. Chlebowski, M.D. [u.a.], die Originalveröffentlichung zur Hormonersatztherapie im "NEJM"

Pfeil Study: Link between hormone replacement therapy and breast cancer higher than thought Lisa M. Krieger, Cindy Pearson und Barbara Brenner in den "Mercury News"
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26
Jan
2009

Dr. Monica Morrow auf dem SABCS 2008: Kein Vorteil für MRT

Bericht von Breast Cancer Action San Francisco übersetzt und zusammengefasst von Beate Schmidt

Dr. Monica Morrow, Leiterin der Chirurgie im Brustzentrum des Memorial Sloan-Kettering Cancer Centers, hielt auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium zum Thema MRT (Magnetresonanztomographie) der Brust einen „smarten“ Vortrag, wie die Medizinsoziologin und Spezialistin für Frauengesundheitsfragen Jane Zones von Breast Cancer Action berichtet. Dr. Morrow beschäftigte sich u.a. mit der Anwendung klinischer Studienergebnisse in der Praxis und legte besonderes Augenmerk auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Der potentielle Vorteil der MRT liegt lt. Morrow in der Verfeinerung der Entscheidungen in der Brustkrebstherapie mit Blick auf Brusterhaltung, um das Ausmaß des Tumors zu bestimmen, contralaterale Tumoren zu erkennen und das Rezidivrisiko zu minimieren. Eine Meta-Analyse ergab, dass die MRT 16% zusätzliche Krankheits-Diagnosen erbrachte (von denen ein Drittel falsch-positiv war), was gleichzeitig zu einem Anstieg des Anteils von Mastektomien oder großflächiger Exzisionen statt Brust erhaltender Therapie führte.

Studien ergaben, dass der Anteil von Mastektomien bei Frauen, die eine MRT erhielten, doppelt so hoch war wie bei denen, die andere bildgebende Verfahren genutzt hatten. Darüber hinaus werden Frauen, die eine MRT erhalten, im Schnitt drei Wochen später operiert. Diagnosebezogene MRT-Studien wurden erst im Nachhinein durchgeführt und sind nicht randomisiert. Frauen, die sich einer MRT unterzogen, waren durchschnittlich sechs Jahre jünger und für diese Diagnose ausgewählt, weil sie wahrscheinlicher profitierten, was wiederum zu günstigeren Ergebnissen der MRT-Studien führte. Dennoch wurde kein Vorteil für dieses Bildgebungsverfahren festgestellt, so berichtet Jane Zones über die von Dr. Morrow in ihrem Vortrag vorgestellten Ergebnisse.

Dr. Morrow fasste zusammen, dass die MRT mehr Krebs findet, diese Diagnosen jedoch keine klinische Relevanz haben. MRT führt zu einer höheren Anzahl unnötiger Mastektomien. Weder kurzfristige OP-Ergebnisse noch langfristige lokale Kontrollen oder contralaterale Krebsfälle wurden durch die MRT verbessert. Daher empfiehlt sie, die MRT nur für Frauen mit

Pfeil-rechts1 nachgewiesener BRCA1- oder BRCA2-Mutation,

Pfeil-rechts1 befallenen Achsellymphknoten,

Pfeil-rechts1 bzw. bei Frauen mit einer Empfehlung für eine neoadjuvante Therapie

Pfeil-rechts1 und für den Fall, dass durch Mammographie, Ultraschall und physische Untersuchung keine eindeutige Diagnose gestellt werden kann.

Dr. Monica Morrow beendete ihren Vortrag mit dem Satz, dass für den routinemäßigen Einsatz der MRT bei Krebspatientinnen klinische Vorteile gebraucht würden. Derzeit existierten diese jedoch nicht. Auf ihrer letzten Vortragsfolie zeigte sie Konzepte im Zusammenhang mit Brustkrebs, die intuitiv einleuchtend erschienen, sich jedoch als falsch herausstellten:

Pfeil-rechts1 Hochdosis-Chemo und Knochenmarkstransplantation sind der konventionellen Chemo überlegen,

Pfeil-rechts1 endokrine Therapie ist der Chemotherapie unterlegen und bringt keinen Überlebensvorteil,

Pfeil-rechts1 die Behandlung von Brustkrebs mit weniger als Mastektomie ist gefährlich,

Pfeil-rechts1 die lokale Therapie beeinflusst das Überleben nicht.

Sie fügte dieser Liste einleuchtender, aber falscher Konzepte hinzu:

Pfeil-rechts1 MRT findet Brustkrebs, der auf eine andere Art und Weise nicht gefunden werden kann. Dieses muss aber nützlich sein.

Dem Vortrag von Dr. Morrow folgte die Vorstellung der prospektiven MRT-Studie namens COMICE, die vom British National Health Service randomisiert mit 1.623 Frauen in zwei Gruppen durchgeführt wird: eine Gruppe erhielt MRT vor einer brusterhaltenden Therapie, die andere Gruppe erhielt keine MRT. Primärer Endpunkt war die Anzahl der Nachoperationen (nachfolgende weitere Exzisionen oder Mastektomien). Es gab hinsichtlich der Nachoperationsraten keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Studiengruppen, was Dr. Morrows Sichtweise bekräftigt.

Hier den Pfeil Bericht von Jane Zones im Original nachlesen.

Pfeil Dr. Monica Morrow - Leiterin des Brustzentrums im Memorial Sloan-Kettering Cancer Center

Pfeil Monica Morrow über Monica Morrow (Kurzbiografie)

Weiterlesen:

Pfeil Informationen zur MRT auf unserer Webseite
& in unserem Pfeil Blog
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4
Jan
2009

Das San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) 2008: Ein anderer Kongressbericht

Entwurfstatus / pdf folgt

Alle Jahre wieder … Die Kongress-Lektüre zum Jahreswechsel: Barbara Brenner, Allison Young und Jane Zones (Breast Cancer Action, San Francisco) waren da. Natürlich hat Dr. Susan Love auch das 31. Breast Cancer Symposium (SABCS) vom 10. bis 14. Dezember 2008 in San Antonio besucht.

Die Berichte von Breast Cancer Action haben Beate Schmidt & Gudrun Kemper gesichtet und eine "Kurzversion" zusammengestellt, um einen Ausblick auf Gedanken und Aktivitäten, die auch Wissenschaft und Forschung beschäftigen, zu ermöglichen.

Prävention I: Hormone vermeiden
Zum Abstract 64/SABCS 2008 (Breast cancer after stopping estrogen plus progestin in postmenopausal women in the women’s health initiative (WHI), Chlebowski RT) berichtet Barbara Brenner, dass Dr. Chlebowski Daten aus der WHI-Studie zu Frauen vorgestellt hat, die eine Kombination aus Östrogen und Progestin (künstliches Progesteron) erhalten hatten. Diese Hormontherapie führte zum Anstieg von Brustkrebserkrankungen, unabhängig von der Screening-Teilnahme. Auf Rückfragen betonte Chlebowski, dass es nicht möglich sei, eine „sichere“ Zeitspanne für diese Medikamentensubstitution zu definieren. Im Beitrag zum Abstract 65/SABCS 2008 (Hormone therapy use before diagnosis and breast cancer survival in the California Teachers Study, Marshall SF) wurde ferner nachgewiesen, dass es bei Frauen, die vor ihrer Brustkrebsdiagnose eine Hormontherapie erhalten hatten, zu einem statistisch signifikanten Anstieg der Brustkrebssterblichkeit um 5% kam.

Prävention II: Kosmetika

Die Pharmakologin Dr. Adrienne Olson legte eine Präsentation zum unwissentlichen Verbrauch von östrogenhaltigen Kosmetika vor. Östrogene werden durch die Haut noch schneller vom Körper absorbiert als bei oraler Einnahme. Insbesondere Frauen mit Östrogenrezeptor positivem Brustkrebs müssen Östrogene vermeiden, wenn sie nicht eine Erhöhung des Rezidivrisikos riskieren wollen. Die Untersuchung von 16 gebräuchlichen Feuchtigkeitscremes, die sämtlich Östrogene als Inhaltsstoffe nicht angegeben hatten, ergab, dass sechs der Cremes Östrogene in zum Teil beträchtlichem Maße enthielten. Da Frauen gar nicht die Chance haben, diese Inhaltsstoffe - bzw. diese mögliche systemische Zufuhr - festzustellen, wurden die Interessenvertreterinnen aufgefordert, hier mit der FDA zusammenzuarbeiten, um die Produkte, die Östrogene oder Designer-Östrogene enthalten, zu identifizieren.

Prävention III: Hormonbelastung in der Milch und DDT

Außer der Brustkrebspatientin, Biologin und Ärztin Elisabeth Rieping interessiert sich in Deutschland bisher niemand für die Zusammenhänge zwischen Progesterongehalt in der Milch trächtiger Kühe und Brustkrebs-Inzidenz, aber auch diese Frage wird in den Berichten von Breast Cancer Action wieder kurz gestreift. Im vergangenen Jahr hatte Dr. Bill Goodson auf dem Kongress Daten zum Milchkonsum vorgelegt. Sorge verursachten dem Breast Cancer Action Team aber auch die Planungen der Gates-Stiftung, zum Stopp der Malaria in Afrika wieder DDT einzusetzen, was in den USA – Dank der Arbeit von Rachel Carson – wegen der toxischen Wirkungen bereits seit den 1960er Jahren verboten ist. Rachel Carson, aber auch die Mutter von Bill Gates, starben an Brustkrebs.

Prävention IV: Medikamentöse Prävention
Lasofoxifene ist ein Mittel gegen Osteoporose, das das Brustkrebsrisiko um 85% senken kann. Dieses ist jedoch lediglich eine statistische Größe, über die man genau so streiten kann wie über den Ansatz einer medikamentösen Verhinderung von Brustkrebs (Weiterlesen: bei uns im Pfeil Blog unter zur Einstellung der STELLAR-Studie bzw. auf der Website im Abschnitt Pfeil Prävention). In der auf dem SABCS vorgestellten Studie erkrankten 15 Frauen aus der Lasofoxifene- und 21 Frauen aus der Placebogruppe - ein denkbar geringer Unterschied bei 8.500 Teilnehmerinnen, insbesondere wenn man z.B. das erhöhte Thromboserisiko für all diejenigen mit in Betracht zieht, die das Medikament einnehmen. - Das Medikament Lasofoxifen ist von der FDA in den USA bisher nicht zugelassen worden. Barbara Brenner verweist außerdem darauf, dass die meisten Forscher, die an dieser Studie beteiligt sind, auf irgendeine Weise auf der Gehaltsliste des Herstellers stehen.

Prävention V: AVON & Love
Auf einer Veranstaltung der Alamo-Foundation traf Barbara Brenner die bei uns durch ihr „Brustbuch“ und ihr „Hormonbuch“ bekannte Brustkrebs-Expertin Dr. Susan Love. Love sucht momentan weltweit eine „Frauenarmee“ (Army of Women, Pfeil http://www.armyofwomen.org/), um sie als Teilnehmerinnen für eine Studie zu den Ursachen von Brustkrebs zu motivieren, was von der AVON-Foundation unterstützt wird. Über 260.000 Frauen weltweit haben sich bisher gemeldet (aktuelle Zahlen zeigt die Webseite), geplant sind eine Million Teilnehmerinnen. Durch diese große Anzahl soll es gelingen, in Untergruppen (z.B. Schwestern, Isländerinnen, junge Frauen mit Brustkrebs, ältere Frauen mit Brustkrebs, Frauen mit genetischen Veränderungen usw.) eine genügend große Teilnehmerinnenzahl zu erreichen, um Antworten auf spezifische Fragestellungen (etwa sortiert nach Stillzeiten, Ausbildungsstand etc. etc.) zu finden. Auch hier will Susan Love wieder ihrer Schlüsselfrage nachgehen, nämlich zu lernen, wo die Krankheit beginnt, um sie später einmal bereits „vor dem Ausbruch“ zu stoppen. Breast Cancer Action diskutierte die im Zusammenhang mit Krebs übliche „militärische“ Sprache, die uns mit Begriffen wie rekrutieren, eskalieren etc. bestens bekannt ist. Doch die Entscheidung ist sowieso längst gefallen und Susan Love genießt mit ihrem seit Jahrzehnten neutral ausgerichteten unglaublichen Engagement und ihrer phänomenalen Fachkompetenz das uneingeschränkte Vertrauen von Frauen wie wohl niemand sonst weltweit. Sie wird es also sicherlich schaffen, eine Million Frauen zu finden, nicht zuletzt mit Unterstützung des Internets.

Bildgebende Verfahren zur Früherkennung und Diagnostik

Dr. Wendie Berg hielt am 13. Dezember 2008 einen Vortrag zum Ultraschall der Brust (engl.: Breast Ultra Sound), bei dem sie u.a. Ultraschall als „Screening-Intervention“ diskutierte. Diese Untersuchung erscheint Vielen besonders wertvoll, da sie nicht mit so negativen Eigenschaften wie etwa dem Einsatz ionisierender Strahlung bei der Mammographie belastet ist. Berg ist Radiologin, wie Barbara Brenner festhält, und auch sie betont, dass die Mammographie der „Gold-Standard“ ist. Sie wendet ihre Aufmerksamkeit Frauen zu, die möglicherweise nicht im gleichen Maße wie andere von der Mammographie profitieren können (z.B. Frauen mit strahlendichtem (festem) Brustdrüsengewebe und Frauen, die in eine Hochrisikogruppe fallen). Zum Einsatz der MRT (Magnetresonanztomographie / Kernspin) verweist Berg auf die ACS-Leitlinie (s. dazu auch Pfeil http://www.bcaction.de/03info/mrt.htm#ACSLeitlinie). Für Frauen, die sowohl Mammographie wie auch MRT erhalten, ist ein zusätzlicher Brustultraschall nicht erforderlich, so Berg. Für Frauen mit mittlerem Risiko sah die Wissenschaftlerin „ungenügende Evidenz“ für und auch gegen die MRT. Die Untersuchung sei teuer und fände in dieser Situation auch wenig Akzeptanz („not well tolerated“) bei Frauen. Für diese Gruppe findet die Referentin dagegen positive Aspekte beim Brustultraschall (preiswerte Untersuchung, keine Strahlenbelastung, gute Akzeptanz bei Frauen). Brenner verweist auf die Ergebnisse einer weiterhin laufenden Studie zum Brustultraschall (ACCEIN 666), die im Mai 2008 erstmals im Journal of the American Medical Association (JAMA) publiziert wurde: Kleine Tumore könnten ohne Lymphknotenbefall gefunden werden, jedoch für den Preis von hohen Raten falsch-positiver Befunde und damit vielen unnötigen Biopsien. Nach wie vor kann Ultraschall bei kleinen Auffälligkeiten im Befund nicht gut nachweisen, ob es sich um solide Strukturen oder Flüssigkeiten handelt, jedoch wird an Lösungsansätzen gearbeitet. Für Hochrisikofrauen, die MRT nicht akzeptieren können, sei der Brustultraschall ein Weg, wenn man mit hohen Raten falsch-positiver Befunde leben könne. Fragen der Erfahrungen mit dieser Untersuchung („technologist training“) sowie hinsichtlich der Kostenübernahme wurden diskutiert. Ultraschall sei eine Ergänzung zur Abklärung von mammographischen Befunden, jedoch kein Ersatz für die Mammographie, so erklärt auch diese Referentin - Stand 2008.

Krankheitsbild I: Zirkulierende / Disseminierte Tumorzellen
Im Blut nachgewiesene zirkulierende Tumorzellen wurden im Zusammenhang mit einer Metastasierung bzw. möglichem Fortschreiten bei Brustkrebs von Dr. Klaus Pantel diskutiert. Mit dem Nachweis von zirkulierenden Tumorzellen erhofft man sich Aussagen zur Wahrscheinlichkeit einer Metastasierung sowie zu möglichen Therapiezielen, der Notwendigkeit von Therapien und einem Monitoring von Therapieerfolgen. Jedoch sind sowohl die Verfahren mit Proben aus dem Knochenmark wie auch Blutproben bisher unsicher, wie Dr. Stefanie Jeffrey aus dem wissenschaftlichen Beirat von Breast Cancer Action meint. Dr. Max Wicha, der mitunter „Gott der Stammzellen“ genannt wird, verwies auf dem Kongress bei den zur Zeit angewandten Verfahren der Zellsuche auf falsch-negative Ergebnisse. Die Ergebnisse zeigten allerdings, dass die Überlebenschancen mit einer steigenden Anzahl zirkulierender Zellen sinken. Es ließ sich nachweisen, dass die Zahl zirkulierender Tumorzellen durch die adjuvanten Therapien sänke. Allerdings konnte wiederum nicht bewiesen werden, dass diese Veränderung die Überlebenschancen beeinflusse. Fragen zu den sogenannten „schlafenden“ Tumorzellen, die bei Brustkrebs u.a. für die späten Rezidive verantwortlich sein könnten, sind bis heute ebenfalls nicht zu beantworten, etwa: Welche Rolle spielt das Immunsystem? Haben alle Patientinnen schlafende Tumorzellen? Welche Rolle spielt Stress? etc. Die Folien von Pantel, der offenbar u.a. mit dem Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf zusammenarbeitet, liegen unter: Pfeil http://sabcs08.m2usa.com/data/SABCS08_PL2_01.pdf.

Krankheitsbild II: Mehr zum Verständnis der Metastasierung
Barbara Brenner hat den für 15 Minuten im Programm verankerten Vortrag von Dr. Joan Massagué zur Metastasierung (Deconstructing Metastasis) angehört. Seiner Beobachtung nach müssten Brustkrebszellen an den üblichen Metastasierungsorten von Brustkrebs in Knochen, Leber oder Gehirn entsprechend der unterschiedlichen Art der Organe über verschiedene Fähigkeiten verfügen, um in diese Gewebe einzudringen und sie zu besiedeln. Der Wissenschaftler betonte, dass es im Gegensatz zu Darm- oder Lungenkrebs bei Brustkrebs oft viele Jahre dauert, manchmal sogar sehr viel länger, bis eine Metastasierung manifest wird. Demzufolge haben Brustkrebszellen diese Fähigkeit möglicherweise anfänglich noch nicht und müssen sie in der Mikroumgebung, in die sie eingebettet sind, erst entwickeln. Für die Onkologie sei eine Metastasierung zwei oder drei Jahre nach der Erstdiagnose bei Brustkrebs früh, während diese Zeitspanne für die Biologie im Allgemeinen jedoch eine lange Zeit sei. Barbara Brenner stellt die spannende Frage, wie die Mikroumgebung sein muss, um diese Veränderungen zu bewirken, doch der Vortrag bot hierzu keine Erklärungen. Im Blickwinkel der Forschung liegen zur Zeit Fragestellungen zum Verständnis der molekularen Struktur von Krebszellen und ihren Spuren in Gensignaturen, die bestimmte Arten der Metastasierung - etwa in Lunge oder Gehirn – vorhersagen können. Die Hoffnungen richten sich insbesondere darauf, eines Tages nur diejenigen Patientinnen zu therapieren, die diese Therapie auch brauchen.

Dr. Larry Norton hielt in der „McGuire Lecture“ einen Vortrag, der etablierte Vorstellungen von Brustkrebs auf den Kopf stellt. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die Metastasierung bei Brustkrebs ein Problem der „Selbst-Aussaat“ (Self-Seeding) ist, dem mit den bisherigen Therapieformen und Ansätzen der genaueren Klassifizierung von Tumoren z.B. über Genexpressionsprofile nur in vergleichsweise bescheidenem Maße beizukommen sei. Die Präsentation zu dem sehr interessanten Vortrag ist online verfügbar unter: Pfeil http://sabcs08.m2usa.com/previewer.html.

Dr. Patricia Steeg ist eine Molekularbiologin, die die „Women’s Cancers Section“ am NCI, der nationalen Krebsforschungseinrichtung der USA, leitet. Sie forscht seit rund 20 Jahren an den Mechanismen der Metastasierung und wurde 2008 auf diesem Kongress mit dem „Brinker Award“ der Komen Foundation ausgezeichnet. Sie hielt einen Vortrag über „Molekulare Erkenntnisse bei der Metastasierung von Brustkrebs“ und widmete sich dabei u.a. den sogenannten Suppressor-Genen. Sie selbst hat das erste derartige Gen entdeckt, über 25 solcher Gene kennt man inzwischen. Von den Suppressor-Genen erhofft man sich zukünftig sowohl Informationen über die jeweils individuell vorliegende Tumorerkrankung als auch neue therapeutische Ansätze.

Therapie I: Antihormontherapien
Fünf verschiedene Präsentationen zu Aromatasehemmern wurden vorgestellt. Die Ergebnisse sind für Barbara Brenner von Breast Cancer Action „allenfalls verwirrend“. Problematisch sei die Praxis der „Entblindung“ und des „Cross-Over“, die bei heutigen Studien häufig anzutreffen seien und zu einer Verzerrung bzw. einer Unmöglichmachung von validen Studienergebnissen führten. Als weiteres Problem wurden hier sogenannte „Open-Label“-Studien benannt, bei denen sowohl Arzt als auch Patientin wissen, welche Medikationen verabreicht werden. Nach kurzem Zeitablauf werden Therapieempfehlungen teils auch dann ausgesprochen, wenn keine „statistisch signifikanten“ Daten, sondern lediglich „Trends“ vorlägen. Barbara Brenner schlägt jedenfalls vor, die Patientinnen – und Teilnehmerinnen der Studien – in dem Wissen um die Notwendigkeit brauchbarer Ergebnisse zu fragen, ob sie nicht für brauchbare Studienergebnisse von solchen Praktiken wie Entblindung und Cross-Over lieber absehen möchten.

Therapie II: Die Diskussion um Anthrazykline
Die Diskussion darüber, ob Dr. Dennis Slamon mit seiner Aussage, dass die TopoIIa-Überexpression die Möglichkeit des Ansprechens auf Anthrazykline (eine der auch in Deutschland am häufigsten eingesetzten Chemotherapien bei Brustkrebs mit sehr toxischen Nebenwirkungen) anzeigt, wurde viel diskutiert. Der Vortrag „Chromosome 17 polysomy (CH17) as a predictor of anthracycline response: emerging evidence from the UK NEAT adjuvant breast cancer trial (Abstract 45, Pfeil http://www.abstracts2view.com/sabcs/view.php?nu=SABCS08L_1444) kommt zu dem Schluss, dass eine Chromosom 17 Polysomie Pfeil http://de.wikipedia.org/wiki/Polysomie (CH17) das Ansprechen am ehesten vorhersagen kann, während TopoIIa- sowie Her2-Überexpressionen Ersatz dafür wären. Diese Diskussion wird bei uns in Deutschland bisher praktisch nicht verfolgt. Obwohl es Grund zu der Annahme gibt, dass viele Patientinnen, die Anthrazykline erhalten, keinen Vorteil sondern möglicherweise sogar Nachteile von der Therapie haben (Risiken schwerster Nebenwirkungen) und Alternativen in der Therapie bestehen, steht eine Reaktion der Fachgesellschaften bzw. des IQWIG bei uns noch aus. In der Leitlinie sind Anthrazykline ohne Einschränkungen weiterhin vorgegeben, obwohl diese Zusammenhänge nicht sehr neu sind.

Breast Cancer Action betont jedenfalls die Bedenken, die hinsichtlich des Einsatzes von Anthrazyklinen bestehen, insbesondere angesichts der wahrscheinlich sehr geringen Anzahl von Patientinnen, die einen Vorteil durch die Therapie haben könnten. Breast Cancer Action hat sich deswegen bereits mehrfach mit dem Thema auseinandergesetzt und verweist auf die eigene Webseiten-Suche, was wir bei Interesse auch unseren Leserinnen für unsere Webseite empfehlen. Geben Sie dazu das Suchwort „Anthrazykline“ bei Pfeil www.bcaction.de ein. Während sich Dr. Slamon gegen Anthrazykline ausspricht, verteidigt ein anderer Wissenschaftler, Dr. Mark Levine, die Chemotherapie mit Anthrazyklinen.

Ein Satellitensymposium wurde von Fran Visco, der Vorsitzenden der National Breast Cancer Coalition NBCC, geleitet. Die NBCC hatte bereits vor rund zwei Jahren Fachwelt und Patientinnenvertreterinnen eindringlich aufgerufen, den Einsatz der Anthrazykline kritisch zu überprüfen, s. dazu auch unsere Pressemeldung von 2007: Pfeilhttp://www.openpr.de/news/156713/Neubewertung-dringend-gefordert-NBCC-fordert-Pruefung-von-anthrazyklinhaltigen-Chemotherapien.html.

Fran Visco fragte, welcher Evidenzgrad denn erreicht sein müsste, um einen Behandlungsstandard zurückzunehmen. Diese Frage hatte auch Barbara Brenner in der BCAction-Zeitschrift „The Source“ vom März 2008 gestellt. Warum geht es so schnell, eine aggressive Therapie zum Standard zu machen, und warum ist es so schwer, diese Therapie aus dem Repertoire wieder zu entfernen, wenn man sieht, dass sie nicht funktioniert? Dies ist eine bittere Frage zu einem Medikament, das auch den Namen „der rote Tod“ trägt und von dem wir immer wussten, dass wir wahrscheinlich wenig Nutzen von ihm haben. In der Festschrift „50 Jahre Krebsregistrierung: Das Gemeinsame Krebsregister der Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und der Freistaaten Sachsen und Thüringen 1953 – 2003“ lesen wir beispielsweise: „So wurde im Rahmen einer Fall-Kontroll-Studie das Risiko einer Leukämieerkrankung nach einer vorausgegangenen Brust- bzw. Ovarialkrebserkrankung untersucht. Es zeigte sich, dass die Patientinnen, deren primäre Krebserkrankung mit einer Chemotherapie behandelt wurde, gegenüber den übrigen Patientinnen ein deutlich erhöhtes Leukämierisiko trugen.“ PDF der Festschrift: Pfeil
http://www.berlin.de/imperia/md/content/gkr/publikationen/weitere/festschrift.pdf

In „The Source“ beschreibt Brenner, wo Ursachen für die Schwierigkeiten beim Umdenken in den USA liegen. Wahrscheinlich läge es daran, dass US-Ärzte, ebenso wie viele Patientinnen übrigens auch, annähmen, dass ein aggressiveres Vorgehen bei Krebs mehr Menschenleben retten könne als ein weniger aggressives. Man will Patientinnen nichts vorenthalten und bei eventuellen Klagen vor Gericht auch nicht Gefahr laufen, im Falle des Fortschreitens der Krankheit wegen Unterlassung verklagt zu werden. Weitere Barrieren sind die immensen Investitionen, die man bereits in diese Therapien gesteckt hat. Man berechne diese einmal lediglich für den weltweiten Einsatz von Anthrazyklinen bei Brustkrebs in den vergangenen 30 Jahren - eine Utopie! Die Umstellung von Leitlinien und sämtliche damit verbundenen Verwaltungsarbeiten kommen noch hinzu. Das alles, so schreibt Barbara Brenner, mache es sehr schwer, das schwerfällige Schiff in andere Bahnen zu lenken. Fran Visco führte jedenfalls weiterhin aus, dass die richtige Zielrichtung der Therapien die Effektivität, Lebensqualität, finanzielle Lasten und Toxizität berücksichtigen müssten. Noch stehen auch Antworten zu der Frage nach der besten Testmöglichkeit des TopoIIa-Gens aus, die sich zudem mit Diskussionen zu den bestmöglichen Testverfahren für Her2-neu überschneiden. Die medizinische Praxis sollte jedoch dahingehend geändert werden, dass nur diejenigen Patientinnen toxische Therapien erhalten, die auch davon profitieren könnten. Im Falle der Anthrazykline würde dies bedeuten, dass nur noch rund 8% der Brustkrebspatientinnen, die eine Her2-neu- plus TopoIIa-Überexpression an den Tumorzellen aufweisen, für diese Therapien überhaupt in Frage kommen.

Therapie III: Herceptin

Bei lokal fortgeschrittenem Brustkrebs konnte eine Studie zeigen, dass nach drei Jahren das Überleben ohne Krankheitsrezidiv (EFS) bei Gabe von Herceptin verbessert war. Hinsichtlich des Gesamtüberlebens gab es allerdings keine signifikanten Unterschiede, berichtet Barbara Brenner zum Abstract 31 (Trastuzumab after adjuvant chemotherapy in HER-2 positive breast cancer - update on efficacy and safety results of the HERA trial, Goldhirsch A). Andere Forschungsarbeiten im Zusammenhang mit Her2, Testverfahren und neuen Medikamentenkombinationen sind derzeit noch in experimentellem Stadium.

Therapie IV: Neue Medikamente
Eine neue Abkürzung für eine Medikamentengruppe sorgte für Aufmerksamkeit: „STI“ steht für „Signal Transduction Inhibitor" (übersetzt etwa: Signalweitergabe-Hemmer). Aussagen zur Überwindung von Resistenzen anderer Brustkrebsmedikamente mit dieser neuen Medikamentengruppe wurden kontrovers thematisiert, denn vorliegende Forschungsergebnisse sind nicht so exakt, dass sie auf die einzelne Patientin direkt übertragbar wären. Zur Sprache kamen: Unnötige Nebenwirkungen, unklare Ergebnisse und die höheren Kosten für das Gesundheitssystem. Auch hier geht es bisher also um den eher experimentellen Bereich.

Therapie V: Zugang zu Fortschritten in der Brustkrebstherapie
In einer Diskussion mit Brustkrebs-Experten wird Barbara Brenner berichtet, dass es eine Menge Fortschritte in der Brustkrebs-Therapie gäbe. Auf ihre Rückfrage, wer die Möglichkeit hätte, von diesen neuen Therapien zu profitieren, heißt es jedoch sogleich: „Ja, das ist eine andere Frage …“. Brenner bemängelt an erster Stelle, dass der Gedanke des Zugangs zu den neuen Therapien vernachlässigt wird: „It seems to me that as long as we think about medical advances as divorced from the issue of their affordability, we won’t be able to make real progress in cancer.” (übersetzt: Es scheint mir, dass wir, solange wir medizinische Fortschritte losgelöst von der Frage der Erschwinglichkeit sehen, zu echten Fortschritten in der Krebstherapie nicht fähig sind.) Alle betroffenen Frauen bräuchten schließlich Zugang zur bestmöglichen Therapie, nicht nur jene, die sich diese leisten können - eine in den USA relevante Frage, die auch bei uns zunehmend an Bedeutung gewinnt, der steile Anstieg der Medikamentenpreise Probleme und Fragen aufwirft. Außerdem leben viele Frauen mit Brustkrebs nicht in den westlichen Industrienationen und haben einen noch viel schlechteren Zugang zu Therapien und teuren neuen Medikamenten als Frauen in Deutschland oder den USA.

Am Rande I: Begrüßungsdinner der Alamo-Foundation

Die Alamo-Foundation ist vor Ort in San Antonio, Texas, aktiv. Beim Begrüßungsdinner hatten die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, sich vorzustellen und mitzuteilen, für welche Organisation sie am SABCS teilnehmen. Barbara Brenner war überrascht, dass so viele Frauen sich in so vielen unterschiedlichen Organisationen engagieren. Allerdings, so stellt Brenner fest, widmen sich nur Wenige der Interessenvertretung. Die einzige Person, die bei dem Dinner unerbetenen Beifall bekam, so Brenner weiter, war der einzige männliche Arzt im Raum, Dr. Peter Radvin, der sich für das Alamo-Programm engagiert. Alle Anderen engagierten sich im Bereich Brustkrebs, doch allein Spezialisten seien das Maß der Dinge, resümiert Barbara Brenner weiter, auch hinsichtlich der AIDS-Bewegung einen Vergleich ziehend. Sie zitiert dazu einen AIDS-Aktivisten: Aktivisten wären verängstigt und wütend, doch heute habe niemand mehr Angst, was den Medikamenten zu verdanken sei. Sind AIDS-Medikamente eigentlich erfolgreicher als Medikamente gegen Brustkrebs? Barbara Brenner hält jedenfalls fest, dass bei dem Begrüßungsessen auch ein Repräsentant von Novartis, dem Hersteller des Medikaments Femara und Sponsor der Alamo Brustkrebs-Stiftung, anwesend war. Eine Patientin bedankte sich für das Medikament, was Brenner zu der Frage: „Aktivismus?“ veranlasst. Thema in San Antonio war u.a., dass die KOMEN-Foundation, die auch in Deutschland aktiv ist, in Dallas 39 Mitarbeiterinnen entlassen hat. Die Krise verschont offenbar auch amerikanische Brustkrebs-Organisationen nicht.

Am Rande II: Mittagessen mit Big Pharma – Novartis

Die Unterhaltung zur Mittagszeit am 13. Dezember bot der Konzern Novartis mit seiner Werbung für das Medikament Zometa. Im Programm hieß die Veranstaltung: „Metastasierter Brustkrebs – Warum sind meine Knochen wichtig?“ Die Schauspielerin Marcia Strassman (Jg. 1948), die hier Einigen vielleicht durch Filme wie „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ bekannt ist, erhielt bereits bei ihrer Erstdiagnose der Brustkrebserkrankung auch die Diagnose einer Knochenmetastasierung. In ihrem Facebook-Account teilt sie als Novartis-Partnerin mit, dass sie alle 28 Tage eine Infusion mit Zometa erhält und wirbt damit für das Medikament in den USA. „Marcia Strassman nimmt die aktive Rolle einer Patientinnenvertreterin ein“ lesen wir in ihrem Facebook-Account, der direkt zur Produkt-Information von Novartis verlinkt. Die Schauspielerin wurde mit Brustkrebs diagnostiziert, nachdem sie selbst „einen Hügel“ in ihrer Brust fand, und das, obwohl sie regelmäßig zur Mammographie gegangen war. Die letzte Mammographie wurde sieben Monate vor der Diagnose erstellt. Die Schauspielerin hatte bereits früher für Krebs-Charities Geld gesammelt und u.a. deswegen Zugang zu den besten Ärzten, schreibt Barbara Brenner. Ein Knochenszintigramm zeigte unglücklicherweise Metastasen und sie erhielt fortan Arimidex und Zometa. Allerdings entwickelte sie unter Arimidex eine allergische Reaktion und wechselte zu dem Medikament Femara. Marcia Strassman ist sehr dankbar für diese Medikamente, die beide von Novartis hergestellt werden und ihr beide wenig Nebenwirkungen verursachen, wie sie auf dem SABCS die ZuhörerInnen wissen lässt. Brenner hält jedoch fest, dass sie eine gute Krankenversicherung hat, die ihre Therapien bezahlt - was nicht allen Brustkrebspatientinnen in den USA möglich ist, da sie entweder gar keine Krankenversicherung oder nur unzureichenden Versicherungsschutz haben.

Weiterhin sprechen die Ärzte Dr. Adam Brufsky und Dr. Hope Rugo zu Zometa. Brenner merkt an, dass nicht bekannt sei, was Novartis als Honorar für die Arbeit der beiden Ärzte für den Konzern zahle. Brufsky sagt für die kommenden Jahre große Fortschritte in der Brustkrebstherapie und das Überleben der meisten Patientinnen voraus. Die Patientinnenvertreterinnen im Raum fordert er auf, Geld für die Forschung zu sammeln. Rugo spricht schließlich sehr ausführlich über die „real world of Zometa“, während sie nachfolgend ausführlich darlegt, wie selten die Kiefernekrose als Nebenwirkung sei.

Anschließend konnten bei dieser Veranstaltung Fragen gestellt und auch schriftlich eingereicht werden. Barbara Brenner nutzt die Gelegenheit für eine Nachfrage an den Konzern, der einerseits Medikamente wie z.B. Aromatasehemmer gegen Brustkrebs herstellt, andererseits aber auch das Herbizid Atrazin, das bekannt dafür ist, dass es die Aromatase wiederum stimuliert. Eine Antwort wird jedoch zumindest von Brenner nicht übermittelt. Die Patientinnenvertreterin Roberta Gelb, die mit verschiedenen Organisationen arbeitet, fragt Brufsky, warum eigentlich niemand den Patientinnen die Empfehlung gäbe, ihr Leben zu leben und die Brustkrebstherapie ihren Onkologen zu überlassen, eine Frage, die dieser jedoch sehr defensiv beantwortet.

Im Gespräch nach der Veranstaltung stellt Barbara Brenner fest, dass viele von der Veranstaltung enttäuscht waren, denn es wäre klare Information und nicht der zuckersüße Einheitsbrei eines Pharmakonzerns erwünscht gewesen. Allison Young drückt es noch etwas deutlicher aus. Sie hat den Eindruck gewonnen, dass Novartis die Situation der Patientinnen nicht verstünde: Frauen mit Brustkrebs, die an einer wissenschaftlichen Konferenz teilnähmen, wollen fundierte Informationen, während lediglich variierende Grade eines rosafarbenen Lifestyles geboten wurden. Sie regt sich auch über die Schauspielerin auf, die die Bequemlichkeit ihrer 28-Tage-Infusionen lobt, während sie das Land bereist und andere Frauen in den Staaten keinen hinreichenden Versicherungsschutz hätten. Man könne auch nicht so tun, als würde man mit besserem Zähneputzen die Kieferosteonekrosen als Nebenwirkung eines Bisphosphonats beheben können, während genaue Informationen dazu fehlten. Auch die „interdisziplinäre Zusammenarbeit“ der Ärzte, die in den USA Frauen mit Brustkrebs behandeln, ist offensichtlich nicht ganz nahtlos zu haben. „Ich kann meinen Chirurgen nicht bewegen, mit meinem Onkologen zu sprechen, und Sie wollen mir sagen, dass mein Onkologe mit meinem Zahnarzt reden sollte?“, fragt eine Patientin. Das kommt uns doch auch irgendwie bekannt vor. Am Ende der Konferenz erhält Allison dann noch den Anruf einer Patientin. Sie hat Probleme mit einer Kiefernekrose. [An der Berliner Charité wird zur Kiefernekrose ein Zentralregister geführt, weitere Info: Pfeil http://www.charite.de/zmk/Kiefernekrose_Patinfo_Einverstaendnis_Zentralregister_Berlin.pdf]

Am Rande III: Advocacy Lunch bei Genentech

Nicht nur Novartis, auch Genentech (eine Firma, die mehrheitlich im Besitz des Pharmakonzerns ROCHE ist) hatte sich etwas Spezielles für Interessenvertreterinnen auf dem SABCS 2008 einfallen lassen: Ein „Advocacy Lunch“, also die Einladung von Patientinnenvertreterinnen zum Mittagessen. Barbara Brenner outet es als Firmenwerbung, Jane Zones aus dem Breast Cancer Action-Team nennt es Public Relations. Zentral bei diesem Treffen ist eine Präsentation von Firmenmitarbeitern, die die Produktpalette, die Genentech entwickelt, ins rechte Licht rückt.

Genentech hat außerdem anlässlich des 10. Geburtstages der Zulassung von Herceptin ein Video gedreht, das die Rolle der Patientinnenvertreterinnen bei Entwicklung und Zulassung des Medikaments hervorhebt, und zwar als Weg, um sich auf diese Weise bei den Patientinnenvertreterinnen zu bedanken, wie Barbara Brenner schreibt. Jane Zones vom Breast Cancer Action-Team beschreibt die Ironie der Geschichte, dass es nämlich vor rund 12 Jahren ausgerechnet Frauen von Breast Cancer Action waren, die für starken Druck hinsichtlich der schnellen Zulassung von Herceptin sorgten. Nachdem eine der Frauen sich an die Tore von Genentech gekettet hatte, änderte sich die Situation schnell. Margi Stuart, damals BCA-Vorstandsmitglied, war eine der ersten, die nach dieser Aktion Herceptin erhielten. Sie konnte mit dieser Therapie eine Verlängerung der Überlebenszeit erreichen und erlebte so noch, wie ihre jüngste Tochter die Schulausbildung abschloss. Margi Stuart starb 1997. Von diesen Aktivistinnen wurde in dem Video natürlich niemand gezeigt. Und obwohl BCA und Genentech damals in enger Verbindung standen – der Verzicht auf finanzielle Mittel aus der Pharmaindustrie wurde erst 1998 verabschiedet –, hat Genentech für das aktuelle Video niemanden von Breast Cancer Action interviewt. Das Firmenvideo berichtete u.a. auch über Avastin. Breast Cancer Action hatte, wie auch die NBCC, gegen eine Zulassung dieses Medikamentes in der Brustkrebstherapie opponiert. Es überrasche nicht, dass solche Meinungen keinen Eingang fänden, sondern hauptsächlich Meinungen von Menschen, die langjährig für die Firma gearbeitet haben, gezeigt wurden, und diese berichten natürlich nur Positives. Unter den im Video Interviewten sagte beispielsweise jemand, dass sich die Zusammenarbeit mit der Brustkrebsbewegung von der Konfrontation hin zur Kooperation entwickelt habe, so dass nun eine Partnerschaft mit der Industrie bestünde. „Das stimmt, aber das ist das Problem. Engagement ist nicht Partnerschaft. Wir müssen in der Lage sein, diese Firmen zu pushen, und das können wir nicht als Partner“, kommentiert Barbara Brenner. Gewerkschaften sind schließlich auch keine „Partner“ von Konzernen. Interessenvertretung braucht Unabhängigkeit.

Der Glanz der „hochpreisigen PR“ (Allison Young) fiel in sich zusammen, als bei der nachfolgenden Firmen-Präsentation versucht wurde, den Frauen weiszumachen, wie bedeutend progressionsfreies Überleben (Time To Progression TTP) als Parameter bei den Ergebnissen klinischer Studien sei. Da sagte eine Patientinnenvertreterin nach der anderen, dass die Gesamtüberlebenszeit (Overall Survival, OS) für sie als Parameter relevanter sei. Es sollte vermittelt werden, dass die Zeit bis zur Krankheitsprogression TTP im Vergleich zu einer Verbesserung der Gesamtüberlebenszeit als Endpunkt bei klinischen Studien im Setting bei metastasiertem Brustkrebs zu bevorzugen sei. Aus Firmensicht ist dieser Standpunkt nachvollziehbar, aus Patientinnensicht sind Aussagen zu verbleibenden Überlebenszeiten allemal interessanter.

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Wir bedanken uns ausdrücklich bei PfeilBreast Cancer Action für ihre Begleitung der Kongresse sowie für die neutrale und kritische Berichterstattung und die Möglichkeiten, ihre Arbeit zu nutzen!

Es gibt insgesamt acht Berichte von Breast Cancer Action, die unter
Pfeil http://bcaction.org/index.php?page=conference-coverage
vollständig nachzulesen sind.

Sämtliche von SABCS veröffentlichte Vorträge können hier eingesehen werden:
Pfeil http://sabcs08.m2usa.com/previewer.html

Bericht vom vergangenen Jahr lesen …
Pfeil http://www.bcaction.de/Blog/pdf/sana_bericht2007.pdf
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3
Jan
2009

Die HPV-Impfung: Neue Stellungnahmen und Impfkritik

Obwohl die HPV-Impfung nicht in unser eng umschriebenes Feld des Engagements, nämlich Brustkrebs, so aber doch zu dem weiten Themenfeld "Frauengesundheit" gehört, möchten wir unserem Eintrag in der Rubrik Pfeil Frauengesundheit zumindest einige wichtige Links zur Aktualisierung hinzufügen, denn es hat jetzt Bewegung gegeben:
13 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (Prof. Martina Dören, Dr. Ansgar Gerhardus, Prof. Ferdinand M. Gerlach, Prof. Claudia Hornberg, Prof. Michael M. Kochen, Prof. Petra Kolip, Prof. Wolf-Dieter Ludwig, Prof. Ingrid Mühlhauser, Prof. Oliver Razum, Prof. Rolf Rosenbrock, Corinna Schach, Prof. Norbert Schmacke, Prof. Jürgen Windeler) meldeten sich mit einer kritischen Stellungnahme zur HPV-Impfung zu Wort:

Das "Manifest" der 13 WissenschaftlerInnen:
Pfeil http://www.uni-bielefeld.de/gesundhw/ag3/downloads/Stellungnahme_Wirksamkeit_HPV-Impfung.pdf

Informationsbroschüre zur HPV-Impfung des Nationalen Netzwerks Frauen und Gesundheit (identisch herausgegeben mit Techniker Krankenkasse und Barmer Ersatzkasse)
Pfeil Version Barmer Ersatzkasse
Pfeil Version Techniker Krankenkasse

Aktuelle Medienberichte:

Pfeil Videobeitrag: Monitor, Geschönte Zahlen?
Streit um die Wirksamkeit der HPV-Impfung v. 19.02.2009

Süddeutsche: Pfeil Heftige Kritik an Impfempfehlung - Der Jubel über den Gebärmutterhalskrebs-Impfstoff war groß. Nun kritisieren Mediziner in einem Manifest, der Nutzen sei noch nicht ausreichend belegt (Christina Berndt, 26.11.2008)

Der Standard: Pfeil Kratzer auf einer Medaille
Kurz vor der Nobelpreis-Verleihung präsentierte der Schwedische Rundfunk Enthüllungen, die dem Image des bedeutendsten Preises schaden könnten (Anne Rentzsch, 09.12.2008)

TAZ: Pfeil Korruptionsverdacht bei Medizin-Auszeichnung - Nobelpreis steigert Umsatz (Reinhard Wulf, 10.12.2008)

WELT: Pfeil Kein Piks für Mädchen um jeden Preis (Birgitta vom Lehn, 02.01.2009)

Pfeil Diskussion zu Manifest und Impfung bei Scienceblogs

Aktuelle Presseerklärung des „Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft": Pfeil Wissenschaftler/innen fordern Neubewertung der HPV-Impfung und ein Ende der irreführenden Informationen (Stand: 09.12.2008)

Pfeil HPV-Impfung: Flyer des AKF (Stand 2008)

Planungs- und Koordinierungsstelle Gesundheit:
Pfeil HPV-Impfung - ein Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs? Hintergrundinfo und Download-Materialen einer Veranstaltung des Berliner Senats im April 2008 mit vielen weiteren wichtigen Links

Rückblick: Pfeil Blog-Eintrag vom Juli 2007
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22
Dez
2008

Neuer Bericht der Europäischen Kommission zur Krebsfrüherkennung

Am 22.12.2008 wurde in Brüssel der "Bericht der Kommission an den Rat, das Europäische Parlament, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen zur Durchführung der Empfehlung des Rates v. 2. Dezember 2003 zur Krebsfrüherkennung" (2003/878/EG) in endgültiger Fassung vorgelegt.

Am 2. Dezember 2003 haben die Gesundheitsminister der Europäischen Union einstimmig eine Empfehlung zur Krebsfrüherkennung angenommen. Die Empfehlung des Rates der Europäischen Union zur Krebsfrüherkennung bestätigt u.a. die Belege für die Wirksamkeit der Früherkennung von Brustkrebs bei der Verringerung der Krankheitslast.

Die Empfehlung des Rates nennt Grundprinzipien für vorbildliche Praktiken zur Krebsfrüherkennung und fordert die Mitgliedstaaten auf, Maßnahmen zur Durchführung nationaler Programme zur Krebsfrüherkennung mit einem bevölkerungsweiten Konzept und einer angemessenen Qualitätssicherung auf allen Ebenen zu ergreifen, und zwar unter Berücksichtigung europäischer
Qualitätssicherungsleitlinien
. Für Brustkrebs liegen Europäische bzw. EUSOMA-Leitlinien vor, die auch in Deutschland gemäß eines fraktionsübergreifenden Bundestagsbeschlusses aus dem Jahr 2002 bei der Früherkennung von Brustkrebs umzusetzen wären. Erstaunlicherweise werden jedoch diese Europäischen Leitlinien, die speziell für eine optimale Umsetzung bevölkerungsbezogener Programme entwickelt wurden, bei uns in Deutschland nach wie vor nicht in allen notwendigen Aspekten berücksichtigt. Vielmehr werden nationale Leitlinien zugrunde gelegt, die in wichtigen Teilaspekten weiter hinter europäische Vorgaben zurückfallen.
Die Europäische Kommission hat 2008 aktualisierte und erweiterte EU-Leitlinien u.a. für die Früherkennung von Brustkrebs veröffentlicht. Die Empfehlungen wurden vom Europäischen Parlament durch Entschließungen unterstützt, die in den Jahren 2003, 2006 und 2008 vom Parlament angenommen wurden.

Nach Schätzungen der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) erkrankten in Europa im Jahr 2006 331.000 Frauen neu an Brustkrebs und schätzungsweise 90.000 Todesfälle sind zu beklagen. Nach diesen Schätzungen hat Belgien die höchste Rate bei den Neuerkrankungen ("Inzidenz") für Brustkrebs in Europa, während Dänemark bevölkerungsbezogen die höchste und Rumänien die niedrigste Sterberate hat. Die Zahlen sind aufgrund einer teilweise unzureichenden Krebsregistierung und großen Unterschieden in der Qualität der medizinischen Versorgung jedoch mit Vorsicht zu bewerten. Auch Deutschland gehört zu den Ländern ohne funktionsfähiges nationales Krebsregister und kann insofern bisher keine zuverlässigen Daten vorlegen. Dieses ist insbesondere angesichts der Notwendigkeit der Evaluierung des bereits laufenden nationalen Programms zur Brustkrebsfrüherkennung sehr zu bedauern.

Mittlerweile verfügen 22 europäische Länder über ein nationales Programm zur Brustkrebs-Früherkennung bzw. sind wie bei uns in Deutschland dabei, ein entsprechendes Programm zu etablieren. Diese Programme setzen die Mammographie, die vom Rat der Europäischen Union im Jahr 2003 empfohlen wurde, zur Brustkrebsfrüherkennung ein.

Hintergrundinfos:

Pfeil Bericht der Europäischen Kommission v. 22.12.2008

Pfeil BCAG-Linksammlung zu Brustkrebs in Europa

Pfeil Europäische Leitlinien und die wichtigsten Links auf einen Blick
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7
Dez
2008

Frauen, bitte zur Kasse! Wie Lebensbedingungen die Gesundheit beeinflussen

Die neue Ausgabe der Zeitschrift clio widmet sich aktuellen Fragen der Gesundheitsversorgung, z.B.

Pfeil-rechts Migräne
Pfeil-rechts Depressionen
Pfeil-rechts Rauchen
Pfeil-rechts Arbeitslosigkeit macht (Frauen) krank
Pfeil-rechts Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) und mehr.

Wichtig ist auch der Beitrag "PatientInneninformation muss unabhängig bleiben" der Soziologin Hedwig Diekwisch. Außerdem gibt es eine aktuelle und umfassende Liste mit Lesetipps zu neueren Büchern zur Frauengesundheit, zusammengestellt von Mechthild Wilke.


Zum Inhalt:

Die Ökonomisierung im Gesundheitswesen schreitet voran, an allen Ecken wird gespart und das Schlagwort Zweiklassenmedizin ist längst bittere Realität. Dies bedeutet für die gesetzlich Versicherten nicht nur längere Wartezeiten und Kosten für Leistungen, die nicht zwingend notwendig sind, sondern als Folge der Überversorgung [bei privat Versicherten] auch geringere Kapazitäten der ÄrztInnen für die wirklich Kranken. Frauen haben weniger finanzielle Ressourcen als Männer, gehen häufiger zur ÄrztIn und werden dort mit den sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) konfrontiert. Diese sind selbst zu bezahlen und der Nutzen nach evidenzbasierten Kriterien ist schwer einschätzbar. Verkauft werden sie ihnen damit, dass sie doch etwas für ihre Gesundheit tun wollen. Wer würde da nein sagen?

Im neuen "clio" gibt es die wichtigen Informationen zu den IGeL-Leistungen, mit Schwerpunkt Gynäkologie: Was macht Sinn und was muss beachtet werden, um nicht unnötig zu bezahlen?

Das vorzeitige Krankheits- und Sterberisiko ist bei Menschen, die arbeitslos sind und keine Perspektiven mehr für sich sehen, deutlich erhöht. Auffällig ist, dass die Sterblichkeit arbeitsloser Frauen höher ist. Sowohl in den Auswirkungen als auch in den Bewältigungsstrategien von Arbeitslosigkeit zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede. Es besteht dringender Handlungsbedarf. Das FFGZ Berlin stellt ein wirkungsvolles Projekt zur Gesundheitsförderung arbeitsloser Frauen vor.

Ein weiterer Schwerpunkt befasst sich mit chronischen Befindlichkeitsstörungen, die häufig aus Belastungen erwachsen und von denen Frauen überwiegend betroffen sind: Migräne und Depression.

Zwei Artikel widmen sich dem Thema Sucht, der eine dem Rauchen und den Effekten, die Zigaretten haben, der andere den Suchtmitteln Alkohol und Medikamente - beide unter frauenspezifischen Aspekten. Frauen holen in den Bereichen Rauchen und Alkoholmissbrauch auf, was zu einer erheblichen Erhöhung ihrer Gesundheitsrisiken beiträgt.

Auch Mammographie und Brustultraschall sind erwähnt, allerdings fehlt der Hinweis, dass die Mammographie (einschließlich aller ggf. erforderlichen Folgeuntersuchungen) im Screening-Programm wie auch bei vorliegenden Symptome kostenlos für die Frau sind. Die Kosten werden von den Krankenkassen getragen. Von Mammographien außerhalb des Screenings sollte grundsätzlich eigentlich eher abgeraten werden, da Qualitätssicherung und Evaluation nicht gegeben sind. Der Brustultraschall ist nach der Bewertung der WHO als Screening-Verfahren zur Senkung der Brustkrebs-Sterblichkeit eher nicht geeignet. Eine Empfehlung zu einem Screening mit Ultraschall wird eigentlich von keiner Seite ausgesprochen und es handelt sich um eine Zusatzuntersuchung, die bei bestimmten Indikationen eingesetzt wird.

Die clio 67 erscheint mit den wunderbaren Bildern der Malerin Ute Kühne.

Quellenangabe: FFGZ

Bezugsmöglichkeiten
"clio. Die Zeitschrift für Frauengesundheit" ist zu beziehen gegen 3,90 Euro über den Buchhandel mit der ISSN-Nummer: 0933-0747 oder direkt über das Feministische FrauenGesundheitsZentrum e.V., Bamberger Str. 51, 10777 Berlin, Tel 030 - 213 95 97, Fax: 030 - 214 19 27, E-Mail: ffgzberlin@snafu.de (zzgl. Versandkosten 1,20 €).

Webseite des FFGZ
http://www.ffgz.de/
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6
Dez
2008

Offener Brief der Krebsberatungsstelle Aachen an die Deutsche Krebshilfe e.V.

Mit einem "Offenen Brief" haben sich die Krebsberatungsstelle Aachen und die KrebsSelbsthilfekontaktstelle Aachen e.V. bereits am 04.09.2008 an die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe e.V. (DKH), Frau Professor Dr. Schipanski, gewandt. Die in Deutschland von Mildred Scheel ins Leben gerufene Deutsche Krebshilfe e.V. hat allein im Jahr 2007 über 100 Millionen Euro (lt. Jubiläumsausgabe "30 Jahre Krebshilfe" insgesamt 1,1 Milliarden Euro) Spendengelder eingenommen.

Deutschland liege, so die Krebsberatungsstelle Aachen, bei der Senkung der Krebssterblichkeit immer noch im unteren Drittel vergleichbarer Industrienationen, im Unterschied zu europäischen Nachbarländern gäbe es jedoch in Deutschland beispielsweise immer noch keine funktionsfähige flächendeckende Krebsregistrierung.

"Erst 2002 konnte gegen erheblichen Widerstand von Fachgesellschaften, die infolge eines Gemenges aus finanziellen und berufsständischen Interessen die Meinungsführerschaft anstreben und in der Deutschen Krebshilfe auch tatsächlich ausüben, der Aufbau eines nationalen Brustkrebs-Früherkennungsprogramms nach Europäischen Leitlinien vom Deutschen Bundestag verabschiedet werden. Bis heute werden jedoch bei uns die hohen Anforderungen der europäischen Leitlinien bei weitem nicht flächendeckend erreicht", heißt es in dem "Offenen Brief" an die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe weiter.

Die Deutsche Krebshilfe habe im Rahmen ihrer Projektförderung aus Sicht der Krebsberatungsstelle Aachen die Umsetzung europäischer Qualitätsstandards in der Krebsfrüherkennung, Epidemiologie, Forschung und Behandlung von Krebserkrankungen sogar systematisch konterkariert, so die Krebsberatungsstelle weiter. Im neuen „Nationalen Krebsplan“ betreibe die Deutsche Krebshilfe e.V. gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. gezielt den Abbau Europäischer Qualitätsstandards und stattdessen die Verbreitung von "deutschen (sogenannten) S3-Leitlinien zur Krebsfrüherkennung und –behandlung".

Trotz Beteiligung an Krebsregistern nähme die Krebshilfe seit 30 Jahren billigend in Kauf, dass in Deutschland keine flächendeckende Krebsregistrierung eingerichtet wurde, während das in Nordrhein-Westfalen mit dem Geld der Krebshilfe eingerichtete Register nicht internationalem Standard entspreche.

Auch auf die von der Krebshilfe finanzierte Krebs-Selbsthilfe kommt der "Offene Brief", der von Helmut Kleinhückelkotten, dem 1. Vorsitzenden des Vereins, unterzeichnet ist, zu sprechen. Es wird in dem Brief in Frage aufgeworfen, ob die Selbsthilfe unter dem Dach der Deutschen Krebshilfe noch in der Lage sei, Forderungen zu artikulieren, wenn diese im Widerspruch zur Politik ihres mächtigen Sponsors Deutsche Krebshilfe e.V. stehen.

Die Absender des Offenen Briefes:
Die Krebsberatungstelle Aachen und die ihr angeschlossenen Selbsthilfegruppen in der Region Aachen arbeiten seit 1979 zusammen. Sie bilden ein regionales Verbundsystem mit Krankenhäusern, dem Öffentlichen Gesundheitsdienst, Reha-Kliniken, Krankenkassen, Ärzten und UnterstützerInnen aus Politik, Wirtschaft und Presse.

Den Offenen Brief im Original lesen:
http://www.krebsberatungsstelle.de/i_kbs.htm
(Auf der Webseite der Krebsberatungsstelle Aachen ist derzeit aufgrund einer von der Deutschen Krebshilfe e.V. beantragten einstweiligen Verfügung des Landgerichts Hamburg, gegen die von der Krebsberatungsstelle Aachen Widerspruch eingelegt worden ist, eine geschwärzte Fassung des "Offenen Briefes" veröffentlicht.)

Foto: Michael Hirst, Creative Commons 2.0
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3
Dez
2008

IQWiG bewertet internationale Leitlinien zu Brustkrebs neu

Vor einigen Jahren hatte die AOK mit ihrer Analyse evidenzbasierter Leitlinien begonnen, internationale Behandlungsstandards für das Brustkrebs-DMP ("Disease-Management-Programm") unter die Lupe zu nehmen. Nun stellt das IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) internationale Leitlinien zum Thema Brustkrebs erneut auf den Prüfstand.

Das "strukturierte Behandlungsprogramm soll helfen, Frauen mit Brustkrebs bestmöglich zu versorgen" berichtet der IQWIG-Newsletter im Dezember 2008 aktuell. Diagnostik, die Behandlung und die psychosoziale Versorgung sollen im DMP berücksichtigt werden. Die Inhalte sollen dabei regelmäßig überarbeitet werden. "Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG haben jetzt internationale Leitlinien zur Brustkrebs-Therapie mit den Vorgaben für das DMP Brustkrebs verglichen, um möglicherweise nötige Änderungen aufzuzeigen"

Weiterlesen:

IQWIG: Die neue "Systematische Leitlinienrecherche und -bewertung sowie Extraktion neuer und relevanter Empfehlungen für das DMP Brustkrebs"
http://tinyurl.com/leitlinienanalyse

Der Abschlussbericht wurde erstellt im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschuss, Pfeil-rechts1 die Berichterstattung erfolgte durch MitarbeiterInnen des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin, Berlin:
Pfeil-rechts1 Dr. Monika Nothacker,
Pfeil-rechts1 Liat Fishman,
Pfeil-rechts1 Silke Astroth,
Pfeil-rechts1 Thomas Langer und
Pfeil-rechts1 Dr. Susanne Weinbrenner.

2. Externes Review des Vorberichts:
Pfeil-rechts1 Dr. Martina Dombrowski, Evangelisches Waldkrankenhaus Spandau, Berlin

"Die Vorgängerversion": Analyse internationaler Leitlinien, erstellt für das Brustkrebs-DMP im Auftrag der AOK (Stand: 2002)
http://tinyurl.com/leitlinienanalyse-1

Zusammenfassung zur IQWIG-Auswertung

http://www.gesundheitsinformation.de/nl.473.ru.html

Aktuell:
IQWIG-Umfrage zum Informationsbedarf bei metastasiertem Brustkrebs
http://www.gesundheitsinformation.de/umfrage-fortgeschrittener-brustkrebs.445.de.html
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22
Nov
2008

BCA berichtet: Nebenwirkungen bei Aromatasehemmern

Nebenwirkungen bei Aromatasehemmern

Bereits im Jahr 2007 hat Breast Cancer Action (San Francisco) eine kleine Umfrage zu Nebenwirkungen von Aromatasehemmern vorgelegt. Beate Schmidt hat den aktuellen Bericht in der Source, Ausgabe 104 für November/Dezember 2008,
für uns gelesen, übersetzt und zusammengefasst.


Im aktuellen Newsletter # 104 für November / Dezember 2008 berichtet Breast Cancer Action San Francisco (BCA) noch einmal über die Nebenwirkungen von Aromatasehemmern (AH). Diese Medikamente, die heute Standard in der Antihormon-Therapie bei Brustkrebs sind, werden bei Frauen nach den Wechseljahren eingesetzt, wenn der Tumor Östrogenrezeptor-positiv war.

Bereits kurz nach Marktzulassung des ersten Präparates in den USA im Jahre 1996 (inzwischen sind drei Medikamente dieser Klasse auf dem Markt) erhielt BCA zu den Nebenwirkungen die ersten Anfragen von Frauen, die so behandelt wurden. Einige Nebenwirkungen sind inzwischen bekannt, vor allem die Langzeiteffekte jedoch noch nicht. Da diese Informationen wichtig und auf anderem Wege schwer zu beschaffen waren, hat BCA im Jahre 2005 eine Online-Umfrage gestartet, deren erste Ergebnisse im Jahre 2007 und als Follow-up im Juni dieses Jahres veröffentlicht wurden.

Der neue Bericht beruht auf 1.199 Antworten. Fast alle Frauen berichteten, dass sie wenigstens unter einer der aufgelisteten 38 Nebenwirkungen litten. Mehr als die Hälfte der Teilnehmerinnen berichtete nach wie vor über Hitzewallungen, Knochenschmerzen, Müdigkeit, Muskelschmerzen und Schlaflosigkeit. Sorgen macht BCA insbesondere die Tatsache, dass mehr als ein Viertel aller Frauen so stark unter den Nebenwirkungen litt, dass sie die Behandlung mit AH abbrachen. Hauptgrund hierfür waren Schmerzen in Gelenken, Knochen, Vagina, Blase oder Brustkorb.

Es stellte sich heraus, dass die Teilnehmerinnen an der (nicht unbedingt repräsentativen) Umfrage von BCA im Durchschnitt jünger waren als diejenigen, die an den klinischen Versuchen teilnahmen. Diese jüngeren - unter 60 Jahre alten - Frauen erlebten mehr und stärkere Nebenwirkungen als diejenigen, die bereits über 60 Jahre alt waren - und zwar insbesondere dann, wenn die Wechseljahre durch Medikamente eingeleitet wurden.

Einige dieser Frauen erlitten sehr starke Beeinträchtigungen ihrer Lebensqualität, über die bisher in klinischen Studien nicht berichtet wurde. Das Alter der behandelten Frauen scheint also bei Anzahl und Schwere der Nebenwirkungen eine Rolle zu spielen. Für künftige Studien ist es nach Meinung von BCA daher entscheidend, dass die Auswirkungen von AHs auf jüngere Frauen untersucht werden.

Im Vergleich mit Frauen, die auf natürliche Weise in die Wechseljahre kamen, berichtete ein höherer Anteil der Frauen, deren Wechseljahre medikamentös herbeigeführt wurden, über Schwellungen in Armen und Beinen, dünner werdende Haare, Hitzewallungen und Gewichtszunahme (wobei letztere ein inzwischen bekannter Risikofaktor für Brustkrebs ist). Die Nebenwirkungen könnten auf den plötzlichen und vorzeitigen Beginn der Wechseljahre zurückzuführen sein.

Die Ergebnisse der Umfrage von BCA deuten darauf hin, dass ein größerer Anteil der Frauen, die vorher nicht mit Tamoxifen behandelt wurden, eine ganze Reihe von Nebenwirkungen hatten, die diejenigen, die von Tamoxifen auf AHs gewechselt haben, nicht hatten, so etwa Schlaflosigkeit, Knochenschmerzen, geistige Unschärfe, Muskelschmerzen, Durchfall, Kurzatmigkeit, grippeähnliche Symptome, Kopfschmerzen und Erbrechen. BCA zitiert nachfolgend aus einer Studie, die im Jahr 2007 in The Lancet veröffentlicht wurde. Danach hatte die vorherige Verabreichung von Tamoxifen durch die Östrogenwirkung die nachteiligen Wirkungen der AHs wie z.B. erhöhten Kalziumverlust verbessert. Bei den jüngsten Frauen (aus der Altergruppe 20 bis 39 Jahre) war die Verschreibung von Tamoxifen vor AHs jedoch weniger wahrscheinlich als bei älteren Frauen.

Da die Ergebnisse des Follow-up denen aus dem Jahre 2005 entsprechen, hat BCA die Umfrage zwar beendet, bleibt jedoch besorgt, dass es Langzeit-Nebenwirkungen geben könnte, die - wie bei Tamoxifen - erst in einigen Jahren dokumentiert werden können. BCA wird daher die Berichterstattungen über AH weiter aufmerksam verfolgen und bittet Frauen, ihre Erfahrungen an BCA weiterzuleiten, denn Patientinnen wissen oft lange vor den Medizinern, welche Nebenwirkungen sie erleiden.

BCA fordert zum Wohle aller Frauen, die diese Medikamente einnehmen müssen, weitere Forschungen zu Langzeit-Nebenwirkungen von Aromatasehemmern. Denn nur so können die Betroffenen informierte Entscheidungen treffen.

BCA widmet den Bericht allen Frauen, die sich die Zeit genommen haben, an der Umfrage teilzunehmen, und allen, die informierte Entscheidungen über die Behandlungen, die sie erhalten, treffen wollen.

Zum Weiterlesen (in englischer Sprache):

Newsletter # 104 für November / Dezember 2008 von Breast Cancer Action San Francisco (BCA)
Pfeil-rechts1 http://bcaction.org/index.php?page=newsletter-104d

Linkübersichtsseite zum Report, mit weiteren Links von BCA
Pfeil-rechts1 http://bcaction.org/index.php?page=ai-report

Side Effects Revealed: Women’s Experiences With Aromatase Inhibitors : A Report From Breast Cancer Action (erster Bericht, 612 Teilnehmerinnen, Stand 2007)
Pfeil-rechts1 http://bcaction.org/uploads/PDF/AIReport2007.pdf

Side Effects Revealed:
Women’s Experiences With Aromatase Inhibitors : A Report From Breast Cancer Action (Schlussbericht, 1.199 Teilnehmerinnen, Stand Juni 2008)
Pfeil-rechts1 http://bcaction.org/uploads/PDF/AIReport.pdf

Direkter Link zu den Kommentaren von Teilnehmerinnen an der Umfrage:
Pfeil-rechts1 http://bcaction.org/index.php?page=ai-comments
© 2007, 2008 http://www.bcaction.de | creative commons - some rights reserved